Aktie von Swiss Re nun auch von CS herabgestuft

Die Aktie von Swiss Re ist für ihre hohe Dividende bei Anlegern beliebt. Immer mehr Banken empfehlen sie allerdings zum Verkauf. Seit neustem auch die Credit Suisse. Was sind die Gründe?
13.06.2016 08:20
Von Lorenz Burkhalter
Bei Anlegern beliebt, bei den Banken hingegen zusehends weniger: Die Aktie von Swiss Re.
Bei Anlegern beliebt, bei den Banken hingegen zusehends weniger: Die Aktie von Swiss Re.
Bild: Bloomberg

In den vergangenen Jahren prasselte das Geld nur so auf die Aktionäre von Swiss Re nieder. Ursprünglich als Sonderdividende zum Firmenjubiläum gedacht, entrichtete der Rückversicherungskonzern aus Zürich seinen Anteilseignern während drei aufeinanderfolgenden Jahren über die reguläre Dividende hinaus jeweils einen kleinen Zustupf aus der Barmittel-Schatulle.

Nach dem Abgang des langjährigen Finanzchefs George Quinn, er gilt als der Initiant der Jubiläums-Dividende, ist mit diesem Zustupf zwar seit über einem Jahr Schluss. Entschädigt werden die Aktionäre seither jedoch mit einem Aktienrückkaufprogramm.

Doch auch aufgrund der noch immer attraktiv hohen regulären Dividendenrendite von 5,5 Prozent erfreut sich die Aktie von Swiss Re bei den Anlegern noch immer grosser Beliebtheit. Anders bei den Banken: Immer mehr Analysten raten ihrer Kundschaft zum Verkauf dieses Valors.

Gewinnerwartungen womöglich zu hoch

Seit heute Montag ist dieses Expertenlager erneut gewachsen. In einer Studie zur europäischen Rückversicherungsindustrie nimmt der für die Credit Suisse tätige Autor die Abdeckung der Swiss-Re-Aktie mit "Underperform" und einem Kursziel von 87 Franken auf, was einer Verkaufsempfehlung gleichkommt.

Der Experte schliesst nicht aus, dass die verhaltene Gewinnentwicklung im ersten Quartal erst der Beginn einer allgemeinen Verschlechterung sein könnte und weitere Enttäuschungen folgen werden. Er hält die Gewinnerwartungen seiner Berufskollegen daher für übertrieben hoch.

Häufung von Grosskatastrophen ein zweischneidiges Schwert

Auch was die leicht über dem Branchenschnitt liegende Bewertung des Rückversicherungskonzerns anbetrifft, findet der Analyst keine wohlwollenden Worte. Er erachtet Anleger in der Aktie des Rivalen Munich Re deutlich besser aufgehoben.

Keines Kommentars würdigt der Studienverfasser hingegen die sich häufenden Naturkatastrophen. Das überrascht, werden die versicherten Schäden der Erdbeben in Japan und Ecuador doch auf drei Milliarden Dollar, jene der Unwetter und Waldbrände in Nordamerika sogar auf bis zu 10 Milliarden Dollar geschätzt. Dazu kommen die Überschwemmungen in weiten Teilen Europas der letzten Wochen. Auch diese schlagen Expertenmeinungen zufolge mit bis zu drei Milliarden Dollar zu Buche.

Schadenarme Jahre haben die grosszügige Ausschüttungspolitik von Swiss Re überhaupt erst möglich gemacht. Die jüngste Häufung von Naturkatastrophen ist daher alles andere als ermutigend. So brutal die Katastrophen für die Betroffenen auch sein mögen: Gerade was die seit längerer Zeit gedrückte Prämiengestaltung im Neugeschäft anbetrifft, spielen sie den Rückversicherern in die Hände.