Aktienmarkt-Malaise - Börsengänge in Europa stocken

Auch wenn die Klagen über einen schrumpfenden Aktienmarkt in den USA vorübergehend durch die Starts von heissen Börsendebütanten leiser werden, ist das Jammern auf dieser Seite des Atlantiks umso lauter.
19.08.2019 15:50
Swiss Re hat im vergangenen Monat das IPO ihrer Tochtergesellschaft ReAssure Stunden vor der geplanten Notierung abgesagt.
Swiss Re hat im vergangenen Monat das IPO ihrer Tochtergesellschaft ReAssure Stunden vor der geplanten Notierung abgesagt.
Bild: Bloomberg

In diesem Jahr haben 84 Unternehmen in Europa den Sprung aufs Börsenparkett gewagt, mit Abstand die geringste Zahl seit zehn Jahren, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Gemessen am Transaktionswert ist es der niedrigste seit 2013.

Unter den Börsenneulingen floppten Airtel Africa und Finablr. Von denjenigen, die beinahe an die Börse gegangen wären, hat die Swiss Re im vergangenen Monat das IPO ihrer Tochtergesellschaft ReAssure Stunden vor der geplanten Notierung abgesagt. 

Schuld daran ist die Zitterpartie der Anleger angesichts eines eskalierenden Handelskriegs. Aber auch strukturelle Veränderungen führen dazu, dass Angebot und Nachfrage nach neuen Aktien schrumpfen: Fonds mit reichhaltigen Barreserven stecken längere Zeit Geld in Start-ups ohne sie an die Börse zu bringen, und aktiv verwaltete Portfolios - die bei einem Börsengang kaufen würden - verzeichnen Abflüsse, von denen Indexfonds profitieren.

Für Investoren in Einzelaktien, die über liquide Mittel verfügen, bedeutet dies, dass weniger hochwertige, wachstumsstarke Unternehmen zur Auswahl stehen. Es wird befürchtet, dass aufgrund des Schrumpfens und der späteren Börsennotierung von schnell wachsenden Unternehmen die Portfolios von Kleinanlegern mit weniger attraktiven Investments gefüllt werden.

Weniger Unternehmen an der Börse

Zusammen mit Buyouts und Fusionen haben die rückläufigen Börsendebüts dazu geführt, dass die Zahl der börsennotierten Unternehmen im entwickelten Europa zwischen 2000 und 2018 um 29% zurückgegangen ist, wie Daten von Schroders belegen.

„Wenn das auf die Spitze getrieben wird und alle qualitativ hochwertigen, attraktiven Unternehmen beschliessen, nicht an die Börse zu gehen und sich nur mit privatem Geld zu finanzieren, dann erhalten die Anleger an den öffentlichen Märkten praktisch eine Gruppe von Unternehmen mit geringerer Qualität und geringerem Wachstum“, sagte Duncan Lamont, Leiter Research und Analyse bei Schroders.

Während ähnliche Probleme einst die Wall Street plagten, wurden sie vorerst durch einen Boom an Technologie-Börsengängen gebremst. Sogar das ehemalige schwedische Einhorn Spotify Technology debütierte in New York. In Europa gibt es einen besorgniserregenderen Teufelskreis: Der Mangel an coolen Tech-Aktien hat zu einer chronischen Underperformance und zu Fondsabflüssen beigetragen, die wiederum die Nachfrage nach Börsenneulingen schwächen.

Da europäische Emittenten einen grösseren Teil ihres Eigenkapitals an die Börse bringen, was zum Teil auf die Notierungsanforderungen zurückzuführen ist, ist es auch unwahrscheinlicher, dass Börsendebütanten einen derart fulminanten Start wie Beyond Meat erleben, was sie für einen bereits schrumpfenden Pool aktiver Investoren weniger lukrativ macht.

(Bloomberg)

 

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