Aktie von Meyer Burger sackt ab - 93 Prozent Verlust seit 2011

Die Aktie von Meyer Burger fällt nach dem Quartalsbericht und der Ankündigung einer Kapitalerhöhung deutlich. Analysten sehen nach einer Beruhigungsphase Aufwärtspotenzial für den Titel
08.11.2016 09:59
Schriftzug von Meyer Burger.
Schriftzug von Meyer Burger.
Bild: cash

Die Berner kündigen am Dienstag ein umfassendes Rekapitalisierungsprogramm zur Rückzahlung der Obligationenanleihe mit Fälligkeit in 2017 und zur Stärkung der Kapitalstruktur an. Ferner werden die Gewinnzahlen für die ersten drei Quartale sowie der Eingang eines neuen Grossauftrags gemeldet.

Mit einer Kapitalerhöhung über 160 Mio CHF soll die Rückzahlung der im Mai 2017 fällig werdenden Obligationenanleihe über 130 Mio sichergestellt werden, so Meyer Burger. Ein weiteres Element zur Stärkung der Kapitalstruktur sei eine Anpassung der Bedingungen der ausstehenden Wandelanleihe 2020. Die Wandelanleihe über 100 Mio CHF wurde im September 2014 mit einem Coupon von 4% pro Jahr ausgestattet. Der Verwaltungsrat schlägt den Wandelanleihegläubigern vor, auf die Put-Option per September 2018 zu verzichten und offeriert im Gegenzug eine höhere Verzinsung sowie einen reduzierten Wandelpreis.

Das dritte Element des Rekapitalisierungsprogramms ist eine Verlängerung der Laufzeit des im April 2017 fällig werdenden hypothekarisch gesicherten Kredits von 30 Mio CHF auf dem Verwaltungs- und Produktionsgebäude in Thun um drei Jahre. Gleichzeitig wird die Garantiefazilität auf 60 Mio angepasst und die Laufzeit ebenfalls um drei Jahre verlängert. Die Verlängerung der beiden Kreditfazilitäten sei durch ein Bankenkonsortium zugesichert worden.

Die Aktie von Meyer Burger sinkt im frühen Handel an der SIX am Dienstag bis zu 14 Prozent und notiert zuletzt 12 Prozent weniger bei 2,34 Franken. Seit April 2011 hat der Titel 93 Prozent an Wert eingebüsst. 

Veraison zufrieden

Die Beteiligungsgesellschaft Veraison Capital zeigt sich derweil mit den Kapitalmassnahmen des Solarzulieferers zufrieden. Das Rekapitalisierungsprogramm sichere eine nachhaltige Finanzierung der Gesellschaft, sei im Interesse aller Stakeholder und ermögliche Meyer Burger, die unternehmerischen Potentiale seiner Technologie zu realisieren.

Bereits vor rund einem Monat äusserte sich Gregor Greber, ein Mitbegründer der Beteiligungsgesellschaft Veraison Capital, gegenüber der Presse im Hinblick auf eine mögliche Kapitalerhöhung. Ein solche sei beim Solarzulieferer notwendig, sonst könnten die Schulden nicht aus der Bilanz bereinigt werden, sagte er in einem Interview.

Das Unternehmen besitze eine chancenreiche Technologie, sei aber von Grossaufträgen abhängig und unterliege daher grosser Ungewissheit, meinte er damals weiter. In dieser Situation dürfte Meyer Burger eigentlich keine Verschuldung haben. Die Kapitalerhöhung müsse genügend gross sein, damit eine Refinanzierung der beiden Obligationen und die Sicherung der Unternehmensführung mit der Erreichung der ambitiösen Ziele gesichert wäre.

Analysten positiv gestimmt

Veraison hatte vergangenen Juli eine Wandelanleihe von Meyer Burger gekauft. Grössere Gläubiger, darunter auch Veraison Capital, hätten ihre Unterstützung in Aussicht gestellt, liess Meyer Burger am Dienstag wissen.

Auch von Analystenseite zeigt sich verhaltener Optimismus: "Derzeit ist es schwierig, das Ausmass der Aktienkapitalverwässerung zu bestimmen. Wir stufen die Ankündigung auf den ersten Blick als positiv ein. Das Rating und das Kursziel werden überprüft", schreibt die Bank Vontobel, die bislang ein "Hold"-Rating auf den Aktien hatte mit einem Kursziel von 5 Prozent.

Der Analyst der Zürcher Kantonalbank sieht bei der Aktie nach einer gewissen Zeit Aufwärtspotenzial. Zwar sei noch unsicher, ob die Kapitalerhöhung die gewünschten 160 Millionen Franken einbrächten. Deshalb und aufgrund des Abschlages sowie der Verwässerung werde der Titel vorerst noch unter Druck kommen. "Wird die Kapitalisierung wie gewünscht realisiert, wird sich dies positiv auf den Aktienkurs auswirken", schreibt die ZKB.

Grossprojekt in der Türkei

Ferner wird von Meyer Burger am Dienstag ein neuer Auftrag für ein Photovoltaik-Grossprojekt in der Türkei im Gesamtwert von 67 Mio EUR gemeldet. Die Anzahlung für den Auftrag wird im Verlauf des ersten Quartals 2017 erwartet, die Auslieferung der Anlagen sei ab dem dritten Quartal 2017 geplant.

Nach ersten ungeprüften Zahlen erwartet das Unternehmen für die ersten neun Monate 2016 einen Anstieg des Auftragseingangs um 15% auf 358,5 Mio CHF und einen Umsatzanstieg von 97% auf 336,1 Mio. Das Ergebnis auf Stufe EBITDA belief sich den Angaben zufolge auf 13,9 Mio und auf Stufe Nettoergebnis resultierte voraussichtlich ein Verlust von 40,3 Mio.

Für das gesamte Jahr erwartet Meyer Burger einen Nettoumsatz von 420-450 Mio CHF und auf Stufe EBITDA ein positives Ergebnis von 10-20 Mio.

(AWP/cash)