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«Aktionären müsste der Kragen platzen»

Im Börsen-Talk wundert sich cash-Guru Alfred Herbert, dass Aktionäre nicht lauter werden gegen die «Ungeheuerlichkeiten» bei der Credit Suisse. Und er sagt, in welche zwei SPI-Titel er stark investiert ist.
23.05.2014 01:00
Von Daniel Hügli
Alfred Herbert findet die Vorgänge bei der CS ein «Hohn».
Bild: cash

Die Rekordbusse und das Schuldbekenntnis der Credit Suisse sorgt auch Tage nach dem Bekanntwerden des Verdikts aus den USA für Gesprächsstoff. Für Diskussionen sorgen allerdings weniger die Höhe der Busse oder der Fakt, dass die CS nun offiziell eine "kriminelle Organisation" ist. Es ist die Tatsache, dass im Verwaltungsrat und im Top-Management der CS niemand für die Verfehlungen geradestehen will.

"Das ist eine Ungeheuerlichkeit. Es waschen sich alle in Unschuld. Ich kann nicht mehr zuhören", ereifert sich cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. "Alle Aktionäre bluten, vom Einzelaktionär bis zu den Pensionskassen. Nur die Leute an der Spitze nicht."

Doch CEO Brady Dougan und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner sind nicht bereit, Konsequenzen zu ziehen, weil sie nicht gewusst haben wollen, was die Kundenberater in den letzten Jahren mit unversteuerten US-Kundengeldern anstellten. Rohner verstieg sich am Dienstag gar zur Behauptung, "Brady Dougan und ich haben eine weisse Weste." (zum Artikel)

Alfred Herbert ist erstaunt darüber, dass die Aktionäre von Credit Suisse über das Ausbleiben von personellen Konsequenzen an der Bankspitze nicht mehr aufbegehren. "Auch den grösseren Aktionären müsste langsam der Kragen platzen."

Geht die Aktie bei Rücktritten nach oben?

Bei den Lesern von cash herrscht die Meinung vor, dass die Aktie der CS bei Abtritten von Dougan und/oder Rohner Raum nach oben hat. "Ein Rücktritt von Urs Rohner würde die Aktie um 15 Prozent steigen lassen, ein Rücktritt von Brady Dougan um 5-10 Prozent, wenn beide gehen, kann der Kurs um 20 Prozent ansteigen", ist cash-Leser Beda Düggelin in einem Kommentar zu einer cash-Umfrage (zum Artikel) überzeugt. In dieser Umfrage äussern sich zwei Drittel von fast 2000 Antwortenden, dass sie die CS-Aktie trotz des Befreiungsschlages in den USA jetzt nicht kaufen würden.

Denn die Malaise liegt offenbar tiefer: In den letzten drei Jahren legte die CS-Aktie 31 Prozent zu, der Titel des Konkurrenten UBS dagegen fast 80 Prozent. Die Underperformance der CS-Aktie sei auch ein Ausdruck der falschen Strategie der Bank, so Herbert.

"Die Tage der grossen Honigtopf-Einkommen beim Investmentbanking sind vorbei." Das Herunterfahren des Investmentsbankings, das bei der UBS schon geschehen sei, werde bei der CS nochmals ein schmerzhafter Prozess. Herbert besitzt weder Titel der UBS noch der CS und empfiehlt sie auch nicht zum Kauf.

Allzeithoch "nicht mehr utopisch"

Weit positiver sieht Herbert die Entwicklung an den Börsen. Seit Anfang Mai ist der Swiss Market Index aus seinem Trading-Band 8100 und rund 8500 Punkten ausgebrochen und hat fast einen Stand von 8700 Punkten erreicht. Die Geldschwemme der Zentralbanken halte an, die Ukraine-Krise habe sich ein wenig zurückgebildet, und die Stimmung in Europa sei einigermassen gut, begründet Herbert im Börsen-Talk die gute Investorenstimmung.

Das Überschreiten der SMI-Marke von 9000 Punkten in diesem Jahr sei durchaus möglich, und das Knacken des Allzeithochs des SMI aus dem Juni 2007, als der Index einen Stand von 9548 Punkten erreichte, ist für Herbert "ein Fernziel, das nicht mehr utopisch ist".

Die Luft an den Börsen sei zwar ein wenig dünner geworden, "aber was sollen die Leute mit dem Geld machen?", fragt sich Herbert. "Die Investoren kaufen sich lieber eine Swisscom-Aktie, die 5 Prozent rentiert, und nicht eine eidgenössische Anleihe, die keine 1 Prozent abwirft." Dieser Trend werde anhalten, ist Herbert überzeugt.

Freude hat Herbert an der Aktie des gebeutelten Stahlherstellers Schmolz + Bickenbach. Der Titel stieg am Donnerstag auf den höchsten Stand seit zwei Jahren, weil das Unternehmen im ersten Quartal 2014 zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schrieb. Herbert - "Die Schmolz-Aktie ist eine meiner grössten Positionen" - hatte im letzten Oktober gesagt, dass sich der Titel aufgrund des Einstiegs des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg in den nächsten zwei Jahren verdoppeln werde.

"Eine Aktie, bei der ich auch schon lange dabei und happy bin damit, ist Sonova", nennt Herbert sein anderer Favorit im Swiss Performance Index. Die Aktie des grössten Hörgeräteherstellers hat seit letzten Juli fast 40 Prozent zugelegt und bewegt sich stramm Richtung Allzeithoch.

Im cash-Börsen-Talk begründet Alfred Herbert sein Engagement bei Sonova - und er sagt, weshalb die Schweiz nicht Fussball-Weltmeister wird.