Aktien Schweiz - Die Gewinner und Verlierer der jüngsten «Schüttelbörse»

Kürzlich stand der Aktienmarkt noch bei einem Rekordhoch. Seit Anfang Mai jedoch herrscht in erster Linie Verunsicherung. cash zeigt, welche Aktien in den Turbulenzen trotzdem zulegen konnten - und welche gelitten haben.
21.05.2019 22:45
Von Pascal Züger
Ein Bluetooth-Modul von U-Blox.
Ein Bluetooth-Modul von U-Blox.
Bild: u-blox

Es ist nicht einmal ein Monat her, am 30. April, als die Schweizer Börse nach einer monatelangen Rally einen neuen Rekordstand erreichte. Der Swiss Performance Index (SPI) schloss damals bei 11'735 Punkten. Inzwischen notiert der Index - gekennzeichnet von einer hohen Volatilität - wieder 2 Prozent tiefer.

Der Rekordjagd an der Börse setzte am 1. Mai die US-Notenbank ein vorläufiges Ende: Fed-Chef Jerome Powell deutete an, dass es in diesem Jahr keine Zinssenkung in den USA geben wird. Dies setzte den Märkten zu. Denn tiefe Zinsen befeuern in der Regel die Aktienmärkte.

Hinzu kommt im Mai nun eine härtere Gangart im Handelsstreit zwischen USA-China, welche für zusätzliche Verunsicherung an den Aktienmärkten führt. Doch nicht allen Einzeltiteln in der Schweiz hat die "Schüttelbörse" der letzten Wochen gleich stark zugesetzt, wie Daten von Bloomberg zeigen (siehe Tabelle am Artikelende). Einige konnten sogar deutlich zulegen. cash hat fünf besonders auffällige Titel - im negativen sowie positiven Sinne - aus dem SPI herausgepickt:

Julius Bär - die Lage bleibt schwierig

Seit Ende April hat die Aktie von Julius Bär 14 Prozent verloren. Vom Allzeithoch im Januar 2018 hat sich die Aktie gar wieder 35 Prozent entfernt. Bei der Privatbank läuft derzeit einiges nicht so wie gewünscht. Ein schwieriges Marktumfeld im zweiten Halbjahr 2018 sorgte für einen Rückgang der verwalteten Vermögen. Mit dem Konzerngewinn konnte die Bank die Erwartungen des Marktes nicht erfüllen. Dem nicht genug, fiel Julius Bär Mitte April auch aus dem Leitindex SMI: Der von Novartis abgespaltete Augenheilkonzern Alcon rückte nach.

Verschiedene Analysten erwarten für 2019 ein erneutes Übergangsjahr mit wenig berauschenden Zahlen. Neue Anhaltspunkte über den Geschäftsverlauf bringt der Zwischenbericht für die ersten vier Monate am nächsten Freitag. Bei Julius Bär und bei Schweizer Bankaktien im Allgemeinen drängt sich allerdings wegen operativ durchmischter Leistungen kein Einstieg auf.

Lesen Sie dazu auch: Steht Julius Bär vor einem Übergangsjahr?

U-Blox - der «Tech-Krieg» setzt zu

Seit Ende April verliert die Aktie 16 Prozent. Der Chip-Designer U-Blox leidet unter dem Handelsstreit besonders stark, da sich viele Abnehmer aus Asien in Zurückhaltung üben. Im Jahr 2018 musste das Management die Ziele gleich zweimal nach unten anpassen. Im März 2019 erklärte U-Blox im Rahmen der Jahreszahlenpräsentation, dass die Spannungen zwischen China und USA jetzt nachlassen würden und es im laufenden Jahr keinen negativen Einfluss durch den Handelsstreit mehr geben würde.

Mit der jüngsten Verschärfung im Konflikt wollen das Anleger jedoch nicht so recht glauben. Positiv bleibt die Einschätzung der Zürcher Kantonalbank: Sie sieht in einem Analystenbericht den fairen Wert der U-Blox-Aktie bei 129 Franken - das ist 75 Prozent über dem aktuellen Kurs. Wer an ein Happy End im Handelsstreit glaubt, kann jetzt eine U-Blox Position im Portfolio aufbauen - muss jedoch mit einem volatilen Kursverlauf leben können.

Hochdorf - aufmüpfige Aktionäre

Die Probleme bei Hochdorf sind überwiegend hausgemacht. Der Milchverarbeiter aus der Gemeinde Hochdorf im Kanton Luzern litt bereits 2018 unter einem markanten Gewinnrückgang und kündigte nun vergangene Woche für das erste Halbjahr 2019 ein "deutlich schlechteres" Ergebnis an (cash berichtete).

Die vor zwei Jahren übernommene Pharmalys aus dem Bereich Babynahrung enttäuschte 2018 zahlenmässig und bei verschiedenen Hochdorf-Akquisitionen der vergangenen Jahre verläuft die Integration schleppend. Ausserdem wartet Hochdorf auf eine Lizenz in China, um dort Produkte verkaufen zu können. Wegen all dieser Probleme ist der Milchverarbeiter an der Börse abgestraft worden: Minus 17 Prozent sind es seit Ende April und noch viel deutlichere Minus 58 Prozent in den letzten 52 Wochen.

Kursentwicklung Hochdorf-Aktie in den letzten 52 Wochen, Quelle: cash.ch

Im März trat CEO Thomas Eisenring aus "familiären Gründen" zurück, im April dann zeigten die Hochdorf-Aktionäre an der Generalversammlung ihren Unmut über die gegenwärtige Entwicklung. VR-Präsident Daniel Sauter wurde abgewählt, neu übernahm das Amt Bernhard Merki von den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), dem grössten Hochdorf-Aktionär.

Bis Ende Juli soll nun die Strategie geschärft und anschliessend über die Zukunftspläne berichtet werden. Die Baustelle Hochdorf bleibt gross, die weiteren Entwicklungen sollten deswegen bis auf Weiteres von der Seitenlinie aus verfolgt werden.

Perrot Duval - Hauptgeschäft geht nach China

Der bereits 1896 gegründete Automationstechniker aus Genf gehört an der Schweizer Börse mit einer Marktkapitalisierung von 16 Millionen Franken zu den kleinsten Werten. Firmenchef Nicolas Eichenberger besitzt rund 25 Prozent aller Aktien und fast die Hälfte aller Stimmen. In den vergangenen Jahren erzielte die Firma kaum Gewinne, beim Aktienkurs waren keine positiven Tendenzen erkennbar.

Mitte Mai nun wurde aber der Verkauf der Sparte Infranor - mit Spezialisierung auf industrielle Automatisierung und Robotik - für 33,7 Millionen Franken an die chinesische Guangzhou Haozhi Industrial verkündet. Das liess die Perrot-Duval-Aktie seit Ende April um 72 Prozent hochspringen. Übrig bleibt von Perrot Duval noch die 2001 übernommene Füll-Gruppe, die rote Zahlen schreibt und einen Jahresumsatz von unter 10 Millionen Franken aufweist. Anleger sollten von einem Investment absehen.

SIG Combibloc - konjunkturresistenter Wert

Die Bilanz der SIG-Aktie seit dem Börsengang im September 2018 fällt negativ aus: Der erste Schlusskurs betrug 12,50 Franken, aktuell sind es 10,60 Franken – das sind 15 Prozent weniger. Nichtsdestotrotz zeigt der Trend nun nach oben: In der schwierigen Börsenphase seit Ende April konnte SIG 7 Prozent zulegen.

Dem Hersteller keimfreier Verpackungen kommt zugute, dass das Geschäft sehr konjunkturresistent ist. Das Wachstum ist intakt, zudem strebt SIG 2019 eine hohe Gewinn-Marge (Stufe EBITDA) von 27 bis 28 Prozent an. Attraktiv ist auch die Dividendenpolitik: Jährlich sollen 50 bis 60 Prozent des Nettoergebnisses ausgeschüttet werden. Aktuell beträgt die Dividendenrendite 3,3 Prozent. Die Aktie besitzt noch weiter Luft nach oben, sollten die ambitionierten Jahresziele erreicht werden.

Zehn beste und schlechteste Aktien im SPI seit dem 30. April 2019

Top-Aktien Performance seit 30.04.19 Flop-Aktien Performance seit 30.04.19
Perrot Duval +72% Polyphor -54%
Lastminute.com +18% Lumx -38%
CI Com +8% Blackstone Resources -24%
SIG +7% Hochdorf -17%
VZ Holding +7% U-Blox -16%
Schmolz+Bickenbach +7% OC Oerlikon -16%
Sunrise +6% SFS -15%
Geberit +6% Dufry -15%
PSP +6% Julius Bär -14%
Mobilezone +6% Medacta -14%

Quelle: Bloomberg (Stand 21.05.2019)