Amazon, Google, Facebook - Den Tech-Firmen wird die Finanz-Revolution zugetraut

Ein weiterer Grund, warum Banken die Tech-Giganten wie Amazon fürchten sollten: Laut einer Umfrage sind die Kunden scharf darauf, dass die neuen Firmen den Finanzsektor übernehmen.
25.11.2017 09:01
Eingang beim Google-Sitz nahe Hauptbahnhof Zürich.
Eingang beim Google-Sitz nahe Hauptbahnhof Zürich.
Bild: cash

Fast 60 Prozent der Bankkunden in den USA sind der Erhebung des Beratungsunternehmens Bain & Co. zufolge bereit, es mit einem Finanzprodukt eines Technologie-Unternehmens zu versuchen, mit dem sie bereits in anderen Bereichen Geschäfte machen.

Besonders hoch war das Interesse bei den jüngeren Umfrageteilnehmern: Rund 73 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 34 Jahren würden Angebote zu Kreditkarten, Konten, Kapitalanlagen und Hypothekendarlehen eines Technologie-Unternehmens ausprobieren.

"Sie sind dazu bereit, wenn die Erfahrungen, die sie dabei machen, genauso einfach und leicht wie bei einem Einkauf bei Amazon sind", sagt Gerard du Toit, Partner bei Bain und Co-Autor der Erhebung, in einem Interview mit Bloomberg. "In China ist es bereits üblich, viele Bankgeschäfte über WeChat, Alipay oder ähnliche Anbieter abzuwickeln."

Inder und Chinesen offener als Franzosen

Für die Studie hat Bain 133'171 Personen in 22 Ländern befragt, die sehr unterschiedliche Einstellungen hatten. Weit über 80 Prozent der in Indien und China lebenden Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie bereit seien, neue Finanzangebote von Technologie-Unternehmen auszuprobieren - damit war die Akzeptanzrate dort mehr als doppelt so hoch wie in Frankreich, wo sich die Menschen den Offerten gegenüber am zurückhaltendsten zeigten.

Während Technologie-Kolosse wie Amazon, die Alphabet-Tochter Google und Facebook in den USA schon in Bereiche wie Bezahldienstleistungen und Kreditvergabe expandierten, sind die von ihnen eingesammelten Einlagen noch überschaubar. Der Grund ist ein Bundesgesetz, das die Kombination aus kommerziellen Unternehmen und Vollbanken verhindert.

Daher, so prognostiziert es du Toit, werden Banken mit Amazon und anderen Anbietern zusammenarbeiten. Dabei würden die Kreditinstitute die Finanzprodukte fertigen und die Technologie-Giganten die Vertriebs- und Service-Kanäle zur Verfügung stellen. Mit anderen Worten also genau das tun, was Amazon schon jetzt bei Konsumgütern macht.

Da der Vertrieb laut einer Studie von McKinsey & Co. zwei Drittel der Bankgewinne ausmacht, dürften es die Institute allerdings kaum goutieren, zu blossen Fabriken für Hypothekendarlehen und Kreditkarten degradiert zu werden.

Ein Frage der Zeit

Und da Amazon für das Gewinnen von Kunden nicht zahlen müsse - es habe nämlich bereits Millionen davon - könne das Unternehmen es sich leisten, digitale Konten anzubieten, die ohne "all die lästigen Gebühren und relativ hohen Mindestguthaben" auskommen würden, sagt du Toit. Dadurch würden junge Konsumenten angesprochen, die am ehesten bereit seien, neue Dinge auszuprobieren.

Dabei ist sicher hilfreich, dass Amazon eine hohe Reputation bei den Kunden geniesst. Nach einem Ranking der Vertrauenswürdigkeit von Finanz- und Technologie-Anbietern gefragt, benoteten die Teilnehmer an der Erhebung typischerweise Banken am besten. Es folgten PayPal und Amazon. Apple, Google und Microsoft wurden als nächstes genannt und landeten damit vor Social Media.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir sehen werden, dass die grossen Technologie-Player in den USA in das Privatkundengeschäft der Banken einsteigen", sagt du Toit. "Wir werden einen darwinistischen Kampf zwischen Banken und Technologie-Unternehmen erleben sowie einige überraschende Kombinationen beim Marktzugang."

(Bloomberg)