Aktien Schweiz - Geopolitisch unsichere Lage bremst Schweizer Börse

Das militärische Eingreifen der USA in den syrischen Bürgerkrieg und ein unerwartet schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt haben am Freitag den Risikoappetit der Anleger gedämpft.
07.04.2017 17:40
Hat die Konzern-Tochter erfolgreich an die Börse gebracht: Etienne Jornod, Verwaltungsratspräsident der Galenica-Gruppe.
Hat die Konzern-Tochter erfolgreich an die Börse gebracht: Etienne Jornod, Verwaltungsratspräsident der Galenica-Gruppe.
Bild: ZVG

Der SMI notiert zum Handelsschluss bei 8641 Zählern praktisch unverändert zum Vortag. Vor einer Woche stand der Leitindex bei 8659 Punkten.

"Wenn das nur nicht eskaliert", sagt ein Händler zur Entwicklung in Syrien. Zusätzlich trugen Berichte über Tote und Verletzte in der Stockholmer Innenstadt nach einer Attacke mit einem Lastwagen zur Zurückhaltung der Anleger bei. Nach Angaben des schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven handelt es sich aller Voraussicht nach um einen Anschlag. Alles deute auf einen "terroristischen Akt" hin, zitierte ihn die Nachrichtenagentur TT.

Enttäuscht äusserten sich Marktteilnehmer über den US-Arbeitsmarkt. Mit 98'000 Jobs wurden im März viel weniger neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen, als Experten mit 180'000 erwartet hatten. "Weitere Zinserhöhungen (der US-Notenbank) werden kein Selbstläufer werden", sagt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Mehr als zwei weitere Zinserhöhungen lägen wohl nicht drin.

Viele Marktteilnehmer steuern vermehrt "sichere Häfen" an und lassen Aktien links liegen. "Gold ist Geld", sagt ein Börsianer. Auch Schweizer und deutsche Bundesanleihen waren als sicherer Häfen gefragt.

Erfolgreiches IPO der Galenica-Tochter

Im Fokus stand Galenica Santé. Die Anteile des Apothekenbetreibers und -zulieferers aus Bern schossen beim Börsendebüt bis auf 43,40 Franken hoch - 11 Prozent über den Ausgabepreis. Zuletzt notieren sie noch bei 43,00 Franken. Die frühere Konzernmutter Galenica (künftig Vifor Pharma) hatte beim Initial Public Offering (IPO) die Preisspanne bereits voll ausgereizt und die Titel am oberen Rand der angepeilten Bandbreite zu 39 Franken ausgegeben. Die Galenica-Anteile fallen um 4,2 Prozent.

Bei den Standardwerten bleiben die Kursgewinne und -verluste meist bei 1 Prozent oder weniger. Den stärksten Abschlag verbuchen Finanzwerte: Die Aktien der Grossbank UBS sinken 0,1 und die von Credit Suisse 0,7 Prozent. Nach dem US-Berater Glass Lewis spricht sich auch der Schweizer Aktionärsvertreter Ethos gegen die Gehälter der CS-Führungsriege und die geplante Dividende von 0,70 Franken je Aktie aus.

Die Titel des Versicherers Swiss Life schwächen sich um 0,2 Prozent ab und Swiss Re verlieren 0,4 Prozent.

Die Papiere der Telekommunikationsfirma Swisscom und des Zementherstellers Lafarge-Holcim geben nach, diejenigen des Elektrokonzerns ABB können leicht zulegen.

Wenig gefragt waren auch die an sich als krisensicher geltenden Index-Schwergewichte: Novartis und Roche büssen leicht an Wert ein. Die Scheine des Nahrungsmittelmultis Nestlé machen im Verlauf anfängliche Verluste mehr als wett und gewinnen 0,3 Prozent.

Gefragte Luxusgütertitel

Zu den Gewinnern gehören die Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont sowie der Personaldienstleister Adecco mit gut 0,2 bis 1,0 Prozent Kursplus.

Am breiten Markt steigen die Aktien von Aryzta um 2,2 Prozent. Händler sprechen von spekulativ orientierten Käufern. "Es ging so viel schief in den vergangenen Jahren. Es kann eigentlich nur besser kommen", sagt ein Börsianer. Der Backwarenhersteller enttäuschte jüngst mit den Ergebnissen und wechselte die Geschäftsleitung aus.

Gewinnmitnahmen drücken die Aktien von Ems-Chemie 1,3 Prozent ins Minus. Der Kunststoffhersteller hat im ersten Quartal den Umsatz um 5,8 Prozent gesteigert und den Geschäftsausblick bekräftigt. Ems-Chemie hat dieses Jahr rund 15 Prozent an Wert gewonnen.

Die Anteile von Alpiq sacken 6,9 Prozent ab. Gemäss einer GFS-Umfrage sprechen sich 61 Prozent der Schweizer für das Energiegesetz aus, das unter anderem den Ausstieg aus der Atomenergie vorsieht. Abgestimmt wird am 21. Mai. Der Stromproduzent Alpiq hält Beteiligungen an Schweizer Kernkraftwerken.

Bei Evolva strichen die Anleger erneut Gewinne ein. Die Titel des Herstellers von Nahrungsmittelzusätzen sinken um 4,8 Prozent. Eine Vereinbarung mit dem US-Konzern Cargill hatte die Aktie jüngst kräftig hochgeschoben.

(Reuters)