Aktienmärkte - Deutsche Bank und Morgan Stanley meiden europäische Zykliker

Einige europäische Strategen wetten, dass sich die Rally bei den stärker auf Konjunktureinflüsse reagierenden Aktien dem Ende nähert.
03.12.2017 09:12
Autobau - hier beim Peugeot-Werk im französischen Mulhouse - könnte nächstes Jahr an der Börse unter Druck kommen.
Autobau - hier beim Peugeot-Werk im französischen Mulhouse - könnte nächstes Jahr an der Börse unter Druck kommen.
Bild: ZVG

Deutsche Bank und Morgan Stanley raten in ihren 2018-Ausblicken zu einer Untergewichtung von europäischen Zyklikern, einschliesslich des Technologiesektors. Empfehlung kommt zu einem Zeitpunkt, wo sich der Vorsprung zyklischer Werte gegenüber ihren defensiven Pendants in der Nähe seines höchsten Stands seit sechseinhalb Jahren befindet - infolge eines stärkeren globalen Wachstums und der Erwartungen von Konjunkturimpulsen der US-Regierung.

Doch das Blatt könnte sich wenden. Nach Einschätzung der Strategen beider Banken bedeutet eine Abkühlung der chinesische Wirtschaft und ein nachlassendes Wachstumstempo der globalen Einkaufsmanagerindizes (PMIs), dass Tech- und Autoaktien zu den Sektoren gehören, die im kommenden Jahr unter Druck geraten könnten. Solch eine Entwicklung wäre für einen europäischen Aktienmarkt schmerzhaft, der etwa die Hälfte der Umsätze ausserhalb der Region erzielt.

Umkehr der Momentum-Trades

Morgan Stanley warnte auch, dass zyklische Unternehmen besonders anfällig für eine Umkehr der Momentum-Trades sind. Diese zielen darauf ab, von bestehenden Markttrends zu profitieren, und verzeichnen ihren besten Lauf seit 2015. Einer Analyse der Bank zufolge gehören Materialien, Halbleiter, Autos und Luxusgüter zu den europäischen Branchen, die in solchen Strategien derzeit überrepräsentiert sind.

"In Europa sind die Sektoren mit Momentum im Grunde Zykliker und Techwerte - das sind die Bereiche, in denen wir ziemlich besorgt sein würden", sagte der in London ansässige Morgan-Stanley-Stratege Graham Secker in einem Briefing am Montag. "Es wird eine bedeutende Branchenrotation geben, vermutlich in den nächsten sechs Monaten."

Laut einer Mitteilung der Deutschen Bank zu Beginn des Monats deutet ihr Modell von Zyklikern gegenüber Defensivwerten bis zum ersten Quartal kommenden Jahres auf ein Abwärtspotenzial von etwa 10 Prozent für die erstgenannte Gruppe hin. Das ist etwa der Zeitpunkt, zu dem Morgan Stanley empfiehlt, etwas Risiko abzubauen.

Ölpreis stützt US-Werte

Die US-Bank betrachtet Energieaktien derweil zuversichtlich, gestützt durch steigende Ölpreise, höhere Gewinnrevisionen und Bewertungen, die noch nicht auf die bessere Fundamentaldaten reagiert haben. Auch bei Banken und Versicherungskonzernen ist Morgan Stanley optimistisch. Der deutsche Wettbewerber hob seine Anlageempfehlung für europäische Banken "vorerst" von Untergewichten auf Benchmark und verwies zur Begründung auch auf ein relatives Aufwärtspotenzial für die PMI-Dynamik bis Februar, bevor die Dynamik nachlässt.

"Unsere Erwartung, dass sich das Wachstum von seinen derzeitigen hohen Niveaus abschwächen wird, führt zu einer Übergewichtung von defensiven Werten und einer Untergewichtung von zyklischen Werten", schrieben Deutsche-Bank-Strategen um Sebastian Raedler in einer Note am Montag.

(Bloomberg)