Aktien Schweiz - Geopolitische Risiken machen Schweizer Anleger vorsichtig

Die Anleger an der Schweizer Börse haben sich am Dienstag angesichts der angespannten weltpolitischen Lage und vor dem Start der US-Bilanzsaison zurückgehalten.
11.04.2017 18:10
Die geopolitische Krise - im Besonderen die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump gegen Syrien und Nordkorea - hinterlässt Spuren an den Aktienmärkten.
Die geopolitische Krise - im Besonderen die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump gegen Syrien und Nordkorea - hinterlässt Spuren an den Aktienmärkten.

Nach einem Auf und Ab über den Tagesverlauf schliesst der Leitindex SMI 0,3 Prozent im Plus bei 8642 Punkten. "Es sind vor allem die geopolitischen Risiken, die zur Vorsicht mahnen", erklärt ein Börsianer. Die unklare Rolle der USA im Syrien-Konflikt und die anstehende französische Präsidentenwahl sorgten für Nervosität und Zurückhaltung. Kurz vor dem Besuch des amerikanischen Aussenministers Rex Tillerson in Moskau beschrieb die russische Regierung das Verhältnis beider Staaten als schwer belastet. Zudem wird ein neuer Atomtest von Nordkorea anlässlich des 105. Geburtstages von Staatsgründer Kim Il Sung befürchtet.

Zu den Gewinnern unter den Standardwerten zählen die Givaudan-Aktien mit einem kräftigen Kursanstieg von 3,8 Prozent. Der Duft- und Aromenhersteller läutete bei den Bluechips die Berichtssaison ein. Übernahmen sorgten im ersten Quartal für Schwung: Der Umsatz des Weltmarktführers wuchs um 7,7 Prozent auf 1,24 Milliarden Franken und damit etwas stärker als von Analysten erwartet.

Zu den Verlieren gehören vor allem Finanzwerte. Die Aktien der Credit Suisse sinken um gut 0,8 Prozent, die der UBS büssen ebenfalls knapp 0,8 Prozent ein und die von Julius Bär geben 0,3 Prozent nach. Einmal mehr braucht eine europäische Grossbank frisches Kapital. Die Banco Popular will sich angesichts hoher Verluste erneut Geld am Kapitalmarkt besorgen. Auch eine Fusion der sechstgrössten spanischen Bank mit einem anderen Institut sei eine Option, sagte der neue Verwaltungsratschef Emilio Saracho am Montag.

Der Versicherungstitel Swiss Re verliert an Wert, die Aktien von Zurich und Swiss Life machen die Einbussen wett und schliessen leicht höher.

ABB nach Verkaufsempfehlung unter Druck

Bei den konjunkturzyklischen Werten fallen die ABB-Aktien nach einer Verkaufsempfehlung der UBS um 0,6 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern besetzt zwei Geschäftsleitungsposten neu. China-Chef Chun-Yuan Gu leitet ab Juli die Region Asien, Naher Osten und Afrika (AMEA). Er übernimmt die Position von Frank Duggan, der als Nachfolger von Bernhard Jucker neu die Region Europa verantwortet.

Andere Industriewerte wie Lafarge-Holcim und Geberit schliessen etwas fester. Die Aktien der beiden Luxusgüter-Hersteller Richemont und Swatch ziehen mit 1,9 und 3,4 Prozent Plus kräftig an. Weltmarktführer LVMH steigert den Umsatz im ersten Quartal stärker als im Markt erwartet.

Die als krisensicher geltenden Index-Schwergewichte legen zu - allen voran die Anteile von Roche mit einem Plus von 0,6 Prozent. Novartis und Nestlé schliessen rund 0,3 Prozent fester.

Am breiten Markt stiegen die Sika-Aktien um 0,7 Prozent, bevor sie auf Antrag des Unternehmens vom Handel suspendiert wurden. Am Nachmittag fand in Baar die Generalversammlung des seit mehr als zwei Jahren in einem Übernahmekampf steckenden Bauchemieunternehmens statt. Dort wehrte sich der Verwaltungsrat von Sika erneut mit einer Beschränkung der Stimmrechte des Hauptaktionärs gegen die Übernahme durch die französische Saint-Gobain.

AMS-Aktie sackt nach Analystenkommentaren ab

Nach negativen Analystenkommentaren stürzen die AMS-Aktien 9,5 Prozent ab. UBS nahm die Anlageempfehlung für die Chip- und Sensorfirma auf "Neutral" von "Buy" zurück. Geschürt wurde die Skepsis gegenüber dem Sektor zudem vom Bankhaus Lampe, das für Dialog Semiconductor eine Verkaufsempfehlung aussprach. Die Lampe-Experten schreiben, es gebe deutliche Hinweise, dass Dialogs Hauptkunde Apple einen eigenen Smartphone-Chip entwickle und zumindest teilweise auf Dialog-Produkte verzichten könne. Auch für AMS ist Apple ein bedeutender Kunde.

Der Einstieg des Milliardärs Hansjörg Wyss treibt die Aktien der Biotechnologiefirma Molecular Partners knapp 9 Prozent hoch.

(Reuters)