Aktien Schweiz - Politische Risiken lassen Schweizer Anleger vorsichtig sein

Die Schweizer Börse hat einen zähen Start in die Karwoche erwischt. Händler erklären, angesichts geopolitischer Unsicherheiten hielten sich die Anleger mit Anschaffungen zurück.
10.04.2017 17:55
Zyklische Werte wie die von ABB standen am Montag an der Schweizer Börse auf den Verkauszetteln der Anleger.
Zyklische Werte wie die von ABB standen am Montag an der Schweizer Börse auf den Verkauszetteln der Anleger.
Bild: Bloomberg

Verkauft wurden vor allem die Aktien von zyklischen Unternehmen und Versicherern. Der Standardwerteindex SMI schliesst am Montag um 0,3 Prozent tiefer bei 8617 Punkten. Am Freitag wie auch in der gesamten Vorwoche hatte der Leitindex keine grossen Sprünge gemacht. Die Anleger scheuten das Risiko, erklärt ein Händler. "Die Stimmung ist angesichts der politischen Entwicklungen von Vorsicht geprägt."

Nach dem US-Militärschlag gegen einen syrischen Luftwaffenstützpunkt hat sich am Wochenende der Ton zwischen dem Westen und Russland sowie dem Iran verschärft. Gleichzeitig trieb die Anleger die Nordkorea-Politik des US-Präsidenten Donald Trump um: Die USA entsandten einen Flugzeugträger und weitere Kriegsschiffe in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel. Ausserdem schreckte der Vormarsch des Linksaussenpolitikers Jean-Luc Melenchon in Umfragen zur Präsidentschaftswahl in Frankreich die Investoren auf.

Die Gefahr einer vorübergehenden Korrektur habe zugenommen, erklären die Anlagestrategen der Zürcher Kantonalbank. "Warnsignale sind neben der bemerkenswert tiefen Volatilität auch die Tatsache, dass die Aktienmärkte insbesondere in den USA bereits sehr viel Positives vorwegnehmen", heisst es. Trotzdem rechnen die Experten kurzfristig nicht mit kräftigen Einbussen.

Quartalsergebnisse rücken in den Fokus

Der weitere Kursverlauf dürfte auch von den Unternehmensergebnissen geprägt werden. Die Anleger warteten mit Spannung auf die neuen Quartalsbilanzen der US-Firmen. Unter anderem stehen diese Woche Zahlen der Grossbanken J.P. Morgan, Citigroup und Wells Fargo auf dem Programm.

Bei den grosskapitalisierten Schweizer Werten sind die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB am Montag mit einem Minus von 0,9 Prozent die grössten Verlierer. Ebenfalls tiefer notieren die Luxusgüterwerte Richemont und Swatch. All diese Unternehmen sind von der Konjunkturentwicklung abhängig.

Merklich belastet wird der SMI von Roche. Das Index-Schwergewicht büsst trotz guter Nachrichten 0,2 Prozent auf 255,80 Franken ein. Das Lungenkrebsmedikament Alecensa hat nach Angaben des Arzneimittelherstellers in einer Phase-III-Studie seine Wirksamkeit erneut unter Beweis gestellt. Zudem erhöhte Jefferies das Kursziel leicht auf 300 Franken und bekräftigte die Kaufempfehlung. Die Aktien von Rivale Novartis steigen 0,2 Prozent. Das dritte Schwergewicht Nestlé wurde mit einem Dividendenabschlag gehandelt und gibt nach.

Finanztitel auf der Gewinnerseite

Auf der Gewinnerseite sind vor allem Finanztitel zu finden. Die Aktien der Credit Suisse legen 1,5 Prozent zu und die der UBS ziehen 0,9 Prozent an. Auch der Versicherer Swiss Life steht in der Gunst der Investoren.

Am breiten Markt schnellen die Lifewatch-Titel 16 Prozent auf 14,2 Franken hoch. Der US-Rivale Bio-Telemetry will die Firma für insgesamt 260 Millionen Franken übernehmen. Bio-Telemetry offeriert den Aktionären in bar plus eigenen Aktien 14 Franken je Aktie. Den Kürzeren ziehen dürfte damit die Beteiligungsgesellschaft Aevis Victora, die Lifewatch für 190 Millionen Franken schlucken will. Die Aevis-Aktien sinken um 0,9 Prozent.

Die Anteile der GAM Holding rücken 2 Prozent vor. Im Machtkampf um den Vermögensverwalter verschärft sich knapp drei Wochen vor der Generalversammlung der Ton. Der aktivistische Investor RBR wirft dem GAM-Management am Montag vor, seine Vorschläge für Sparmassnahmen und die Neubesetzung des Verwaltungsrats nicht ernst zu nehmen und wirbt bei anderen Aktionären um Unterstützung. GAM-Chef Alexander Friedman wies die Sparforderungen von RBR in einem Zeitungsinterview zurück.

Die Aktien der ebenfalls in einem Umbau steckenden Derivateboutique Leonteq gewinnen knapp 5 Prozent. Die Sika-Titel rücken einen Tag vor den Zahlen zum ersten Quartal und der Generalversammlung weitere 2 Prozent vor.

(Reuters)