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Aktie der Credit Suisse auf Talfahrt

Die Aktien der Credit Suisse fallen am Dienstag auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Die Anleger müssen sich auf einen durchwachsenen Drittquartalsbericht der Grossbank einstellen.
27.09.2016 14:22
Von Pascal Züger
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse.
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse.
Bild: ZVG

Die Aktie der Credit Suisse (CS) verliert im Morgenhandel am Dienstag bis 4,5 Prozent und ist somit mit Abstand die grösste Verliererin im Swiss Market Index.  Im dritten Quartal spürte das Institut in Teilen des Vermögensverwaltungsgeschäfts Gegenwind, wie CEO Tidjane Thiam am Dienstag auf einer Investorenkonferenz sagte.

"Sie werden in unseren Q3-Ergebnissen sehen, dass wir Abflüsse in der Schweiz hatten." Die Schweiz ist gemessen an den Erträgen und dem Vorsteuergewinn der wichtigste Markt für die Credit Suisse. Die Bank legt den Quartalsabschluss am 3. November vor. 

Ein Analyst erklärte, angesichts der Erholung der Anleihen-Märkte hätten viele Beobachter für das dritte Quartal mit einer Ertragsverbesserung bei Credit Suisse gerechnet. Vor diesem Hintergrund seien die Äusserungen Thiams enttäuschend. Die Aktie des Konkurrenten UBS verliert am Dienstag rund 2 Prozent.

Die CS habe die Zusammenarbeit mit einer Reihe von externen Vermögensverwaltern im Heimmarkt eingestellt. "Ich glaube, dass das Risiko-Reduktion ist", sagte Thiam weiter. Externe Vermögensverwalter sind selbstständige Firmen, die Kunden betreuen, die Vermögen aber bei Banken wie der Credit Suisse gebucht haben. Nicht alle Vermögensverwalter haben dieselben hohen Standards bezüglich der Herkunft der Gelder wie die grossen Institute.

Barmittelbestände auf einem historischen Höchststand

Auch in anderen Bereichen präsentiert sich das Geschäft zur Zeit schwierig. In Asien sei die Profitabilität kurzfristig unter Druck, weil die Bank neues Personal einstelle und auch sonst investiere, sagte Thiam. Angesichts der schwierigen Marktverfassung handelten die Privatkunden zudem generell weniger. Mit rund 30 Prozent seien die Barmittelbestände auf einem historischen Höchststand. Banken wie die Credit Suisse erwirtschaften einen grossen Teil des Gewinns mit Gebühren auf Transaktionen. Nach einem schwierigen Juli und August hat sich dieser Teil des Geschäfts laut Thiam im September wieder erholt.

Insgesamt will der frühere Versicherungsmanager an seinem Kurs festhalten, der einen Abbau des schwankungsanfälligen Investmentbankings und einen Ausbau der stabileren Vermögensverwaltung vorsieht. "Ich erwarte keine grössere Richtungsänderung", sagte er. "Wir sind den Märkten etwas ausgesetzt, aber das untermauert nur die Bedeutung von Kostensenkungen." Credit Suisse bekräftigte das Sparziel und sieht sich auf Kurs, im laufenden Jahr 6000 Stellen abzubauen.

Thiam trat am Dienstag an einer Finanzkonferenz der Bank of America Merrill Lynch in London auf. Mit ihren Bemühungen, die Kosten zu reduzieren, sieht sich die Credit Suisse auf Kurs, sagte Thiam weiter. So sei man etwa auf dem richtigen Weg, die Mitarbeiterzahl 2016 wie gewollt zu reduzieren. Per (heutigen) Dienstag sei der Personalbestand um 4'800 von den angepeilten 6'000 Stellen weltweit abgebaut worden. Damit verblieben in diesem Jahr noch 1'200.

Umfeld schwierig für Grossbanken

Seit einem Jahr befindet sich die Credit Suisse in einem grossen Umbau. Nach der Übernahme des Chefpostens durch Thiam per Juli 2015 wurde im Oktober vergangenen Jahres eine neue Strategie kommuniziert - inklusive Sparmassnahmen und Stellenabbau. Im März 2016 wurde dann eine beschleunigte Restrukturierung angekündigt, wo erstmals 6'000 Stellen für 2016 als neue Zielmarke genannt wurden. Die Aktie hat seit dem Amtsantritt von Thiam 50 Prozent verloren.

Die CS und die UBS leiden derzeit unter einem schlechten Umfeld für Bankaktien. Die Aktie der Deutschen Bank fielen am Montag auf ein neues Rekordtief, was den ganzen Sektor belastet. Spekulationen über eine Kapitalerhöhung drückten die Titel des deutschen Primus.

Die Bank trat einem Bericht des Magazins "Focus" entgegen. Sie habe die deutsche Regierung nicht um Unterstützung gebeten und die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht, sagte ein Sprecher der Bank. Zudem limitieren die tiefen Zinsen, die stark auf die Gewinnmargen drücken, die Gewinnaussichten der Banken, hiess es im Markt.

(Mit Material von AWP und Reuters)