Analysten sehen bei Goldbach schwarz

Wird der Streit um die TV-Quoten die Goldbach-Aktie belasten? Marktbeobachter prophezeien eine Gewinnwarnung.
22.05.2013 05:42
Von Ivo Ruch
Der Himmel über der Goldbach Group in Küsnacht verdüstert sich.

Die Vontobel-Experten schreiben in ihrem Morning Focus vom Dienstag, dass eine Gewinnwarnung bei der Vermarkterin von TV-Werbung "recht wahrscheinlich" sei. Folglich könnten "Investoren erneut enttäuscht werden".

Der Grund: Goldbach leidet unter einer Art TV-Hickhack. Aufgrund veränderter Konsumgewohnheiten soll neu auch zeitversetztes Fernsehen und TV-Konsum via Internet gemessen werden. Wegen Problemen bei der Datenauswertung und Zweifeln an der Verlässlichkeit der Ergebnisse steht die mit der Messung beauftragte Firma Mediapulse heftig in der Kritik.

TV-Sender protestieren gegen die neuen Zahlen, so dass aktuelle und zuverlässige Zahlen bislang fehlen. Leidtragender dieser Ungewissheit ist die Goldbach Group. Denn solange keine verlässlichen Quoten verfügbar seien, würden die Kunden zurückhaltend agieren, schreiben die Vontobel-Experten. Gemäss der Bank stellt sich Goldbach auf den Standpunkt, dass sich die fehlenden Quoten nicht auf das Unternehmen auswirkten. Dennoch meinen die Analysten: "Das Management spielt das Problem herunter."

Wachstumsphantasie weicht Ernüchterung

Vontobel geht davon aus, dass der TV-Umsatz von Goldbach im laufenden Jahr noch weiter zurückgehen wird. Bereits 2012 musste Goldbach Group einen leichten Umsatzrückgang auf 445,5 Millionen Franken hinnehmen.

Aufgrund der neuen Einschätzung senkt Vontobel das Kursziel der Goldbach-Aktie von 22,50 Franken auf 19,30. Die Aktie reagierte am Dienstag kaum auf die Analysten-Notiz. Seit März stagniert der Titel zwischen 20 und 21 Franken, nachdem er seit Dezember 2012 um fast 20 Prozent zugelegt hatte. Zudem konnte Goldbach den Gewinn 2012 um 51 Prozent auf 9,1 Millionen steigen.

Doch Goldbach kämpft nicht nur mit fehlenden Quoten. Der Aktienkurs hat sich seit 2011 beinahe halbiert. Das widerspiegelt unter anderem die schwache Dynamik im Onlinegeschäft, die dazu geführt hat, dass die Online-Wachstumsphantasie Ernüchterung gewichen ist.