Aktienmärkte - Braut sich an den Börsen etwas zusammen?

Seit einigen Tagen geht es am SMI und an vielen anderen Börsen nur noch talwärts - obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Unternehmensgewinne gut bis sehr gut sind. cash geht auf Erklärungssuche.
15.11.2017 14:44
Von Pascal Züger
Seit einigen Tagen ziehen Wolken am «Börsen-Himmel» auf.
Seit einigen Tagen ziehen Wolken am «Börsen-Himmel» auf.
Bild: pixabay.com

Die Luft scheint bei den Aktien draussen zu sein: Der Stoxx Europe Index beendete gestern den siebten Börsentag in Folge im Minus. Auch der japanische Topix-Index schloss bereits sechs Mal nacheinander negativ. Bei beiden Indizes gab es in den letzten 12 Monaten keine längere Negativserie.

Die Schweiz bleibt von diesem Abwärtstrend ebenfalls nicht verschont: Innerhalb einer Woche hat der Swiss Market Index (SMI) 2 Prozent eingebüsst. Zum Jahreshöchststand vom 3. November bei 9322 Punkten beträgt das Minus sogar 2,6 Prozent. Mit aktuell 9070 Punkten - dem tiefsten Stand seit fast zwei Monaten - ist ein Fall des Leitindex unter die 9000-Punkte-Marke nicht mehr weit. Hier die November-Kursentwicklung des SMI als Grafik:

Kursentwicklung SMI seit Anfang November, Quelle: cash.ch

Was ist los an der Börse? "Nach den starken Kursavancen im Verlauf des Jahres waren zwischenzeitliche Kurskorrekturen im Sinne von Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten zu erwarten", sagt Arno Endres, Leiter Finanzanalyse der Luzerner Kantonalbank (LUKB). Tatsächlich erreichten verschiedene Aktien-Indizes in den vergangenen Wochen neue Rekordhochs, und einzelne Aktien weisen mittlerweile sehr hohe Bewertungen auf.

Verschiedene Faktoren sorgen für Unsicherheit

Auslöser dieser Gewinnmitnahmen sind verschiedene Ereignisse. Erstens: Die zunehmende Unsicherheit, ob Donald Trumps angekündigte Steuerreform - welche Firmen Steuererleichterungen bescheren würde - wirklich wie geplant durchkommen wird. Der US-Kongress befindet sich noch in der Findungsphase. Ausgang ungewiss.

Zweitens: Der tiefere Ölpreis der letzten Tage. "Betroffen sind davon vor allem die rohstoffabhängigen Schwellenländer Brasilien und Russland, welche die Märkte nun etwas infiziert haben", sagt Santosh Brivio, Anlagestratege bei Raiffeisen Schweiz, zu cash. Es handelt sich jedoch nur um eine leichte Korrektur des Ölpreises. Ein Preiszerfall wie noch Anfang 2016 zeichnet sich derzeit nicht ab.

Drittens: Sorgen, dass die US-Notenbank die Zinsen zu stark anheben und damit das Wirtschaftswachstum abwürgen könnte. Der Ausstieg der Notenbanken aus der extrem lockeren Geldpolitik ist ein Drahtseilakt, das ist allen klar. Brivio ist dennoch der Meinung, dass Anleger diese möglicherweise unterschätzen. Gewisse Turbulenzen an den Aktienmärkten seien deshalb nicht auszuschliessen.

Experten geben Entwarnung

An den Anfang eines Bärenmarktes (anhaltend fallende Kurse) glaubt derzeit keiner der von cash befragten Experten: "Ich würde den aktuellen Abwärtstrend nicht überbewerten. Aufgrund der hohen Aktienbewertungen können gewisse feine Korrekturen für die Märkte sogar gesund sein", meint etwa Brivio von Raiffeisen. Auch Endres von der LUKB geht nicht davon aus, dass die aktuelle Korrektur bereits das Ende der Aufwärtstendenz an den Aktienmärkten einläutet. 

Gegen den Bärenmärkt spricht vor allem das positive makroökonomische Umfeld. Die meisten Regionen der Welt wachsen jüngst wieder stärker. Die deutsche Wirtschaft steuert 2017 auf das stärkste Wachstum seit sechs Jahren zu. Die Niveaus der Einkaufsmanagerindizes weisen darauf hin, dass der Aufschwung noch eine Weile andauern wird. So ist etwa die lange kriselnde Eurozone wieder besser unterwegs. Auch die Schwellenländer vermelden gute Konjunkturdaten. Die USA hat im Oktober sogar die beste Konsumentenstimmung seit 16 Jahren vermeldet.

Aufgrund dieser positiven Aussichten, verbunden mit den tiefen Renditeniveaus von Anleihen und anderen Anlageklassen, erwartet die LUKB auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten wieder einen Anstieg am Schweizer Aktienmarkt. Etwas vorsichtiger ist Raiffeisen Schweiz, die Aktien aufgrund der hohen Bewertungen als Anlageklasse derzeit leicht untergewichtet.