Am heutigen Investorentag - Logitech-Aktie erklimmt neue Mehrjahreshöchstkurse

Logitech gibt am Investorentag einen unerwartet vorsichtigen Gewinnausblick ab. Beunruhigt sind Analysten deswegen jedoch nicht. Die Aktie steigt vorübergehend auf den höchsten Stand seit acht Jahren.
07.03.2017 11:15
Von Lorenz Burkhalter
Kann auf äusserst erfolgreiche Jahre zurückblicken: Logitech-Chef Bracken Darrell.
Kann auf äusserst erfolgreiche Jahre zurückblicken: Logitech-Chef Bracken Darrell.
Bild: youtube

Logitech könnte erstmals zum Opfer des eigenen Erfolgs werden. Nach mehreren positiven Ergebnisüberraschungen und Prognoseerhöhungen in Folge fällt der vom Peripheriegerätehersteller aus Lausanne anlässlich des Investorentages abgegebene Ausblick überraschend vorsichtig aus.

Für das ab Anfang April anlaufende Fiskaljahr 2017/18 strebt das zuletzt sehr erfolgreiche Unternehmen einen operativen Gewinn (non-GAAP EBIT) zwischen 250 und 260 Millionen Dollar an. Das entspricht im Jahresvergleich zwar einem satten Plus von bis zu 12 Prozent, liegt allerdings am unteren Ende der Erwartungsbandbreite.

Auch die Bekanntgabe eines weiteren Aktienrückkaufprogramms im Gegenwert von 250 Millionen Dollar überrascht nicht. Einige Analysten hatten sich sogar noch konkretere Aussagen zur zukünftigen Dividendenpolitik erhofft.

Nachdem die Logitech-Aktie an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel vorübergehend auf 30,25 Franken und damit auf den höchsten Stand seit Herbst 2008 kletterte, fällt sie nun Gewinnmitnahmen zum Opfer. Zur Stunde fängt sie sich wieder etwas und gewinnt 1,7 Prozent auf 29,90 Franken.

In einem Kommentar der UBS Investmentbank lässt der Autor keinen Zweifel daran, dass er den von Logitech abgegebenen Ausblick als konservativ erachtet. Er selber rechnet für das Fiskaljahr 2017/18 mit einem operativen Gewinn von 273 Millionen Dollar. Einerseits habe das Unternehmen in den letzten Jahren eine starke Geschäftsumsetzung bewiesen und andererseits werde es von weiteren Produktivitätsfortschritten profitieren. Letztere sollten sich in einer höheren Bruttomarge bemerkbar machen, so der Analyst.

Stapelt Logitech absichtlich tief?

Er sieht bei den Konsensschätzungen für 2017/18 über die Zeit Raum für Aufwärtsrevisionen im Umfang von 5 bis 10 Prozent, hält diese jedoch weitestgehend für eingepreist. Auf Basis bankeigener Schätzungen errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19, die reichlich vorhandenen Barmittel ausgeklammert. Die Logitech-Aktie wird deshalb wie bis anhin nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 29 Franken eingestuft.

Beeindruckende Kursentwicklung der Logitech-Aktie (rot) im Vergleich zum SPI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Auch der Berufskollege von Baader Helvea räumt ein, dass der operative Gewinn beim Mittelwert der Zielbandbreite von 250 bis 260 Millionen Dollar rund 3 Prozent unter seinen Annahmen zurückliegt. Logitech sei aber für vorsichtige Ausblicke bekannt, so schreibt er weiter.

Gefallen findet der Experte am angekündigten Aktienrückkaufprogramm. Mit einem jährlichen Volumen von 83 Millionen Dollar kann die von der Mitarbeiterbeteiligung ausgehende Verwässerung seinen Berechnungen zufolge aufgefangen werden. Mit Gewinnschätzungserhöhungen rechnet man bei Baader Helvea in diesem Zusammenhang jedoch nicht. Der Experte stuft die Logitech-Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 31 Franken ein.

Aktie hatte bereits einen guten Lauf

Um einiges optimistischer fällt das Urteil der Zürcher Kantonalbank aus. In einer ersten Stellungnahme bezeichnet der Autor den Ausblick für 2017/18 sogar als über seinen und den Marktschätzungen liegend. Wie er weiter schreibt, sieht Konzernchef Bracken Darrell seinen Arbeitgeber erst am Anfang einer mehrjährigen Wachstumsphase. Der ZKB-Analyst empfiehlt die Aktie deshalb weiterhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

Ebenfalls an seiner Kaufempfehlung hält der Berufskollege der Bank Vontobel fest. Einmal mehr zeige sich, dass das Geschäftsmodell und die Wachstumsstrategie von Logitech funktionieren würden, so lautet seine Zwischenbilanz. Er hält die Gewinnaussichten für noch nicht vollumfänglich eingepreist und stuft die aktie mit "Buy" und einem Kursziel von 31 Franken ein.

Wie es im hiesigen Berufshandel heisst, hat Logitech an der Börse in den vergangenen 12 Monaten eine grundlegende Neubeurteilung erfahren. An der Börse gilt das Unternehmen heute fast das Doppelte als noch vor einem Jahr. Beobachter schliessen deshalb nicht kategorisch aus, dass die Aktie im weiteren Tagesverlauf Gewinnmitnahmen zum Opfer fallen könnte.