Alles ist derzeit ein Kauf - dank Notenbanken

Ungewöhnliches passiert derzeit an den Märkten. In einer Zeit, in der die Preise für risikoreiche Aktiva wie etwa Aktien auf die höchsten Stände in Monaten steigen, klettern auch sichere Häfen wie Gold der Franken.
12.06.2016 13:02
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich. Die Stimmung an den Märkten bleibt unberechenber.
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich. Die Stimmung an den Märkten bleibt unberechenber.
Bild: cash

Es scheint dabei keine Rolle zu spielen, dass sich die Lage am US-Arbeitsmarkt verschlechtert oder die Weltbank gerade ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum gesenkt hat. Investoren glauben entweder nicht, dass die Nachrichten schlecht genug sind, um die globale Erholung zu stoppen. Oder sie setzen darauf, dass die Schwäche einiger der größten Volkswirtschaften dazu führen wird, dass die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik sogar noch länger beibehalten.

"Alles wird angetrieben von der hohen Liquidität, die letztlich von den Zentralbanken bereitgestellt wird", sagt Simon Quijano-Evans, Chef-Stratege für Schwellenländer bei der Commerzbank in London. "Es ist eine ungewöhnliche Situation, die ein Nachlass der Krise von 2008-09 ist. Fondsmanager haben einfach Barmittel, die sie arbeiten lassen können."

Seit der globalen Finanzkrise von vor acht Jahren sind viele Investoren in dem Gedanken gefangen, dass schlechte Nachrichten zur Konjunktur gute Nachrichten für die Märkte sind. Die Beinahe-Nullzins-Zinspolitik der Notenbanken - und negative Finanzierungskosten in Japan und einigen europäischen Ländern - haben Händler dazu getrieben, sich alles zu greifen, das irgendwie Rendite bietet. Und jedes Anzeichen dafür, dass der Überfluss an Liquidität bestehen bleibt, wird von den Märkten mit lautem Jubel begrüßt.

Die jüngste Euphorie war am Freitag der vergangenen Woche ausgebrochen, als bekannt wurde, dass in den USA im Mai nur 38'000 Jobs entstanden sind - der niedrigste Wert seit 2010. Das machte unterm Strich jede Chance zunichte, dass die Fed im Juni die Leitzinsen anheben wird.

"Es gibt eine Menge Nervosität am Markt"

"Es gibt eine Menge Nervosität am Markt mit Blick auf die Fed", sagt Manish Singh, Vermögensverwalter bei Crossbridge Capital in London. "Die Fed und der US-Dollar sind definitiv die großen Faktoren. Und die Tatsache, dass die Fed die Zinsen nicht anheben wird, ist eine Erleichterung."

Eine Konsequenz der gleichzeitig steigenden Preise auf allen Märkten ist jedoch, dass die Investoren ihre Schwierigkeiten damit haben werden, sich bei einem möglichen Ausverkauf abzusichern, meint die US-Bank Goldman Sachs. Eine stärkere Korrelation zwischen regionalen Märkten erschwert es, sich hinter ausländischen Aktien zu verstecken.

Die Anleiherenditen bewegen sich in der Nähe von Rekordtiefs, erdrückt von den Plänen der Zentralbanken zur quantitativen Lockerung - und defensive Aktien wurden nach oben getrieben, schrieb Goldman-Analyst Christian Müller-Glissman dieser Tage in einer Notiz an Kunden.

Das und die Politik der Zentralbanken hat Investoren in exotische Ecken des Marktes getrieben, um nach Absicherung Ausschau zu halten, sagt Michael Purves, globaler Chef-Stratege bei Weeden in Greenwich, Connecticut. "Es gibt derzeit viele Gründe, auf einen Anstieg des VIX zu wetten", sagt Purves mit Bezug auf den Volatilitätsindex. "Das ist ein Weg der Absicherung."

"Ich bin nicht komplett von dieser Rally überzeugt", sagt auch Francois Savary, Investmentchef von Prime Partners in Genf. "Es gibt zu viele Korrelationen zwischen den Aktiva-Klassen. Und das ist gefährlich, wenn die Stimmung unberechenbar bleibt."

(Bloomberg)