Allianz kauft jetzt schon britische Aktien

Für Allianz Global Investors ist eine hohe Volatilität am britischen Aktienmarkt aufgrund der Brexit-Abstimmung eine willkommene Entwicklung.
19.06.2016 12:22
Hauptsitz der Bank of England an der Threadneedle Street in London.
Hauptsitz der Bank of England an der Threadneedle Street in London.
Bild: cash

So setzt Harald Sporleder, bei Allianz GI zuständig für fünf europäische Aktienfonds mit einem Gesamtvolumen von zwei Mrd. Dollar, auf britische Aktien. Er geht davon aus, dass die Titel, die in diesem Jahr besser abgeschnitten haben als Konkurrenten vom europäischen Kontinent, den Investoren auch weiterhin Freude machen werden.

Die mit dem Referendum in Grossbritannien am 23. Juni einhergehende Unsicherheit betrachtet er als Kaufgelegenheit. Denn auch wenn die Briten sich für ein Verlassen der EU entschieden - was zu höherer Volatilität am Aktienmarkt führen sollte - blieben die Fundamentaldaten der Unternehmen die gleichen, argumentiert er. Während der FTSE 100 Index seit Monatsbeginn 3 Prozent verloren hat, ist der Stoxx Europe 600 Index doppelt so stark gesunken.

"Wir kaufen vor dem Referendum britische Aktien zu und konzentrieren uns dabei auf Werte mit hoher Marktkapitalisierung", erläutert Sporleder in einem Interview. "Angenommen, die Briten wollen die EU verlassen. Das wäre eine Katastrophe für die europäischen und britischen Märkte über einige Tage. Wir würden diese erhöhte Volatilität als Kaufgelegenheit für Aktien nutzen wollen", wenn diese auf Tiefstände fallen.

Neun Tage vor der Abstimmung zeigen Umfragen, dass das Ergebnis eng wird. Bis zur vergangenen Woche herrschte bei britischen Aktien relative Ruhe, obwohl führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik vor dem wirtschaftlichen Schaden warnten, den ein Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU bringen würde. Ein Gradmesser für die Volatilität im FTSE 100 kam am Montag auf den höchsten Dreitagesgewinn innerhalb von sechs Monaten. Laut einer Studie des Risikomodellierers Axioma Inc. könnten europäische Aktien im Gefolge eines britischen Austritts aus der EU rund ein Viertel ihres Wertes verlieren.

Auch JPMorgan Chase steht auf britische Aktien

Die Wahrscheinlichkeit, dass Grossbritannien EU-Mitglied bleibt, liegt weiterhin bei über 69 Prozent, wie Daten von Oddschecker und Number Cruncher zeigen. Allerdings deuten aktuelle Umfragen von ICM, ORB/Independent und YouGov auf einen Vorsprung der Austrittsbefürworter hin.

Wenn sich der durch die Abstimmung aufgewirbelte Staub legt, geht Sporleder jedoch davon aus, dass er gute Aktien im Portfolio haben wird, deren Kurse durch die Unsicherheit über einen möglichen Brexit auf attraktive Niveaus gefallen sind. Namen von Unternehmen, deren Aktien er erwerben will, nannte er nicht. Der von ihm geführte Fonds Allianz Discovery Europe Strategy schneidet über die vergangenen vier Wochen besser ab als 75 Prozent seiner Konkurrenten.

Neben der Allianz favorisieren auch andere Investoren britische Aktien. JPMorgan Chase schrieb am Montag in einer Studie, dass die Bank weiterhin britische Aktien übergewichte, da diese "regelrecht billig" gehandelt würden nach einer schwachen Entwicklung über die vergangenen Jahre. Der FTSE 100 kommt auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 15,1 auf Basis der erwarteten Gewinne. Damit liegt er zwar noch über den 14,3 für den Stoxx 600, aber der Wert ist im Vergleich zu Aktien weltweit nahe dem niedrigsten Stand seit Januar.

(Bloomberg)