Aldi und Lidl sind in Grossbritannien nicht mehr günstig

Aldi und Lidl haben in Grossbritannien die Preise für einige Nahrungsmittel zuletzt so angehoben, dass sie sich von denen gewöhnlicher Supermärkte im Land kaum mehr unterscheiden.
27.11.2016 13:54
Aldi und Lidl sind in der Schweiz als Billig-Anbieter bekannt - in Grossbritannien sind sie derzeit nicht mehr ganz so günstig.
Aldi und Lidl sind in der Schweiz als Billig-Anbieter bekannt - in Grossbritannien sind sie derzeit nicht mehr ganz so günstig.
Bild: Pixabay

Nachdem die deutschen Discounter die Lebensmittelbranche auf der Insel jahrelang mit ihren Tiefstpreisen aufgemischt haben, zeigt sich jetzt, dass auch sie nicht immun sind gegen steigende Rohstoffpreise und die Abwertung des britischen Pfunds im Gefolge des Brexit-Votums.

Laut Analysen von Sanford C. Bernstein haben Aldi und Lidl damit begonnen, die Preise für Milch zu erhöhen. Bei Aldi wurden demnach auch die Bananen teurer. Milch – Zentrum eines Preiskriegs im Lebensmittelhandel im Jahr 2014 – kostet nun überall fast dasselbe.

Die Preiserhöhungen signalisieren, dass Jahre unerbittlicher Deflation womöglich zu einem Ende kommen, meint Bernstein-Analyst Bruno Monteyne. "Das ist ein Wendepunkt", sagt er. "Es zeigt einfach nur den Druck, der von den grossen Supermarktketten auf Aldi und Lidl ausgeübt wird."

Aldi erklärte auf Nachfrage, dass die eigenen Kunden immer die niedrigsten Preise bezahlen werden. Milch und Bananen könnten anderswo nicht günstiger erstanden werden, hiess es weiter. Ein Vertreter von Lidl wollte sich zu den Preisen nicht äussern.

Discounter sind stark von Rohstoffpreisen abhängig

Die Discounter leiden möglicherweise stärker unter höheren Rohstoffpreisen und der Pfund-Schwäche im Gefolge des Brexit-Votums als die etablierten Supermarktketten in Grossbritannien, erklärt Analyst Andrew Gwynn von Exane BNP Paribas. "Weil sie nicht viel Geld für Personal ausgeben und ihre Festkosten niedriger sind, hängt ein grösserer Teil ihrer Verkaufspreise direkt von den Kosten der Nahrungsmittel ab", so Gwynn.

Seit mehr als einem Jahrzehnt hat der Verzicht auf Schnickschnack und niedrige Preisen den deutschen Discountern einen steigenden Anteil am 169 Mrd. Pfund (198 Mrd. Euro) schweren britischen Lebensmittelmarkt beschert. Das setzte grössere Ketten unter Zugzwang, Preise für alles Mögliche von Brot bis Waschpulver zu reduzieren.

Aldi und Lidl kontrollieren mittlerweile zusammen mehr als ein Zehntel der Lebensmittelausgaben in Grossbritannien, und im Durchschnitt liegen ihre Preise mindestens zehn Prozent unter jenen der billigsten Haupt-Supermärkte von Grossbritannien, heisst es von BNP Paribas.

Milch als wichtigen «Richtungsanzeiger»

Der abnehmende Preisunterschied bietet vielleicht einen Erklärungsansatz für die gebremste Wachstum der deutschen Discounter. Sie verzeichneten zuletzt ihr schwächstes Umsatzwachstum in Grossbritannien seit 2011, wie aus den jüngsten Monatsdaten des Marktforschers Kantar Worldpanel hervorgeht. Zum Vergleich: Der lokale Wettbewerber Tesco erfreut sich derzeit wieder belebter Geschäfte.

Der Anstieg des Milchpreises ist eine symbolische Kehrtwende. Als Tesco zunehmend Marktanteile an die deutschen Discounter im Jahr 2014 verlor, senkte das Unternehmen seine Milchpreise. Aldi und Lidl reagierten darauf mit eigenen Reduzierungen, um den Abstand bei den Preisen aufrechtzuerhalten – ein Abstand, der nun verschwunden ist.

"Milch ist eine Art Richtungsanzeiger", sagt Steve Dresser, Direktor beim Beratungsunternehmen Grocery Insight. "Milch und Bananen werden beide gut verkauft. Und wenn man an einen Punkt gelangt, bei dem man sie mit Verlust verkauft, beginnt das Ganze sehr schnell gegen einen zu arbeiten.“

(Bloomberg)