Aktien Europa - «Das könnte für zusätzlichen Schub an den Märkten sorgen»

Aktien bleiben lukrativ, sagt Andrew Milligan von Aberdeen Standard. Im cash-Video-Interview erklärt der Chefstratege, welche Sektoren sich speziell lohnen und warum die Märkte bald einen Zusatzschub erleben könnten.
30.09.2019 16:38
Von Henning Hölder, Edinburgh
Andrew Milligan, Head of Global Strategy bei Aberdeen Standard Investments.
Bild: cash

2019 dürfte die Weltwirtschaft so wenig wachsen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die UN-Tochter Unctad, die für Handel und Entwicklung zuständig ist, hält eine "globale Rezession" für eine realistische Gefahr. Doch Andrew Milligan von Aberdeen Standard Investment möchte im Interview mit cash nicht in den allgemeinen Abgesang der Weltkonjunktur einstimmen.  

Im Gegenteil: Der Chefstratege gibt sich optimistisch für die Weltwirtschaft und die globalen Aktienmärkte. "Ja, wir haben eine Rezession in Deutschland, bei der weltweiten Industrieproduktion sowie im Handel. Doch es gibt auch positive Entwicklungen, welche die Weltkonjunktur hochtreiben". Ein starker Konsum, ein im Gegensatz zur Industrieproduktion stabiler Dienstleistungssektor sowie die geringe Arbeitslosigkeit machen den globalen Chefstrategen optimistisch, wenn es um die Zukunft der globalen Aktienmärkte geht.

Fiskalpolitische Massnahmen

Getrieben werde diese Entwicklung von den Niedrigzinsen der Notenbanken. Doch Milligan glaubt, dass bald noch ein weiterer positiver Effekt hinzukommen dürfte. "Neben geldpolitischen Massnahmen sollten bald auch fiskalpolitische Impulse den Aktienmärkten Aufwind geben." Daher blicke man mit einem "moderaten Optimismus" in die Zukunft der Märkte.

Milligan sieht daher noch die Möglichkeit für einen zusätzlichen Schub an den Märkten. Denn: "Momentan sind die Investoren abwartend und halten viel Cash. Sollte nun von irgendwo Good News kommen, würde das die Anleger dazu bringen, ihre Cash-Reserven auf die Aktienmärkte zu werfen." Allerdings könnten politische Ereignisse wie Brexit oder Handelsstreit weiter belastend auf die Märkte einwirken, so Milligan.

Wo investieren?

Und welche Sektoren sind für die Zukunft gut aufgestellt? "Vor allem der Bau-Sektor entwickelt sich weiter gut", sagt Milligan. Hier lohne es sich etwa, ein Auge auf den irischen Baustoffhersteller Cement Roadstone Holding (CRH) zu werfen. Auch im Finanzsektor sieht er trotz der leidenden Bankenbranche gute Einstiegsmöglichkeiten. "Hier lohnt es sich, Versicherungstitel sowie Aktien von Vermögensverwaltern zu beobachten." Konkret nennt Milligan Amundi, Europas grösste Fondsgesellschaft.

Der Pharma-Bereich sei weiterhin interessant, die Regulierungstendenzen in den USA bergten aber ein gewisses Risiko für die Branche, so Milligan. Trotzdem spreche die demographische Entwicklung langfristig weiterhin für den Kauf von Pharma-Titeln. Positiv sieht er auch die Konsum-Branche, die derzeit massiv von Tiefzinsen profitiere.

Im cash-Interview erklärt Andrew Milligan zudem, warum sich die Alstom-Aktie jetzt lohnen könnte und was ein No-Deal Brexit für die Märkte bedeutete.  

Das Gespräch fand in Edinburgh im Rahmen einer Pressereise statt, zu der Aberdeen Standard Investments eingeladen hatte.

 

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