Aktienmärkte - Wie weiter nach dem «Schocktober» an der Börse?

Nach der wilden Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten ist die Verunsicherung unter Anlegern immer noch gross. Für einen Einstieg könnte es nach wie vor zu früh sein.
22.10.2018 17:21
Von Ivo Ruch
Der Monat Oktober hat einige Investoren erschreckt.
Der Monat Oktober hat einige Investoren erschreckt.
Bild: pixabay.com

Der Oktober ist eigentlich ein guter Börsenmonat. Im Durchschnitt legt der Swiss Market Index (SMI) 1,44 Prozent zu. Grösser ist der Zuwachs jeweils nur im Dezember (+1,57 Prozent), wie ein Blick auf die SMI-Monatsperformances seit 1988 zeigt. Doch in diesem Jahr ist der Oktober weit weniger freundlich.

In den ersten zwei Oktoberwochen verlor der SMI fast 6 Prozent. Es ist schon lange her, seit die Aktienmärkte letztmals einen derart schlechten Start ins vierte Quartal erwischten. Denn laut Berechnungen von Analysten muss man zehn Jahre zurückblättern, um auf ähnlich heftige Kursverluste Anfang Oktober zu stossen. Zur Erinnerung: Damals befanden sich die Investoren mitten in der grossen Ausverkaufswelle nach Ausbruch der Finanzkrise.

Einen direkten Vergleich zur damaligen Zeit zu ziehen, wäre zwar verfehlt. Aber trotzdem sitzt bei vielen Anlegern der Schock über das jüngste Börsengewitter immer noch tief. So ist zum Beispiel die Volatilität an der Schweizer Börse, gemessen am VSMI, weiterhin so hoch wie zuletzt im August.

Wie die Vermögensverwalter von DWS beobachtet haben, zeigt sich diesbezüglich eine gewisse Saisonalität: Der Oktober verspricht zwar hohe Renditen, er gilt aber auch als anfälligster Monat für Panikattacken, was einhergeht mit einer hohen Volatilität.

Klarer "Schocktober"-Effekt an der US-Börse

Dieser Kalendereffekt deute darauf hin, dass es sich bei der jüngsten Börsenschwäche nur um eine weitere vorübergehende Delle handeln könnte, wie DWS in einem aktuellen Kommentar schreibt. Schliesslich sei der breite amerikanische S&P 500 im langjährigen Durchschnitt alle zwei Monate um 5 Prozent gefallen.

Nervosität dürfte bleiben

Dennoch spricht momentan auch einiges gegen ein rasches Verschwinden der Nervosität. Denn die Unsicherheitsfaktoren, die derzeit auf den Finanzmärkten lasten, sind vielfältig: der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der zweifelhafte Zustand einiger Schwellenländer, Italiens Verschuldung oder die Ungewissheiten rund um den Brexit. Nicht zu vergessen die steigenden Zinsen in den USA und die Zeichen einer sich abschwächenden Weltwirtschaft.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schreibt am Montag in einem Marktkommentar, all diese Faktoren seien Grund genug für viele Investoren, einen Marschhalt einzulegen und die Aktienmärkte einem Realitätscheck zu unterwerfen. "Auch wir tun dies und kommen in Anbetracht der erheblichen Belastungsfaktoren zum Schluss, dass die Risiken für eine noch weiterführende Korrektur nach wie vor hoch sind", so die ZKB-Analysten. Aus technischer Sicht erwarten sie mittelfristig eine Seitwärtstendenz mit einer Unterstützung bei 8470 SMI-Punkten (aktuell: 8875 Punkte).

Weitere Zahlen zu verdauen

Dem gegenüber stehen jene Optimisten, die durchaus noch an eine Jahresendrally glauben. Aus Schweizer Sicht könnten zum Beispiel noch die Blue Chips ABB, Lonza, Sika und UBS für Unterstützung sorgen, die alle am kommenden Donnerstag ihre Unternehmenszahlen vorlegen. Zudem öffnen LafargeHolcim, Geberit, Credit Suisse, Swiss Re, Swisscom, Adecco, Swiss Life, Zurich und Richemont bis am 9. November ihre Bücher.

Für das breite Börsenumfeld wichtiger ist hingegen die Entwicklung an der Konjunkturfront. Unter den Marktbeobachtern stehen sich hier zwei Lager gegenüber. Auf der einen Seite jene mit der Meinung, die Börsen würden einen Wirtschaftsabschwung für das nächste Jahr bereits einpreisen. Andererseits die Verfechter einer Wachstumsdelle, welche nicht mit einer globalen Abschwächung rechnen. Gut möglich also, dass der Ausdruck "Schocktober" bald schon wieder in Vergessenheit gerät.