Analyst stuft beliebte Aktie herunter

Ein Analyst der Credit Suisse empfiehlt eine beliebte Schweizer Aktie nicht mehr länger zum Kauf. cash nennt die Gründe und sagt, ob weitere Rückstufungen folgen könnten.
13.04.2015 08:00
Von Lorenz Burkhalter
Bei Givaudan ist der Ruf des Börsenlieblings in Gefahr.

Schon seit Monaten gehört Givaudan an der Schweizer Börse SIX zu den beliebtesten Unternehmen überhaupt. Nicht nur die Anleger, auch viele Analysten scheinen einen Narren am Genfer Hersteller von Aromen und Riechstoffen gefressen zu haben. Das nicht zuletzt dank der sehr grosszügigen Dividendenpolitik des Unternehmens.

Allerdings will die Aktie nach dem starken Anstieg der letzten Jahre nicht mehr so recht vom Fleck kommen. Das überrascht nicht, mussten Anleger am Kurs-Gewinn-Verhältnis doch noch nie so tief in die Tasche greifen.

Der am vergangenen Freitag veröffentlichte Quartalsumsatz liess den Kurs von Givaudan vorübergehend um knapp 5 Prozent einbrechen, bevor Gelegenheitskäufe einsetzten.

Während viele Banken an ihren Kaufempfehlungen festhalten, kündigt die Credit Suisse der Aktie nun die Liebe. Der für die Grossbank tätige Analyst stuft sie auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes von "Outperform" auf "Neutral" zurück. Vom 1‘700 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel lässt sich ein Abwärtspotenzial von knapp 5 Prozent ableiten.

Stolze Bewertung trifft auf schleppendes Wachstum

Der Analyst zeigt zwar weiterhin Gefallen an den Attributen von Givaudan. Das Unternehmen sei in einem hochwertigen Geschäftsbereich tätig und verfüge über eine gesunde Bilanz. Nicht zuletzt dank der starken Barmittelgenerierung werde es den Genfern auf lange Sicht möglich sein, weitere Aktionärswerte zu schaffen.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 und einem Verhältnis vom Unternehmenswert zum operativen Gewinn (EBITDA) von 17 seien diese Attribute allerdings mehr als eingepreist, so schreibt der Analyst weiter.

Er stösst sich vor allem an der sich abzeichnenden Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern. Nach wachstumsträchtigen Jahren und aufgrund der hohen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr hat sich das organische Wachstum bei Givaudan in den ersten drei Monaten dieses Jahres nämlich auf gerademal 0,8 Prozent verlangsamt.

Werden weitere Banken dem Beispiel folgen?

Darüber hinaus sieht der Analyst nach der Aufgabe des SNB-Mindestkurses Gefahren im Zusammenhang mit ungünstigen Verschiebungen im Währungsumfeld sowie dem immer intensiveren Wettbewerb der Anbieter in den Schwellenländern. Letzterer spreche zukünftig gegen eine über dem Marktwachstum liegende Umsatzentwicklung des Unternehmens.

Nachdem die Credit Suisse den Daumen gesenkt hat, empfehlen noch immer sieben vorwiegend amerikanische Banken die Aktie von Givaudan zum Kauf. Allerdings ist gut möglich, dass weitere Berufskollegen dem Beispiel des für die Grossbank tätigen Analysten folgen und mit Rückstufungen aufwarten werden. Das letzte Wort ist nach den enttäuschenden Quartalsumsatzzahlen vom Freitag jedenfalls noch lange nicht gesprochen.