Aktie der Credit Suisse schliesst erstmals unter 10 Franken

Die Aktie der zweitgrössten Schweizer Bank hat am Mittwoch eine psychologisch wichtige Marke unterschritten.
06.07.2016 17:47
Von Daniel Hügli
Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident Credit Suisse.
Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Die Aktie von Credit Suisse fiel am Mittwoch nach Handelsstart an der SIX unter die Marke von 10 Franken. Sie schaffte es im Tagesverlauf nur noch einmal kurz über die 10-Franken-Schwelle und beendete den Handelstag 1,7 Prozent tiefer auf 9,915 Franken. Damit kostet die Aktie erstmals überhaupt weniger als eine Zehnernote. 

Händler berichten vor allem von Verkäufen von Fonds aus Grossbritannien und aus dem arabischen Raum. Zudem sollen sich unbestätigten Gerüchten zufolge derzeit Grossaktionäre in "grossen Mengen" von den Papieren trennen. Deshalb werde ein anhaltender und bedeutender Angebots-Überhang in den CS-Aktien befürchtet. Mit dem unter 10 Franken gesunkenen Kurs der Credit Suisse sei eine Art "Worst Case Szenario" eingetreten, so Marktteilnehmer weiter.

Bereits in den letzten Tagen hatten die Furcht vor den Folgen eines EU-Austritts Grossbritanniens und Sorgen um den italienischen Bankensektor Bankenwerten zugesetzt. Seit Anfang letztem August hat die CS-Aktie fast 65 Prozent verloren.

Der Fall unter die Marke von 10 Franken ist für den Markt vor allem psychologisch relevant. Und er steht in engem Zusammenhang mit CEO Tidjane Thiam und dem Verwaltungsrat unter Präsident Urs Rohner, der Thiam im Juli 2015 inthronisiert hatte. Seither hat die Aktie 60 Prozent verloren, wie folgender Chart verdeutlicht.

Kursentwicklung der CS-Aktie in den letzten 12 Monaten.

Der Aktienkurseinbruch alarmiert auch viele Mitarbeiter. Mit einem Börsenwert von etwas über 20 Milliarden Franken ist die Bank noch gut halb so viel wert wie bei einer Liquidation des Konzerns übrig bliebe. Diesen enormen Abschlag erklärt Barclays-Analyst Jeremy Sigee mit den drohenden Milliarden-Kosten für Rechtsstreitigkeiten.

Kommt eine weitere Kapitalerhöhung?

Obwohl Thiam schon sechs Milliarden Franken an Kapital aufgenommen hat und der Konzern inzwischen wetterfester ist, befürchten Anleger, dass das nicht genug sein könnte. "Die Sicherheitsmarge der Bilanz ist beschränkt," sagte Jupiter-Fondsmanager Cedric de Fonclare. Er befürchte eine weitere Kapitalerhöhung.

Den Aktien der Credit Suisse, wie übrigen sauch der Deutshen Bank, droht durch den Kurszerfall nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg der Abstieg aus den Stoxx Europe 50. Infolge der Kursturbulenzen seien die Aktien der beiden Kreditinstitute in dem für die Index-Zugehörigkeit entscheidenden Ranking weit zurückgefallen, schrieb Analyst Uwe Streich in einer Studie vom Mittwoch.

Die Aktien seien auf die Plätze 85 und 86 durchgereicht worden. Sollten sie es bis zum 30. Juli nicht zurück in die Top 74 schaffen, würde ein Abstieg via Fast Exit folgen. Unmöglich erscheine der Verbleib zwar nicht, einfach werde es aber wohl auch nicht. Umgesetzt würden der oder die Wechsel mit Wirkung zum 8. August. Die Aktien des Baukonzerns Vinci und des Versorgers Iberdrola wären dann aussichtsreichste Nachrückkandidaten. Wichtig sind Index-Veränderungen insbesondere für Fonds, die die Indizes nachbilden. Sie müssen ihre Portfolios entsprechend anpassen. 

(Mit Material von Reuters und AWP)