Aktien Schweiz: Erholung nach dem Sturm

Der Schweizer Aktienmarkt erholt sich am Mittwochmittag ein wenig von den massiven Kursverlusten der Vortage. Eine Gegenbewegung sei längst überfällig gewesen, heisst es im Handel.
10.02.2016 13:10
Aufatmen nach turbulenten Tagen: Die Schweizer Börse erholt sich am Mittwoch deutlich.
Aufatmen nach turbulenten Tagen: Die Schweizer Börse erholt sich am Mittwoch deutlich.
Bild: ©hachri/fotolia.com

Ob es sich um eine nachhaltige Aufwärtsbewegung handle, sei allerdings anzuzweifeln. Seit Jahresbeginn jedenfalls habe jede Erholung eine umso grössere Verkaufswelle nach sich gezogen. Auf lange Sicht sei der Boden wohl noch nicht erreicht.

Und an den Rahmenbedingungen habe sich ja auch nichts geändert. Weiterhin würden die Sorgen um das Wachstum der chinesischen Wirtschaft, die tiefen Rohstoffpreise und die Furcht vor einer neuen Bankenkrise für enorme Unsicherheit sorgen. Die Bankenwerte stehen aktuell allerdings ganz oben in Gewinnerfeld, nachdem der Sektor zuletzt von einer heftigen Verkaufswelle erschüttert wurde. Am späteren Nachmittag dürfte die Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses angesichts der Finanzmarktturbulenzen einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Der SMI gewinnt gegen Mittag 2,4% auf 7764 Punkten, nachdem der Kurs am Vortag bis auf 7540 Zähler abgerutscht war. Letztmals wurde ein so tiefer Stand im Sommer 2013 gesehen. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt derweil 2,7% auf 1160 und der breite SPI 2,5% auf 8062 Stellen zu. Von den 30 SMI/SLI-Titeln stehen bis auf Transocean alle im Plus.

Bankentitel europaweit gefragt

Die grossen Gewinner sind die Bankenwerte UBS (+7,0%), CS (+5,2%) und Julius Bär (+5,3%). Europaweit ist ein ähnliches Bild zu sehen. Investoren zeigten sich aber weiterhin skeptisch, was die Robustheit und Werthaltigkeit der Bankbilanzen anbetrifft, heisst es. Angesichts möglicher Ausfälle bei Energiekrediten sei die Gefahr einer verhängnisvollem Abwärtsspirale unverändert akut.

Auch Assekuranzwerte wie Zurich (+5,1%), Swiss Life (+3,9%) und Swiss Re (+3,0%) sind stark gefragt. Die Zurich-Aktie wird am morgigen Donnerstag unter verstärkter Beobachtung stehen, wenn der Konzern zum Zahlenrapport antritt. Nach der Gewinnwarnung von Ende Januar haben die Investoren vor allem die Höhe der Dividende im Blick. Ausserdem wurde im Voraus spekuliert, dass der designierte neue CEO Mario Greco nun doch schon früher starten könnte. Das Unternehmen will darüber allenfalls zur Zahlenpublikation informieren.

Die eher defensiven Actelion (+3,0%) knüpfen an den starken Lauf vom Vortag an. Hier dürfte eine Kaufempfehlung aus dem Hause HSBC für entsprechende Impulse sorgen. Die am Vortag vorgelegten Resultate seien "stark" gewesen, heisst es. Am Dienstag schlossen die Titel 1,1% höher und waren damit der einzige Lichtblick bei den Bluechips.

Pharmaschwergewichte als grosse Stütze

Eine grosse Stütze sind die Pharmaschwergewichte Roche (+2,2%) und Novartis (+2,1%), während Nestlé mit +1,4% etwas bremsen.

Die Titel des Offshore-Erdölbohrers Transocean (-1,5%) fallen als einziger Bluechip zurück. Hier dürfte die Unsicherheit um die weitere Entwicklung der Ölpreise belasten.

Auch Swatch (+0,9%) und Richemont (+1,3%) schneiden unterdurchschnittlich ab nach einer Umsatzwarnung des Mitbewerbers Hermes.

Auch Syngenta (+1,7%) kommen nicht recht auf Touren, trotz Kaufempfehlung von Kepler Chevreux und der weiterhin bestehenden Offerte von Chemchina.

Leonteq macht wieder Boden gut

Am breiten Markt schiessen Leonteq um 11,6% nach oben, die in den vergangenen Wochen allerdings heftig unter die Räder gekommen waren. Die auf strukturierte Produkte spezialisierten Finanzdienstleister hatte jüngst mit DBS einen wichtigen Partner verloren. Nun wurde eine vertiefte Kooperation mit Raiffeisen bekanntgegeben.

Georg Fischer -Aktien legen zudem um 4,1% zu. Der Industriekonzern meldete neue Aufträge im Volumen von über 20 Millionen Dollar aus Asien. Dies sei angesichts des eingetrübten Umfelds "höchst willkommen", heisst es bei Vontobel.

Nach Zahlen notieren Belimo (-0,3%) wenig verändert. Der Maschinenbauer hat mit der stabilen Umsatzentwicklung die Analystenprognosen erreicht. Beim Gewinn ist mit einem deutlichen Rückgang zu rechnen.

Bell (-1,5%) fallen etwas deutlicher zurück. Der Fleischverarbeiter hat sich derweil im Bereich der Convenience-Salate mit der Übernahme der Eisberg-Gruppe verstärkt. Seit Jahresbeginn hat sich der Titel per saldo allerdings stark entwickelt.

(AWP)