Airlines - Lufthansa übernimmt grosse Teile von Air Berlin - die Anleger freuts

Die Lufthansa übernimmt grosse Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Beide Unternehmen unterzeichnen am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag.
12.10.2017 10:15
Bald gehört ein Grossteil von Air Berlin (Heckflosse mit Logo im Hintergrund) der Lufthansa.
Bald gehört ein Grossteil von Air Berlin (Heckflosse mit Logo im Hintergrund) der Lufthansa.
Bild: Bloomberg

Für 12 Uhr sei der Notartermin geplant, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. "In der Tat ist das heute ein grosser Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte Spohr.

Der Deal lässt Anleger jubeln. Die Aktien der Lufthansa klettern am Donnerstagmorgen um bis zu 3,2 Prozent auf 25,34 Euro, das ist der höchste Stand seit Anfang 2001. Die Papiere Air Berlin schiessen um fast die Hälfte auf 23 Cent in die Höhe.

Analysten der Investmentbank Bernstein stuften die Titel der grössten deutschen Fluggesellschaft auf "outperform" von "market-perform" nach oben und hoben das Kursziel auf 30 Euro von 22 Euro an. Auch die Experten der Bank HSBC legten ein neues Kursziel von 29 Euro nach zuvor 25 Euro fest und bestätigten ihr "Buy"-Rating.

Die Konsolidierung im deutschen Flugmarkt werde der Lufthansa Rückenwind geben, erklären die Bernstein-Analysten. Zudem würden dadurch die Margen im kommenden Jahr weniger stark fallen und die Ergebnisse 2017 und 2018 positiv beeinflussen.

Bei der HSBC hiess es in einem Kurzkommentar zur Aktie, die anstehenden Veränderungen sähen "zu gut aus, um wahr zu sein". Der Konzern habe sich mit den Piloten geeinigt, die Passagierzahlen stiegen und die Übernahme von grossen Teilen der Air Berlin stehe unmittelbar bevor. "Der Air-Berlin-Deal macht die Lufthansa in ihrem Heimatmarkt stärker, was in den kommenden Jahren zu steigenden Erträgen führen sollte."

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrösste deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Exklusivverhandlungen mit Lufthansa und Easyjet

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Bis Donnerstag sollte der Deal unter Dach und Fach sein. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt. Der Billigflieger soll kleinere Teile von Air Berlin übernehmen. Spekuliert wird, ob im Falle eines Scheiterns die Thomas-Cook-Tochter Condor wieder als möglicher Käufer ins Spiel kommt.

Spohr hatte der "Rheinischen Post" (Donnerstag) gesagt, Lufthansa werde von Air Berlin "voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren". Er bekräftigte damit Pläne des Unternehmens.

Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der Zeitung. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu." Eurowings als kostengünstige Zweitmarke arbeite "eigenständig und wird alles tun, die Jets zu füllen".

Angebot an gestrandete Langstreckenpassagiere

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hiess es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle verbliebenen Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hiess. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich". Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

(AWP/Reuters)