Aktienhändler werden bei Wirtschaftswachstum bullish

Vorbei ist die Panik der Aktienhändler über das schwächste Weltwirtschaftswachstum seit sieben Jahren. Und mehr noch: Händler erwärmen sich für Aktien, die stark von Konjunkturzyklen abhängig sind.
03.09.2016 05:40
Bullishe Investoren mögen derzeit ABB und andere Zykliker.
Bullishe Investoren mögen derzeit ABB und andere Zykliker.
Bild: ZVG

Gefragt sind Bergbauaktien, Technologie- und Industriewerte. Der FTSE All World Cyclical Index liegt auf Kurs für die beste Zwei-Monats-Entwicklung seit 2012 im Vergleich zum FTSE All World Defensive Index. Aktien von Toyota, Samsung und ABB haben mehr als zwölf Prozent zugelegt. Hingegen mussten defensive Werte wie Johnson & Johnson, Coca-Cola and Nestlé ihre in diesem Jahr erklommenen Hochs aufgeben.

Investoren haben in den letzten Wochen Wetten, die auf einem trüberen Ausblick beruhten, aufgelöst. Gründe für ihren Optimismus fanden sie in besser als erwarteten Konjunkturdaten und Unternehmensergebnissen sowie Versicherungen der Zentralbanken, nach dem Brexit-Votum der Briten mit einer unterstützenden Geldpolitik fortzufahren. Während die pessimistischen "Bären" daran zweifeln, dass die Erholung der zyklischen Aktien anhält, sehen die optimistischen "Bullen" die Kehrtwende als den Anfang des Endes der Dominanz defensiver Aktien.

Der FTSE All World Cyclical Index ist seit Ende Juni um 9,3 Prozent geklettert, dagegen hat der FTSE All World Defensive Index 0,6 Prozent nachgegeben. Auf Jahresbasis liegt der zyklische Index auf Kurs, erstmals seit 2012 besser abzuschneiden als der defensive Index.

«Hellere und behaglichere» Welt

"Die Welt sieht heller und behaglicher aus", sagt Andrew Cole, leitender Investmentmanager bei Pictet Asset Management in London. Er hat seit März Bergbauwerte, Technologieaktien und britische Wohnbautitel gekauft. "Plötzlich verbessern sich die Unternehmensergebnisse, und da die Wirtschaft besser aussieht, hat man den Wunsch, etwas zyklischer zu werden. Die Positionierung war einfach über-defensiv."

Weltweit haben Konjunkturindikatoren seit Anfang Juli die Erwartungen geschlagen. Der Surprise Index von Citigroup erreichte in diesem Monat den höchsten Wert seit Februar 2014. Die Arbeitgeber in den USA stellten im Juli überraschend viele neue Mitarbeiter ein und die Neubauverkäufe erreichten beinahe ein Neunjahreshoch.

Mehr Hoffnung als fundamentale Daten?

In Europa wies ein Index, der die Aktivität im Dienstleistungssektor und im verarbeitenden Gewerbe misst, die stärkste Expansion seit sieben Monaten aus. Und in Indien, China und Mexiko wächst die Industrieproduktion weiter. Ökonomen sagen für kommendes Jahr ein Weltwirtschaftswachstum von 3,2 Prozent voraus, im Vergleich zu 2,9 Prozent für 2015.

Zu den Argumenten, dass die Erwartungen zu pessimistisch waren, haben auch die jüngsten Quartalsergebnisse der Unternehmen beigetragen. Die US-Firmen haben die Prognosen so stark übertroffen wie seit 2014 nicht mehr, und in Europa schlugen Zweidrittel der Unternehmen die Schätzungen, wie das Multi-Asset-Team von BNP Paribas Investment Partners in einem Bericht feststellte. In Japan lagen die Unternehmensergebnisse Bloomberg-Daten zufolge erstmals seit zwei Quartalen wieder über den Erwartungen. Global gesehen haben Analysten zum ersten Mal seit 2014 mehr Ergebnisschätzungen von Unternehmen angehoben als heruntergeschraubt, wie ein Index von Citigroup zeigt.

Allerdings ist nicht jeder davon überzeugt, dass der Vormarsch der zyklischen Werte anhalten wird. Die Strategen um Ben Laidler von HSBC Holdings in New York schrieben in einer Einschätzung, die Erholung "scheint mehr auf Hoffnungen denn auf einer Verbesserung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten zu basieren".

(Bloomberg)