Aktien USAUS-Anleger nach Trump-Tiraden verunsichert

Das Chaos in der US-Regierung macht die Anleger nervös. Aus Unsicherheit über den politischen Kurs von Präsident Donald Trump hielten sie sich deshalb am Freitag mit ihren Engagemens weitgehend zurück.
17.02.2017 22:30
An der Wall Street macht sich angesichts des unklaren politischen Kurses von US-Präsident Trump Ratlosigkeit bereit.
An der Wall Street macht sich angesichts des unklaren politischen Kurses von US-Präsident Trump Ratlosigkeit bereit.
Bild: Bloomberg

Börsianer stellen zunehmend infrage, ob die Rekordjagd an der Wall Street gerechtfertigt war. "Der zusehends unberechenbar anmutende Führungsstil von Trump stellt das Vertrauen an den Finanzmärkten auf die Probe", sagte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. Für Aufregung sorgte die 143 Milliarden Dollar schwere Kaufofferte des US-Ketchup-Riesen Kraft Heinz für den fast doppelt so grossen Konkurrenten Unilever.

Der Dow-Jones-Index, der seit Trumps Einzug ins Weisse Haus im Januar fast 1000 Punkte zugelegt hat und von einem Hoch zum anderen spurtete, schloss unverändert bei 20'624 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,2 Prozent auf 2351 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,4 Prozent auf 5838 Punkte. Im Wochenvergleich ergab sich für den Dow ein Plus von 1,7 Prozent, den S&P ein Aufschlag von 1,5 Prozent und den Nasdaq ein Gewinn von 1,8 Prozent.

Anleger machte vor allem nervös, dass Trump sein Regierungsteam noch immer nicht beisammenhat. Sein Kandidat für den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters, Robert Harward, lehnte das Angebot aus familiären und finanziellen Gründen ab. Zudem sorgte Trump mit einem erneuten Angriff auf Journalisten bei einer Pressekonferenz für Aufsehen. "Trumps sprunghaftes Auftreten untergräbt das Vertrauen der Investoren" sagte Fonds-Manager Angus Gluskie von White Funds Management.

Kraft Heinz mischt den Konsumgüterbereich auf

Reichlich Gesprächsstoff an den Börsen gab es angesichts der geplanten Mega-Übernahme von Unilever. Kraft Heinz will den Hersteller von Langnese-Eis und Axe-Deo übernehmen und einen Giganten im Konsumgüterbereich schmieden. Die in London notierten Unilever-Titel schossen um 13 Prozent in die Höhe, Kraft Heinz zogen in New York 10,6 Prozent an. Unilever lehnt die Offerte bislang ab, Kraft will nach eigenen Angaben den Deal durchbringen. "Für Kraft wäre das ein sehr kostspieliger Zukauf, der allerdings viel Potenzial für Synergieeffekte birgt", sagte Analyst Neil Wilson von ETX Capital. Die Firmen könnten Sparten zusammenlegen und Kosten sparen. Ein fusionierter Konzern habe zudem die Marktmacht, Preise in Supermärkten zu bestimmen.

Auf dem Verkaufszettel standen Bankenaktien, die zuletzt deutlich gestiegen waren. So gaben Bank of America, J.P. Morgan, Wells Fargo und Citigroup allesamt nach.

Campbell-Anteilscheine büssten fast 7 Prozent ein. Der weltgrösste Suppenproduzent hatte Quartalszahlen vorgelegt, die schlechter als erwartet ausfielen.

Staatsanleihen als sicherer Hafen gefragt

An der New York Stock Exchange wechselten rund 940 Millionen Aktien den Besitzer. 1351 Werte legten zu, 1547 gaben nach und 181 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,86 Milliarden Aktien 1570 im Plus, 1246 im Minus und 253 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gefragt und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 8/32 auf 98-15/32. Die Rendite sank auf 2,424 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 17/32 auf 99-16/32 und rentierte mit 3,026 Prozent. (Büro New York; geschrieben von Birgit Mittwollen; redigiert von Andreas Kenner; bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1232 oder 030-2888 5168)

(Reuters)