Aktie taucht um 4 ProzentGivaudan überrascht mit Margenrückgang

Anstatt Margenverbesserungen meldet Givaudan einen Margenrückgang. Damit überrascht der Riechstoffhersteller viele Analysten negativ und verpasst der eigenen Aktie einen kräftigen Kursrücksetzer.
31.01.2017 11:36
Von Lorenz Burkhalter
Gerade im margenstarken Geschäft mit Riechstoffen wächst Givaudan gemächlicher als erwartet.
Gerade im margenstarken Geschäft mit Riechstoffen wächst Givaudan gemächlicher als erwartet.
Bild: Bloomberg

Schon seit Wochen warnen einige Analysten bei Givaudan vor einer Margenenttäuschung. Nicht ohne Grund, wie sich am Dienstag früh herausstellt: Denn während die Umsatzentwicklung beim Aromen- und Riechstoffhersteller aus Genf die Erwartungen im vergangenen Jahr zumindest knappt erfüllt, bleibt der Zahlenkranz auf den Stufen operativer Gewinn (EBITDA) und Reingewinn weit dahinter zurück. Schuld sind unter anderem gestiegene und die Margen schmälernde Rohmaterialkosten.

Das Unternehmen bekräftigt zwar die bisherigen Mittelfristziele und versucht die Aktionäre mit einer grosszügigeren Dividende versöhnlich zu stimmen.

An der Schweizer Börse SIX geht diese Rechnung jedoch nicht auf. Im frühen Handel taucht die noch am Vortag gefragte Givaudan-Aktie noch um 4,2 Prozent auf 1'779 Franken. Zeitweise wurden sogar Kurse von bis zu 1'728 Franken bezahlt. Beobachter berichten von aggressiven Verkäufen aus dem Ausland.

Wie einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zu entnehmen ist, war die Wachstumsverlangsamung im Jahresverlauf klar von Givaudan angekündigt worden. Ausserdem gibt der Autor zu bedenken, dass das organische Umsatzwachstum von 4,2 Prozent im aktuellen Umfeld kein schlechter Wert sei.

Operative Marge fällt bereinigt sogar noch stärker

Allerdings habe das Unternehmen auch bei der Rentabilität Federn lassen müssen, wie der ZKB-Analyst weiter schreibt. Mit dem seit Juli beobachteten Kursrückschlag wurde diesem Umstand seines Erachtens jedoch bereits Rechnung getragen. Er empfiehlt die Aktie deshalb weiterhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

Die Givaudan-Aktie kennt schon seit Monaten nur eine Richtung; Quelle: www.cash.ch

Berechnungen von Kepler Cheuvreux zufolge profitierte Givaudan im vergangenen Jahr sogar von einer Umstellung bei der Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen im Umfang von 60 Millionen Franken. Diesen den Gewinn aufblähenden Sondereffekt ausgeklammert kommt man sogar nur auf eine operative Marge (EBITDA) von rund 22,8 Prozent. Seitens des Unternehmens wird eine Marge von 24,1 Prozent ausgewiesen, entsprechende Markterwartungen lagen sogar bei 24,6 Prozent. Die Givaudan-Aktie wird bei Kepler Cheuvreux vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 2060 Franken und damit neutral eingestuft.

Steigen die Rohmaterialkosten 2017 weiter?

Die Analystin von J.P. Morgan spricht ebenfalls von einer Margenenttäuschung. Um einmalige Faktoren bereinigt ist die EBITDA-Marge ihren Berechnungen zufolge um 110 Basispunkte eingebrochen. Schwächen macht man bei der amerikanischen Investmentbank sowohl im Geschäft mit Riechstoffen als auch in jenem mit Aromen aus. Ob die Givaudan-Aktie auch in Zukunft mit "Overweight" und einem Kursziel von 1'950 Franken empfohlen wird, bleibt fraglich.

Neben der margenverwässernden Übernahme von Spicetec und ungünstigen Verschiebungen in der Umsatzzusammensetzung werden vor allem gestiegene Rohmaterialkosten für die rückläufige Margenentwicklung verantwortlich gemacht. Wie sich die Rohmaterialkosten im laufenden Jahr entwickeln werden, darüber hüllt sich Givaudan noch in Schweigen. Der für die Bank Vontobel tätige Analyst erhofft sich diesbezüglich anlässlich der für 15 Uhr angekündigten Telefonkonferenz wichtige Aussagen. Was den in der zweiten Jahreshälfte beobachtete Margenrückgang im Riechstoffbereich anbetrifft, so zeigt er sich etwas ratlos. Eigenen Angaben zufolge wird der Experte seine Schätzungen nach unten anpassen. Sein Anlageurteil für die Aktie lautet weiterhin "Hold" und das Kursziel 1'900 Franken.

Sein Berufskollege von Julius Bär zögert hingegen nicht lange und stuft die Aktie nach der Margenenttäuschung von "Buy" auf "Hold" herunter. Neu errechnet er ein Kursziel von 2'100 (alt: 2'250) Franken. Die Wachstumsverlangsamung habe sich ins Schlussquartal hineingezogen und die Margen seien ganz klar unter den Erwartungen ausgefallen, so schreibt der Analyst. Auch in der nur leichten Dividendenerhöhung sieht er eine Enttäuschung.