Aktien Schweiz - Politik dämpft Risikoappetit der Schweizer Anleger

An der Schweizer Börse haben sich die Anleger am Dienstag bedeckt gehalten. Händlern zufolge sind die Marktteilnehmer wegen der politischen Entwicklung verunsichert und agieren deshalb sehr zurückhaltend.
04.04.2017 17:50
Wenig Lust auf Aktien: Anleger hielten sich am Dienstag an der Schweizer Börse zurück.
Wenig Lust auf Aktien: Anleger hielten sich am Dienstag an der Schweizer Börse zurück.
Bild: Bloomberg

"Obwohl politische Börse für gewöhnlich kurze Beine haben, können sie die Anleger vorübergehend an den Rand des Geschehens drängen", sagt ein Börsianer. Die Kurse muteten wegen der dünnen Umsätze zum Teil etwas zufällig an. Der SMI beendet den Handelstag nach einem Schlussspurt um 0,2 Prozent höher bei 8647 Punkten.

Die stärksten Impulse gingen von den USA aus. Die Republikaner von Präsident Donald Trump bereiten einen neuen Anlauf zum Umbau der Gesundheitsreform Obamacare vor. Zudem sind in der weltgrössten Volkswirtschaft die Autoverkäufe im März hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Und hohe Rabattaktionen schürten die Befürchtungen, dass der US-Automarkt an Fahrt verliert. In Washington lud Trump am Dienstag Konzernmanagern ein, Vorschläge zur Verbesserung des Geschäftsklimas und der Infrastruktur zu machen. Der amerikanisch-chinesische Gipfel später in der Woche gebe ebenfalls zur Vorsicht Anlass. Börsianer befürchten Spannungen über Handelsfragen und den Umgang mit Nordkorea.

Bei den Standardwerten bleiben die Kursänderungen meist unter einem Prozent. Lediglich die Swatch-Aktien sinken mit 1,1 Prozent etwas stärker. Die Titel des Uhrenherstellers gehören dieses Jahr mit 13 Prozent Kursplus zu den grössten Gewinnern unter den Bluechips. An der Spitze steht Rivalin Richemont mit 16 Prozent Wertzuwachs. Die Richemont-Anteile büssen 0,5 Prozent ein.

Zurich nach Kaufempfehlung gefragt

An die Spitze der Gewinner setzen sich die Aktien von Zurich mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 263,80 Franken. Goldman Sachs hat die Analyse des Versicherers mit der Empfehlung "Buy" und einem Kursziel von 320 Franken aufgenommen.

Auch die Anteile von ABB steigen um 0,6 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern übernimmt den österreichischen Steuerungshersteller Bernecker & Rainer (B&R) mit einem Umsatz von gut 600 Millionen Dollar. Der Kaufpreis für die Firma im Privatbesitz entspreche den in der Branche üblichen Bewertungen. ABB dürften damit knapp zwei Milliarden Dollar für B&R auf den Tisch legen. Analysten zufolge könne ABB mit der Akquisition zum Konkurrenten Siemens aufschliessen. "Angesichts der Negativzinsen legt ABB mit dem Kauf seine Liquidität sehr gut an", sagt ein Händler.

Ebenfalls etwas höhere Kurse verzeichnen die Aktien des Agrochemiekonzerns Syngenta, der Arzneimittelhersteller Novartis und Roche, des Vermögensverwalters Julius Bär und des Lebensversicherers Swiss Life.

Grossbankaktien weiter im Verkauf

Actelion gewinnt am Tag vor der Generalversammlung 0,1 Prozent an Wert. Die Aktionäre der Biotechnologiefirma stimmen am Mittwoch unter anderem über die Ausgliederung der Forschungsaktivitäten im Zuge der Übernahme durch den US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson ab.

Die Aktien der Grossbanken stehen auf den Verkaufszetteln. Credit Suisse und UBS sinken um 0,3 und 0,4 Prozent. Händler weisen auf den starken Renditerückgang an den Anleihenmärkten hin. "Sinkende Zinsen sind nicht gut für das Geschäft von Finanzfirmen." Der US-Stimmrechtsberater Glass Lewis geht auf Konfrontationskurs mit der Credit Suisse. Glass Lewis empfiehlt den Aktionären, auf der Generalversammlung am 28. April Anträge der Grossbank abzulehnen. Dazu gehören der Vergütungsbericht, der Lohn des Verwaltungsrats und die Boni der Geschäftsleitung. Die Boni seien nach zwei Jahren mit hohen Verlusten völlig unangemessen.

Am breiten Markt fallen die Aktien von Orascom um 3,1 Prozent. Der Bau- und Tourismuskonzern hat für das vergangene Jahr einen Verlust von bis zu 205 Millionen Franken angekündigt.

Gefragt waren Anteile von kleineren Industriefirmen wie dem Maschinenbauer Bobst, dem Schraubenhändler Bossard und dem Solarzulieferer Meyer Burger.

(Reuters)