«Altlasten trüben weiterhin unsere Resultate»

UBS-CEO Sergio Ermotti äussert sich im Video-Interview zu drohenden Rechtsstreitigkeiten und zur Zukunft des eigenen Investmentbanking-Modells.
30.07.2013 15:31
Von Ivo Ruch
Sergio Ermotti: CEO der UBS.
Bild: cash

Die UBS muss weiterhin für ihre Vergehen in der Vergangenheit bluten. Vor einer Woche gab die grösste Schweizer Bank bekannt, dass sie in den USA eine Geldstrafe von 885 Millionen Dollar bezahlt. Damit will sie einer Anklage im Zusammenhang mit umstrittenen Hypothekengeschäften entgehen. "Die Altlasten der Vergangenheit belasten weiterhin unsere Resultate. Aber das ist alles eingeplant", sagt CEO Sergio Ermotti im Video-Interview.

Seit 2008 wurden gegen die Bank insgesamt 3,4 Milliarden Franken an Bussen, aussergerichtlichen Vergleichen und Schadenersatzforderungen ausgesprochen. Und der UBS drohen weitere kostspielige Rechtsstreitigkeiten, die Rückstellungen zur Folge haben. Dennoch lässt sich das UBS-Ergebnis des zweiten Quartals sehen: Der Reingewinn wird auf 690 Millionen Franken beziffert.

Erfolgreiches Investmentbanking

Dank eines florierenden Aktienhandels steuerte das Investmentbanking mehr zum Gewinn bei als die traditionelle Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden. Der jüngst deutlich zurückgefahrene Bereich hat einen Vorsteuergewinn von 775 Millionen Franken erwirtschaftet. Im Vorquartal hatte der Gewinn des Investmentbanking-Arms noch 977 Millionen Franken betragen.

Trotzdem sieht Ermotti keinen Anlass, die aktuelle Strategie im Investmentbanking zu ändern: "Weil es so gut läuft, lassen wir es so laufen. Das Geschäftsmodell ist so positioniert, um unseren Kunden die besten Dienstleistungen zu offerieren und gleichzeitig vernünftige und nachhaltige Erträge für unsere Aktionäre zu erwirtschaften."

Im Bereich Wealth Management erzielte die UBS im zweiten Quartal einen Gewinn von 557 Millionen Franken, verglichen mit 664 Millionen Franken im Vorquartal. Wird der Aufwand im Zusammenhang mit dem Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien sowie den Restrukturierungskosten ausgeklammert, beträgt der Vorsteuergewinn gar 711 Millionen Franken. Das ist zugleich der höchste Gewinn dieser Sparte seit vier Jahren.

Kunden kehren zur UBS zurück

Zufrieden dürfte Ermotti auch mit dem Zufluss von Neugeld sein. Im zweiten Quartal konnte die UBS 13 Milliarden Franken an neuem Vermögen aufnehmen, im bisherigen Jahresverlauf sind es bereits 36 Milliarden. "Wir haben Kunden zurückgewonnen, die während der Krise Geld abgezogen haben", erklärte Ermotti an der Medienkonferenz. Seit 2011 gewinne die UBS bei vermögenden Privatkunden Marktanteile, insbesondere bei den Ultrareichen. "Einer von zwei Milliardären hat eine Beziehung zu uns", sagte Ermotti stolz. In Asien seien es sogar 80 bis 90 Prozent.

Die Zahl der Superreichen hat weltweit einen neuen Rekord erreicht. Auf der jährlichen "Forbes"-Liste zählt das US-Magazin 1426 Milliardäre, davon 57 aus Deutschland. Ein immer grösseres Stück des Kuchens wird von der UBS verwaltet. Bei den Kunden mit mindestens 50 Millionen Franken Vermögen wachsen die Schweizer zur Zeit drei Mal schneller als bei den weniger Vermögenden. Insgesamt sammelte die Bank bei reichen Privatkunden fast 13 Milliarden Franken an neuem Geld ein. Nach Berechnungen der Beratungsfirma Scorpio eroberte die UBS jüngst die Position als weltgrösster Vermögensverwalter von der Bank of America zurück.

 

Im Video-Interview nimmt Ermotti zudem Stellung zur Dividendenpolitik der UBS und zum Rückkauf des SNB-Stabfunds.