Aktien mit hoher AusschüttungVorsicht vor den Dividenden-Blendern

Unter den besten Schweizer Dividendenzahlern gibt es einige weniger bekannte Namen. Nicht bei allen lohnt sich ein Engagement.
02.06.2017 07:53
Von Ivo Ruch
Bei zu grosszügigen Unternehmen kann der Dividenden-Traum auch plötzlich platzen.
Bei zu grosszügigen Unternehmen kann der Dividenden-Traum auch plötzlich platzen.
Bild: Pixabay

Für Anleger ist die Rechnung mit den Dividenden eigentlich einfach: Jährlich erhält man einen bestimmten Betrag ausbezahlt – unabhängig von der Entwicklung des entsprechenden Aktienkurses. Viele Firmen zahlen ihre Dividenden gar aus den Kapitalreserven aus. Dann fällt auch die Besteuerung weg. Attraktive Dividenden-Aktien bleiben deshalb vielerorts quasi als Obligationen-Ersatz jahrelang in den Anleger-Depots liegen.

Doch wie vieles an den Finanzmärkten ist auch der Umgang mit Ausschüttungen auf den zweiten Blick weniger einfach. Erstens ist keine Dividende in Stein gemeisselt. Schlechte Geschäftsgänge können schnell zu Gewinnrückgängen und zur Kürzung oder Streichung der Dividende führen. Das hat dann, zweitens, meistens auch negativ Auswirkungen auf den Aktienkurs. Der Anleger wird also doppelt bestraft.

Am Schweizer Aktienmarkt tummeln sich einige der besten Dividendenzahler der Welt. Firmen wie Novartis und Roche gelten als äusserst zuverlässig und konnten ihre Ausschüttungen über die letzten Jahres auch regelmässig erhöhen. Doch auch aus der zweiten Reihe gibt es einige Aktien, die mit hohen Dividendenrenditen für Aufmerksamkeit sorgen. Nicht überall können die Anleger mit einer nachhaltigen Entwicklung rechnen. Hier eine Auswahl.

GAM (4,9 Prozent Dividendenrendite)

Der Vermögensverwalter und Fondsanbieter ist bekannt dafür, mehr Dividende zu bezahlen als er Gewinn erwirtschaftet. GAM verzeichnete 2016 einen Einbruch des operativen Reingewinns um 41 Prozent auf 94 Millionen Franken und schüttete eine unveränderte Dividende von 0,65 Franken je Aktie aus (bei rund 160 Millionen Aktien ergibt das 104 Millionen Franken).

Langfristiges Investment oder nicht? Die GAM-Aktie in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Der Konzern befindet sich weiterhin in einer Restrukturierung: Die Anlageperformance soll verbessert werden, gleichzeitig gilt strikte Kostenkontrolle. Wie viele Finanzfirmen wird auch GAM noch lange unter tiefen Zinsen und zurückhaltenden Kunden leiden. Hinzu kommen Richtungskämpfe im Aktionariat: Der aktivistische Hedgefonds RBR fordert einen neuen CEO. Obwohl die GAM-Aktie deswegen in den letzten Monaten gut performte, sehen langfristig geeignete Investments anders aus. Dividenden-Nachhaltigkeit: tief

Varia US Properties (4,4 Prozent)

Die ausschliesslich in US-amerikanischen Mietliegenschaften investierte Firma ist erst seit Dezember 2016 an der Schweizer Börse kotiert, gibt sich aber schon recht grosszügig. Mit gut 4 Prozent Rendite bewegt sich Varia im oberen Durchschnitt Schweizer Immobiliengesellschaften. Varia konzentriert sich auf Wohnungen für weniger wohlhabende Personen in peripheren Lagen.

Das tönt erst einmal nach Subprime-Krise. Allerdings handelt es sich dabei nicht um den Eigentumsmarkt, wie es vor Ausbruch der Finanzkrise der Fall war. Derzeit spielen demographische und konjunkturelle Faktoren Varia in die Karten. Brummt in den USA die Wirtschaft weiter, dürfte auch Varia profitieren. Rasch steigende Zinsen und ein Überangebot an Liegenschaften gehören zu den Abwärtsrisiken. Dividenden-Nachhaltigkeit: mittel

Inficon (3,5 Prozent)

Die Anleger haben den Messgeräte-Hersteller schon lange entdeckt. In den letzten drei Jahren kletterte die Inficon-Aktie von 300 auf 513 Franken (+70 Prozent). Neben VAT und Sulzer gehört Inficon darüber hinaus zu den Industrieunternehmen mit der attraktivsten Dividende. Diese dürfte auch in Zukunft nicht gefährdet sein, da Inficon in den Bereichen Messungen und Analysen zu den Innovationsführern zählt. Zudem ist das Unternehmen solide aufgestellt, praktisch schuldenfrei und mit solidem Cashflow. Dividenden-Nachhaltigkeit: hoch

Bank Cler (4,1 Prozent)

Die Bank Coop heisst nun Bank Cler und nicht nur der Name ändert sich: Das digitale Angebot soll deutlich ausgebaut und die Produktpalette verschlankt werden. Trotz beträchtlicher Investitionen in den neuen Auftritt soll das Dividendenniveau gehalten werden. Ob das reicht, um im hart umkämpften Schweizer Bankengeschäft zu bestehen? Der Online-Finanzvergleichdienst moneyland.ch schreibt zum Imagewechsel: "Alter Wein in neuen Schläuchen". Gegenüber der bisherigen Angebote der Bank Coop habe sich bis auf die Verpackung nur wenig geändert. Um den Abgang von Kunden zu stoppen, wäre eine Neuausrichtung, die den Namen verdient, aber vonnöten. Dividenden-Nachhaltigkeit: mittel