Analysten zufrieden - Nestlé-Aktien legen nach Quartalszahlen klar zu

Die Nestlé-Aktien sind mit klaren Avancen in den Handel vom Donnerstag gestartet. Der Nahrungsmittelkonzern hat mit einem organischen Wachstum von 2,3% im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten leicht übertroffen.
20.04.2017 10:20
Nestlé ist im ersten Quartal vor allem in Europa und Asien gewachsen (im Bild Baby-Nahrung in einem Supermarkt in Peking).
Nestlé ist im ersten Quartal vor allem in Europa und Asien gewachsen (im Bild Baby-Nahrung in einem Supermarkt in Peking).
Bild: Bloomberg

Die Experten sprechen denn auch von einem relativ guten Start ins Jahr. Die Nestlé-Aktie notiert um 10 Uhr 0,7% höher auf 75,70 Franken (bisheriges Tageshoch 76,05) und macht damit die deutlichen Verluste des Vortages wieder wett. Der Gesamtmarkt gemessen am SMI steht dank der schwergewichtigen Nestlé zur gleichen Zeit ebenfalls über dem Vortagesschluss (+0,3%).

Die Marktteilnehmer beurteilen das organische Wachstum im ersten Quartal in ihren ersten Einschätzungen in der Tendenz leicht positiv. Mit 2,3% übertraf es - wenn auch nur relativ leicht - die Konsensprognosen von 2,1% (AWP-Konsens). Dabei fielen sowohl das Mengenwachstum (RIG) wie auch die Preisanpassungen im ersten Quartal leicht besser aus als erwartet.

«Relativ guter Start»

Allerdings hat sich das organische Wachstum insgesamt erneut abgeschwächt (Q4 2016 2,9%) und bleibe "anämisch", schreibt Liberum und trifft damit die Meinung vieler Markteilnehmer. Die erreichten 2,3% bedeuteten die tiefste Wachstumsrate im gesamten Jahrhundert, ordnet Bernstein die Zahlen ein. Allerdings seien dabei die späten Ostern sowie das Schaltjahr 2016 (1 Arbeitstag mehr) zu berücksichtigen.

Unter Ausklammerung dieser Effekte ergebe sich ein zugrundeliegendes organisches Wachstum von rund 3,5%, rechnet die UBS in einem ersten Kommentar vor. Die Bank Vontobel spricht in Anbetracht der saisonalen Effekte denn auch von einem "relativ guten Start" ins neue Jahr. Und die ZKB schaut bereits voraus und schreibt, es bestehe die berechtigte Hoffnung, dass das organische Wachstum im Gesamtjahr höher ausfallen werde als im Berichtsquartal.

Getrieben wurde das Wachstum im ersten Quartal hauptsächlich von den Zonen AOA und EMENA, Americas sei dagegen wie erwartet enttäuschend ausgefallen, schreibt Morgan Stanley. Den Grund für die schlechtere Leistung orten die Analysten dabei in Lateinamerika. Gemäss Nestlé hatte vor allem Brasilien ein schwieriges Quartal, aber auch Mexico wuchs langsamer.

Hohe Bewertung?

Die zwei Schlüsselmärkte in Südamerika würden an Tempo verlieren, moniert denn auch Vontobel. Insgesamt sehe es aber so aus, als dass Nestlé in Bereichen mit Problemen in der jüngsten Vergangenheit (NSH, Yinlu, US-Tiefkühlgeschäft) gewisse Verbesserungen erreicht habe. Die Analysten von Société Générale streichen zwei weitere positive Punkte hervor: erstens die bessere Performance in Asien, wo der Konsum eine schnelle Erholung zeige, und zweitens die bessere Preissetzung in Europa nach Jahren von Deflation.

Insgesamt sehen die meisten Experten ihre bisherige Einschätzung der Nestlé-Aktien bestätigt und rechnen mit keinen grösseren Änderungen der Schätzungen nach den Quartalszahlen. Die ZKB hat derweil gewisse Bedenken in Bezug auf den weiteren Kursverlauf der Aktie: Das 12-Monate-KGV liege mit 22,4 x um 31% über dem historischen Durchschnitt von 17,1 x, obwohl 2017 möglicherweise ein neues organisches Wachstumstief erreicht werde (bisheriges Tief 2016 mit 3,2%).

Entsprechend bewertet sie das Papier lediglich mit "Marktgewichten". Eher zurückhaltend geben sich auch die Experten von Jefferies ("Hold"), RBC ("Neutral"), Bernstein mit Market-Perform oder Liberum ("Sell"), während man bei Vontobel, UBS, Helvea, Société Générale (alle "Buy") oder Morgan Stanley ("Overweight") weiteres Potenzial ortet.

(AWP)