Aktie des Schweizer NahrungsmittelmultisDas müssen Anleger zu Nestlé wissen

Anleger quittieren das Jahresergebnis von Nestlé mit Aktien-Verkäufen. cash erklärt, wie die Lage des grössten Unternehmens an der Schweizer Börse derzeit einzuschätzen ist.
16.02.2017 15:19
Von Marc Forster
Babynahrung von Nestlé in einem Supermarkt in Peking.
Babynahrung von Nestlé in einem Supermarkt in Peking.
Bild: Bloomberg

Erfüllt Nestlé die Erwartungen beim Jahresergebnis?

Nein. Die von Anlegern und Analysten als wichtig eingestufte Kennzahl des organischen Wachstums liegt unter den Erwartungen: 3,2 Prozent Umsatzplus aus eigener Kraft – also abgesehen von Zukäufen und anderen Wachstumstreibern – ist wenig. Zumal der Wert Ende September noch 3,3 Prozent betragen hatte und sich somit eine Abschwächung im vierten Quartal abzeichnete. Langfristig wollte Nestlé jährlich um 5 bis 6 Prozent zulegen. Diese Ziele können vorerst einmal abgeschrieben werden. Es ist auch ein Wachstumsziel, das Nestlé seit vier Jahren nicht mehr erreicht hat. 

Wo zeigt sich der Nahrungsmittel-Multi stark?

Im Vergleich zu anderen Nahrungsmittel-Weltkonzernen wie Danone oder Unilever schneidet Nestlé in einem wichtigen Bereich besser ab, wie die Zürcher Kantonalbank schreibt: Das Mengenwachstum von 2,4 Prozent ist gut (Danone: -0,2 Prozent, Unilever +0,9 Prozent). Auch operativ konnte sich Nestlé steigern: Die EBIT-Marge stieg um 0,2 Basispunkte auf 15,3 Prozent. Das Geschäft in den Industrieländern wuchs um 1,7 Prozent, dasjenige in den aufstrebenden Märkten legte um 5,3 Prozent.

Weswegen fällt die Aktie?

Das unter Erwarten ausgefallene organische Wachstum missfällt den Investoren. Bereits gedämpfe Erwartungen wurden von der Realität noch einmal unterboten. Zudem ist auch der Umsatz schwächer ausgefallen als von Analysten vorausgesagt: Statt 89,7 Milliarden Franken waren es nur 89,5 Milliarden. Der Ausblick enttäuscht den Markt ebenfalls: Der neue CEO Ulf Mark Schneider peilt ein organisches Wachstum von 2 bis 4 Prozent an und spricht nur von einer "stabilen" operativen Marge. Auch Berichte bei der chinesischen Tochter Yinlu, die unter anderem Reismehl und Erdnussmilch herstellt, trüben das Bild.

Spürt man schon die Handschrift des neuen Chefs Ulf Mark Schneider?

Das 2016er-Ergebnis geht noch auf Schneiders Vorgänger Paul Bulcke zurück. Dennoch steht der neue CEO im Zentrum des Interesses: Sein vorsichtiger Ausblick enttäuscht einige Anleger, wobei Schneider andererseits auch ein realistischer Blick auf den Konzern bescheinigt wird. Nachdem Schneider sehr erfolgreich während 13 Jahren den deutschen Medizinaltechniker Fresenius geleitet hatte, ruhen hohe Erwartungen auf ihm. Der neue CEO, der sehr ungewöhnlich für Nestlé von aussen kommt, will den Gesundheitsbereich des Weltkonzerns ausbauen.

Wird Nestlé am Ende zum Medizialtechniker?

Nahrungsmittel werden weiterhin das Hauptgeschäft von Nestlé sein. Im Markt verspricht man sich aber bessere Wachstumsraten für spezielle Lebensmittel für kranke oder alte Menschen als bei Massenprodukten wie Süssigkeiten, Pulversuppen oder Tiefkühlpizza. Demzufolge steht Nestlé ein grösserer Umbau bevor, der Jahre dauern kann.

Kann man weiter auf die Nestlé-Aktien vertrauen?

Der defensive Langfrist-Charakter der Nestlé-Aktie, der am stärksten gewichteten im SMI, verliert sich durch das jüngste Ergebnis nicht. Nachdem der Titel im Sommer bei 80 Franken seinen absoluten Höchststand erreicht hatte, fiel er im Dezember bis auf 67 Franken, er arbeitete sich aber wieder ein wenig empor und steht nun bei 71,50 Franken. Auf sechs Monte zurückblickend steht die Aktie derzeit um 7,4 Prozent tiefer.

Damit steht Nestlé aber besser da als die unmittelbare Konkurrenz. Die Aktie des französischen Konkurrenten Danone ist innerhalb der vergangenen sechs Monate um 13,44 Prozent gefallen. Bei der an der Londoner Börse gelisteten Unilever Group beträgt der Kursverfall 8,3 Prozent.

Wichtig für die weitere Entwicklung des Aktienkurses ist die Kommunikation des neuen CEO Schneider. Von einer unruhigen Entwicklung des Kurses muss man in nächster Zeit allerdings ausgehen. Anleger sollten auf erneute Rückschläge der Aktie warten, um einzusteigen.