Analysten verteidigen Adecco - die Aktie steigt

Adecco wartet mit einem durchwachsenen Zahlenkranz auf. Dennoch gewinnen Analysten der Geschäftsentwicklung im dritten Quartal vor allem positive Aspekte ab. Die Aktie ist gesucht.
08.11.2016 11:17
Von Lorenz Burkhalter
So richtig brillieren kann Adecco im zurückliegenden dritten Quartal nicht.
So richtig brillieren kann Adecco im zurückliegenden dritten Quartal nicht.
Bild: Bloomberg

Eigentlich hatte Analysten der starke Zahlenkranz des Rivalen Randstad auch bei Adecco eine Wachstumsbelebung erwarten lassen. Doch wie das seit dem frühen Dienstag vorliegende Resultat verrät, wuchs der Stellenvermittler im dritten Quartal langsamer als gedacht.

Das organische Umsatzwachstum von 3 Prozent deckt sich mit jenem der Monate Juni und Juli. Gerade in den Schlüsselmärkten Frankreich und Nordamerika blieb die erhoffte Wachstumsbelebung aus. Ermutigend sind einzig die zur organischen Umsatzentwicklung im Oktober gemachten Aussagen.

Anleger scheinen diesen Aussagen ein höheres Gewicht als dem unter den Erwartungen liegenden Reingewinn beizumessen. In der Folge gewinnt die Adecco-Aktie an der Schweizer Börse SIX nach einem schwachen Auftakt 1,2 Prozent auf 58,40 Franken.

In einem Kommentar von Kepler Cheuvreux ist denn auch von einem soliden dritten Quartal die Rede. Sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten operativen Gewinn (EBITA) seien die bankeigenen Erwartungen sogar leicht übertroffen worden, so schreibt der Verfasser.

Wachstumsbelebung in Frankreich lässt auf sich warten

Was das organische Umsatzwachstum anbetrifft, so gibt der Experte Entwarnung. Um die Anzahl Werktage bereinigt errechnet er für das dritte Quartal ein organisches Wachstum von 3,5 Prozent, was über den erwarteten 3 Prozent liegt. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass die Anzahl Handelstage den Analysten von Anfang an klar gewesen sein mussten. Bei Kepler Cheuvreux wird die Aktie dennoch weiterhin mit einem Kursziel von 71 Franken zum Kauf empfohlen.

Etwas zurückhaltender gibt sich der Berufskollege von der UBS Investmentbank. Auch er kommt um die Anzahl Wochentage bereinigt auf ein organisches Umsatzwachstum von 3,5 Prozent. Was das Wachstumstempo im Schlüsselmarkt Frankreich anbetrifft, so vergleicht er dieses mit jenem im vorangegangenen zweiten Quartal. Die Aussagen zur Umsatzentwicklung in den Monaten September und Oktober erachtet der Experte hingegen als ermutigend. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 53 Franken ein.

Einmalige Kosten drücken auf den Gewinn

Der Helvea-Analyst gewinnt dem vorliegenden Zahlenkranz hingegen sowohl positive als auch negative Aspekte ab. Während er die Wachstumsbeschleunigung in den Monaten September und Oktober sowie das strikte Kostenmanagement begrüsst, kommt der Rückgang bei der Bruttomarge nicht gut bei ihm an. Insbesondere bei der Vermittlung temporärer Arbeitskräfte macht der Experte Margendruck aus. Allerdings empfiehlt auch er die Aktie unverändert mit einem Kursziel von 71 Franken zum Kauf.

Kursentwicklung der Adecco-Aktie im bisherigen Tagesverlauf, Quelle: www.cash.ch

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank wird die Umsatzbeschleunigung gegen Quartalsende als ermutigend für die Zukunft bezeichnet. Leicht enttäuscht zeigt sich der Verfasser hingegen von den zahlreichen einmaligen Kosten, beispielsweise für Restrukturierungen oder für den Ausstieg aus einigen Märkten. Aufgrund der wenig anspruchsvollen Bewertung hält der Analyst am "Übergewichten" lautenden Anlageurteil fest.

Vorsichtige Aussagen

Auch bei der amerikanischen Investmentbank Jefferies heisst es, dass bei den zukünftigen Umsatz- und Gewinnerwartungen keine grösseren Anpassungen notwendig seien. Die Aussagen zur Wachstumsentwicklung im Oktober würden sich mit den derzeitigen Einschätzungen decken und auch bei der Entwicklung der EBITA-Marge gebe es keinen Handlungsbedarf, so schreibt der zuständige Analyst. Er stuft die Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 64 Franken ein.

Bei Mirabaud stösst man sich hingegen an den etwas vorsichtigeren Aussagen der Firmenverantwortlichen zum aktuellen Unternehmensumfeld. Andere Banken gehen hingegen gar nicht erst auf diesen Aspekt ein.