Aktienmarkt - In den USA klopfen die Bären an die Türe

Bei kotierten amerikanischen Unternehmen zeichnet sich der erste Gewinnrückgang seit fast drei Jahren ab. Das könnte die Aktienrally auf globaler Ebene infrage stellen.
16.04.2019 14:40
Von Ivo Ruch
Wer behält die Oberhand: Bären oder Bullen?
Wer behält die Oberhand: Bären oder Bullen?
Bild: ©hfox/Fotolia.com

Noch sieht vieles rosig aus: Der breite US-Aktienindex S&P 500 steht bei 2906 Punkten nur wenige Zähler unter seinem Allzeithoch. Zuletzt sorgte J.P. Morgan mit einem Rekordgewinn für zusätzlich gute Stimmung. Doch die laufende Berichtssaison zum ersten Quartal könnte zum grossen Prüfstein für die starke Erholung seit Anfang Jahr werden.

Denn aktuelle Daten deuten darauf hin, dass das Gewinnwachstum von Aktien im S&P 500 erstmals seit dem zweiten Quartal 2016 negativ sein wird. Die amerikanische Analysefirma Factset rechnet mit einem Rückgang von Gewinn pro Aktie von 4,7 Prozent, für das kommende zweite Quartal berechnen sie ein Minus von 0,3 Prozent, wie Marketwatch schreibt. Die Grafik von Unigestion zeigt, dass sich auch auf globaler Ebene eine solche Gewinnverlangsamung abzeichnet.

Es sind mehrere Gründe, die den Unternehmen auf die Erträge drücken: der anhaltende Handelskonflikt China-USA, eine schwächere globale Konjunktur, steigende Rohstoffkosten oder das Brexit-Chaos. Der grösste Gewinnrückgang wird beim Sektor der Energietitel (-23,6 Prozent) erwartet, gefolgt von Rohstoffen (-12,7 Prozent) und Technologie (-10,6 Prozent), also Titel wie Microsoft, Apple oder Intel. Nur bei drei Sektoren wird Gewinnwachstum erwartet: Gesundheit (+3,8 Prozent), Nahrungsmittel (+3,6 Prozent) und Immobilien (+2,2 Prozent).

Es könnte ruppig werden

Ein Blick zurück zeigt: Als sich das Gewinnumfeld letztmals – also Anfang 2016 – in ähnlichem Ausmass eintrübte, startete die US-Börse zu einer Achterbahnfahrt, die mehrere Monate dauerte. Und die übrigens auch an der Schweizer Börse spürbar war. Eine neuerliche US-Gewinnrezession hätte zweifellos erneut Auswirkungen auf die Schweiz, beeinflusst die amerikanische Börse doch das weltweite Sentiment.

Dennoch müssen die Börsen nicht vor der Rückkehr in einen Bärenmarkt stehen. Ein solcher ist Tatsache, wenn die Kurse von ihrem Höchststand aus 20 Prozent oder mehr verlieren. Denn es ist nicht nur die Gewinnentwicklung, welche die Börse antreibt. Ende Dezember war es die amerikanische Notenbank Fed praktisch im Alleingang, die bei Investoren für einen positiven Stimmungswechsel sorgte.

Und hier dürfte so schnell kein Umdenken stattfinden. Die Fed liess wiederholt durchblicken, die Zinsen vorerst nicht anzutasten. Und die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik im März weiter gelockert. Dies vor dem Hintergrund, dass sich das Wachstumstempo im Euro-Raum abschwächt. Auch Blackrock, der weltgrösste Vermögensverwalter, rechnet angesichts der Wachstumssorgen von Investoren nicht mit einer Fortsetzung der Aktienrally.

Wichtige Zahlen stehen an

Insofern ist die Frage berechtigt, ob die Aktienmärkte eine deutliche Konjunkturdelle bereits eingepreist haben oder nicht. Derzeit ist davon jedenfalls nicht viel zu spüren. Seit Jahresbeginn steht der S&P 500 mit 16 Prozent im Plus und hat damit den Absturz zwischen Oktober und Dezember 2018 praktisch wieder aufgeholt. Der Schweizer Swiss Performance Index (SPI) steht heuer 17 Prozent im Plus und somit gar klar höher als im Oktober.

Auch hierzulande werden Unternehmenszahlen noch für Kursbewegungen sorgen. Die Schwergewichte Roche und Nestlé präsentieren am Mittwoch respektive am Donnerstag ihre Umsätze. Novartis folgt am 24. April, genauso wie die Credit Suisse. Die UBS folgt einen Tag später. Dann wissen auch Schweizer Anleger einiges mehr, wie es um ihre Unternehmen steht.

Investment-Ideen von Julius Bär