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«Airlines verdienen an Ölpreis wenig»

Auch in Südostasien tobt der Kampf der Fluggesellschaften. Singapore Airlines wappnet sich dagegen: Chairman Stephen Lee spricht über die arabische Konkurrenz, den tiefen Ölpreis und «ikonische» Werbeoffensiven.
12.05.2015 01:05
Interview: Marc Forster, St. Gallen
Stephen Lee ist seit 2006 Chairman der Singapore Airlines.
Stephen Lee ist seit 2006 Chairman der Singapore Airlines.
Bild: iNg

cash: Singapore Airlines ist sehr erfolgreich, ist aber auf überseeischen Strecken der Konkurrenz der arabischen Fluglinien ausgesetzt, lokal auch Billiganbietern. Wie gehen Sie damit um?

Stephen Lee: Der Wettbewerb wird nur härter. Im Moment bestehen auf internationalen Routen Überkapazitäten. Um den Konkurrenten begegnen zu können, müssen wir bei Singapore Airlines innovativ bleiben.

Wie sieht diese Innovation aus?

Wir setzen auf mehrere Punkte: Einen überdurchschnittlichen Service in der Kabine, Investitionen in unser Destinationen-Netzwerk und kontinuierliche Innovation bei Produkten und Dienstleistungen. Kunden reisen heute mehr: Wegen der Billig-Fluggesellschaften können sich mehr Leute als früher einen Flug leisten. Die Leute wollen so schnell und so direkt wie möglich von A nach B gelangen. Wenn sie von A über B nach C fliegen müssen, wird der Anschluss in B entscheidend wichtig.

Welche Anstrengungen unternimmt Singapur diesbezüglich?

Wir verbessern die dafür notwendige Infrastruktur in Singapur laufend. Unser Flughafen soll ein fünftes Terminal erhalten, was eine deutliche Verbesserung darstellen wird. Aber schon jetzt schauen wir, dass wir die Flugpläne unserer Portfolio Airlines (neben Singapore Airlines die Regional-Tochter Silk Air und die konzerneigenen Billig-Linien Tigerair und Scoot, Anm. d.Red.) besser aufeinander abstimmen.

Wie profitiert die Gesellschaft vom tiefen Ölpreis?

Wir gehen das Problem etwas anders an: Wir hedgen den Ölpreis, sind damit aber nicht per se auf Profite aus. Wir reduzieren mit dem Hedging sowohl die Peaks als auch die Tiefstände. Auf lange Frist kommen wir damit in etwa eben aus. Auf diese Weise machen wir aus grössten Ausgabenposten, dem Flugbenzin, eine kontrollierbare Grösse.

Der tiefe Ölpreis muss aber ein Vorteil für Singapore Airlines sein...

Dank der 'Gnadenfrist', den in letzter Zeit der tiefe Ölpreis ermöglicht hat, geht es allen Airlines besser, aber längerfristig wird von den Ersparnissen viel an die Kunden gehen. Der Wettbewerb erfordert das ganz einfach so.

Zu Singapore Airlines gehören Ikonen wie das 'Singapore Girl' aus der Werbung. Wie zahlt sich dies aus?

Mit dem Singapore Girl haben wir innerhalb von 30 Jahren einen starken Link zu unserem Service-Gedanken geschaffen: Dies ist ein Vorteil, denn so können wir die Airline 'personifizieren'. Das Singapore Girl placieren wir strategisch in vielen Werbungen. Kunden können sich so leichter mit Singapore Airlines identifizieren: Auf diesen Vorteil werden wir weiter setzen.

Stephen Lee Ching Yen ist seit 2006 Non-Executive-Chairman der Singapore Airlines Group. Er hatte und hat verschiedene Führungspositionen in der singapurianischen Wirtschaft inne und fungierte auch als Präsident des Arbeitgeberverbands im Stadtstaat. Er berät auch die die Staatsholding Temasek, der 56 Prozent der nationalen Fluggesellschaft gehört. Zudem war Lee drei Jahre Mitglied des Parlaments und als Präsidentenberater tätig.

Singapore Airlines entstand 1972, sieben Jahre nach der Unabhängigkeit des Stadtstaates. Heute gehört die Airline zu den erfolgreichsten Carriern der Welt. Singapore Airlines war 2007 Erstkunde des Mega-Airliners Airbus A380 und bedient mit einer ausschliesslich aus Grossraumflugzeugen bestehenden Flotte Mittel- und Langstrecken. Auf der «Kangaroo Route» von Europa nach Australien spürt auch die Singapore Airlines die Konkurrenz der arabischen Gesellschaften Emirates, Etihad und Qatar Airways. Die Singapore-Tochtergesellschaften fliegen auch auf kurzen Routen innerhalb von Südostasien.

cash führte das Gespräch mit Stephen Lee während des 45. St.-Gallen-Symposiums an der Hochschule St. Gallen.