Aktien - Die Gewinner und Verlierer der Schweizer Zahlensaison

Die Quartals- und Halbjahreszahlen haben die Kurse an der Schweizer Börse teils kräftig durcheinandergewirbelt. Fünf Verliereraktien und fünf Gewinnertitel, die aber nicht alle eine Investition wert sind.
15.08.2018 23:00
Von Ivo Ruch
Die Lonza-Aktie ist mittlerweile gefährlich hoch gestiegen.
Die Lonza-Aktie ist mittlerweile gefährlich hoch gestiegen.
Bild: ZVG

An der Schweizer Börse wurden einige Karten neu gemischt. Nicht nur sind die Unterschiede zwischen Überfliegern und Absteigern mittlerweile heftig: Tornos (+90 Prozent) und Aryzta (-75 Prozent) trennen im laufenden Jahr Welten. Auch haben einige beliebte Aktien in den zurückliegenden Wochen stark gelitten. Die jüngste Zahlensaison hat viele dieser Rückschläge noch verstärkt. cash stellt erst fünf Gewinner der Schweizer Zahlensaison vor, dann fünf Verlierer. 

Novartis (+4,3 Prozent seit Publikation der letzten Geschäftszahlen)

Die Novartis-Aktie ist schon seit einigen Wochen im Aufwind. Genau genommen Ende Juni nahm der Titel Fahrt auf und ist seither von unter 72 auf über 81 Franken gestiegen. Für zusätzlichen Schub sorgten die Quartalszahlen am 18. Juli. Die Chancen auf noch höhere Kurse stehen gut: Vor der geplanten Abspaltung hat sich die lange kriselnde Augensparte Alcon erholt. Und für das dritte Quartal hat Finanzchef Harry Kirsch zuletzt eine Erhöhung der Prognosen auf Konzernebene zumindest nicht ausgeschlossen.

Lonza (+11,0 Prozent)

Ein anderes Basler Unternehmen, der Pharmazulieferer Lonza, ist noch schwungvoller unterwegs: Auf 52 Wochen berechnet sich ein Plus von 35 Prozent, seit Anfang Jahr sind es 19 Prozent. Mit dem guten ersten Halbjahr im Rücken hat Lonza jüngst seine Vorgaben für 2018 erhöht, was das Interesse an der Aktie zusätzlich steigerte. Aber Vorsicht: Die hohen Lonza-Kurse nahe Allzeithoch bergen die Gefahr von Korrekturen. Zuletzt geschehen zu Jahresbeginn (siehe grüner Pfeil im Chart unten) als die Jahreszahlen 2017 unter den Erwartungen blieben.

Die Lonza-Aktie in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

SFS (+11,2 Prozent)

Bemerkenswert beim Kursverlauf von SFS ist die deutliche Belebung nach Publikation der Halbjahreszahlen Ende Juli. Kurz davor war der Rheintaler Industriekonzern unter 100 Franken und somit auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen. Mittlerweile steht der Titel bei knapp 116 Franken und das SFS-Management blickt zuversichtlich in die Zukunft: Die bisherige Guidance beim Umsatz wurde angehoben.

Forbo (+11,3 Prozent)

Einen veritablen Kurssprung hat auch die Industriegruppe Forbo hinter sich. Mit mehr als 11 Prozent Gewinn honorierten die Anleger den Semesterbericht am 27. Juli, mittlerweile ist die Kursdelle vom Frühling ausgewetzt. Seither tendiert die Aktie zwar seitwärts, was im aktuell volatileren Umfeld aber kein Misserfolg ist. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm sorgt ebenfalls für Unterstützung beim Aktienkurs.

Swissquote (+15,4 Prozent)

Während viele Schweizer Finanzaktien derzeit Mühe haben, gehört die Onlinebank Swissquote zu den Überfliegern: Seit Jahresbeginn ist nur die Tornos-Aktie besser unterwegs. In den letzten drei Jahren hat sich der Börsenwert mehr als verdreifacht. Nicht nur eine zuversichtlichere Prognose für das Gesamtjahr sorgte jüngst für Aufwind. Auch die Übernahme einer luxemburgischen Onlinebank wurde beklatscht. Allerdings: Das Trading-Geschäft ist schwankungsanfällig. Und der zuletzt boomende Handel mit Kryptowährungen dürfte unter dem Wertzerfall von Bitcoin und Co. leiden.

Swiss Re (-2,8 Prozent)

Es tönt hart, ist aber so: Die Swiss-Re-Aktie lebt seit geraumer Zeit vor allem von Dividenden und Aktienrückkaufen. Der Titel hat seit der Finanzkrise nie mehr über 100 Franken notiert (aktuell 87 Franken), im Jahresverlauf steht er 5 Prozent im Minus, seit 52 Wochen praktisch unverändert. Enttäuscht reagierte der Aktienmarkt Anfang August auch auf das schlechteste Ergebnis seit 2012 – trotz ausbleibender Grossschäden durch Naturkatastrophen. Was könnte der Aktie helfen? Am ehesten noch der geplante Börsengang der Sparte ReAssure.

Julius Bär (-5,4 Prozent)

Die Privatbank Julius Bär (-10,6 Prozent) lässt die Grossbanken CS (-15,4 Prozent) und UBS (-15,1 Prozent) punkto Börsenperformance in diesem Jahr zwar immer noch hinter sich. Für die Aktionäre ist das nur ein schwacher Trost: Sorgen um den europäischen Bankensektor setzten dem Titel genauso zu wie verpasste Prognosen bei der Ergebnisveröffentlichung. Bei hoher Marktvolatilität und geopolitischen Unsicherheiten bleiben Bankaktien riskante Investments.

Bobst (-20,9 Prozent)

Gewinnwarnungen sind immer Gift für den Aktienkurs. Kommt wie im Fall von Bobst eine auslaufende Kursrally hinzu, sind die Reaktionen meist noch heftiger. Der Hersteller von Verpackungsmaschinen verlor im Juli alleine am Tag der Gewinnwarnung 17 Prozent, 2017 konnte er gesamthaft noch 83 Prozent zulegen. Für einen erneuten Höhenflug sprechen die Führungsposition in einem Wachstumsmarkt sowie die mittlerweile akzeptable Bewertung.

Rieter (-21,0 Prozent)

Nicht einmal das aufgestockte Engagement des einflussreichen Vermögensverwalters Veraison konnte den Kursrückgang von Rieter in den letzten Monaten stoppen. Eine Aktie des Textilmaschinenherstellers kostet nur noch 142 Franken – so wenig wie zuletzt im Herbst 2015. Rieter schafft es offenbar nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen, die den Aktienkurs Anfang Jahr noch bis auf 259 Franken steigen liessen. Dennoch ist Veraison-Gründer Gregor Greber der Meinung, der Markt erkenne den wahren Wert von Rieter nicht. Ob er recht behält?

Rieter-Aktienkurs in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Meier Tobler (-32,2 Prozent)

Noch vor wenigen Monaten galt der frisch fusionierte Gebäudetechniker Meier Tobler (Walter Meier und Tobler Haustechnik) als Dividendenperle an der Schweizer Börse. Doch nach einem unerwartet starken Umsatzrückgang wurde Mitte Juli die Notbremse gezogen: keine Dividende für die nächsten zwei Jahre. Meier Tobler hat seither fast einen Drittel seines Wertes eingebüsst, per Jahresanfang ist es praktisch die Hälfte. Ob die Integration doch noch auf einen grünen Zweig kommt, bleibt ungewiss. Ein Einstieg drängt sich noch nicht auf.