Analystenstimmen zu Nestlé und Syngenta

Während Syngenta mit dem Neunmonatsumsatz die Erwartungen übertrifft, weiss Nestlé die Analysten nicht so recht zu überzeugen. Dennoch stehen beide Aktien unter Verkaufsdruck.
16.10.2014 11:15
Von Lorenz Burkhalter
Die Neunmonatsumsatzzahlen von Nestlé wissen nicht so recht zu überzeugen.

Wenn bei zwei Schweizer Grossunternehmen die Neunmonatsumsatzzahlen mit Spannung erwartet wurden, dann bei Nestlé und Syngenta. Bei beiden stellte man sich in den vergangenen Wochen auf einen eher ernüchternden Zahlenkranz ein.

Zumindest bei Nestlé rückblickend auch zu Recht. Denn obschon viele Analysten ihre Umsatzschätzungen mit dem Rotstift überarbeitet hatten, bleibt die Umsatzentwicklung beim Westschweizer Nahrungsmittelhersteller in den neun Monaten hinter den Markterwartungen zurück. Das Unternehmen konnte zwar die Absatzpreise stärker als erhofft steigern. Der schwächere Volumenabsatz und negative Währungseffekte hinterliessen allerdings ihre Spuren.

Auch bei Syngenta trafen im Vorfeld grössere Schätzungsreduktionen ein. Auslöser waren zahlreiche Gewinnwarnungen anderer Zulieferunternehmen für die Landwirtschaft. Der Basler Agrarchemiehersteller übertrifft die konservativen Erwartungen beim Umsatz nun allerdings. Entgegen anders lautenden Befürchtungen halten die Verantwortlichen an den bisherigen Wachstumsprognosen fest.

Zur Stunde verliert die Aktie von Nestlé an der Schweizer Börse SIX 2,8 Prozent auf 65,05 Franken. Nach anfänglichen Kursavancen fällt auch die Aktie von Syngenta in altes Fahrwasser zurück und büsst 2,8 Prozent auf 275,70 Franken ein. Beobachter berichten in beiden Titeln von einem sehr regen und von institutionellen Marktteilnehmern bestimmten Handel.

Teilweises Aufatmen bei Syngenta

In einem Kommentar schreibt der für die UBS Investmentbank tätige Analyst, dass sich die Umsatzentwicklung im dritten Quartal mit den Erwartungen decke. Gewachsen sei allerdings vor allem das wenig rentable Geschäft mit Herbiziden. In Nordamerika sei der Absatz deutlich stärker als erwartet ausgefallen, nicht jedoch in Südamerika und in Europa.

Überraschend halte man bei Syngenta an den diesjährigen Wachstumsprognosen fest. Bei der EBITDA-Marge und beim freien Cash Flow krebse das Unternehmen jedoch zurück. In diesem Zusammenhang befürchtet der Analyst noch einmal negative Auswirkungen auf die Konsensschätzungen des Marktes. Er stuft die Aktie vorerst mit "Neutral" und einem Kursziel von 320 Franken ein.

Auch sein Berufskollege bei der Credit Suisse zeigt sich nicht sonderlich überzeugt vom Zahlenkranz. Der späte Start der Anbausaison in Südamerika und die Ungewissheit im Zusammenhang mit den Bestellungen in Nordamerika für das kommende Jahr hätten Spuren hinterlassen. Auf Stufe EBITDA rechnet der Analyst bei den Konsensschätzungen mit einem Abwärtspotenzial von 3 Prozent. Dennoch hält er vorerst an seiner "Outperform" lautenden Kaufempfehlung sowie am Kursziel von 350 Franken fest.

Bei der britischen Liberium rechnet man aufgrund des schwächer als erwarteten Absatzes im hochmargigen Saatgutgeschäft mit negativen Folgen für die Margenentwicklung. Im gleichen Atemzug wird im Kommentar allerdings darauf hingewiesen, dass die Bewertung der mit einem Kursziel von 400 Franken zum Kauf empfohlenen Aktie unter jene des Schweizer Aktienmarktes gefallen ist.

Licht und Schatten bei Nestlé

Gemäss dem für die Zürcher Kantonalbank tätigen Analysten ist die Umsatzentwicklung der ersten neun Monate wegen eines stärker als erwarteten negativen Währungseffekts und eines leicht schwächeren organischen Wachstums hinter den Konsenserwartungen zurückgeblieben. Das Mengenwachstum sei unter dem Konsens ausgefallen und habe sich verglichen mit der ersten Jahreshälfte deutlich verlangsamt.

Im Konkurrenzvergleich mache Nestlé beim organischen Wachstum jedoch keine schlechte Figur, seien Danone oder das Aromengeschäft von Givaudan doch schwächer gewachsen. Angesichts des schwierigen Umfelds sei der Ausblick für ihn etwas überraschend bestätigt worden, so der Analyst. Er rechnet nicht mit grösseren Gewinnanpassungen und stuft die Aktie von Nestlé unverändert mit "Übergewichten" ein.

Der Analyst der UBS Investmentbank bezeichnet die Absatzentwicklung im Geschäft mit Milchprodukten und Tierfutter als enttäuschend. Ausserdem sei es gefährlich und falsch, das Wachstum der letzten Jahre in den Schwellenländern in die Zukunft zu extrapolieren. Darüber hinaus sei die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr im laufenden vierten Quartal hoch, was gegen eine Wachstumsbeschleunigung spreche. Das Anlageurteil lautet deshalb unverändert "Neutral" und das 12-Monats-Kursziel 66,50 Franken.

Bei der Bank J. Safra Sarasin wird der Zwischenbericht für die ersten neun Monate als mässig bezeichnet. Die Markterwartungen seien auf breiter Front verfehlt worden, nicht zuletzt aufgrund negativer Währungseffekte. Immerhin sei die diesjährige Wachstumsprognose bestätigt worden, obschon das damit verbundene Enttäuschungspotenzial gestiegen sei. Der verantwortliche Analyst stuft die Aktie weiterhin nur mit "Neutral" ein.