Anastassios Frangulidis - Darum wird die Schweizer Börse weiter im Vorteil sein

Trotz bereits guter Leistung in diesem Jahr steht die Schweizer Börse gegenüber anderen Märkten weiterhin gut da, sagt Chefstratege Anastassios Frangulidis im cash-Börsen-Talk. Grund dafür ist vor allem ein Faktor.
14.03.2019 23:00
Von Ivo Ruch
Anastassios Frangulidis ist Chefstratege bei Pictet Asset Management in Zürich.
Bild: cash

"Der Schweizer Aktienmarkt war in Bezug auf die Gewinnentwicklung und in Bezug auf den Gewinnausblick in diesem Jahr deutlich besser als andere Märkte", sagt Anastassios Frangulidis, Chefstratege bei der Privatbank Pictet, im cash-Börsen-Talk. Während in den USA in den letzten Monaten die Erwartungen an das Gewinnwachstum von 11 auf 4 Prozent zurückgekommen sind, ist dieses Wachstum für die Schweiz laut dem Pictet-Experten bei 12 Prozent stabil geblieben.

Dafür sind in erster Linie zwei Firmen verantwortlich: Nestlé und Roche. Sie haben gute Zahlen für das vierte Quartal 2018 vorgelegt, sowie bezüglich Gewinnentwicklung und Ausblick positiv überrascht (mehr zu diesen Jahreszahlen erfahren Sie hier und hier). Aufgrund ihrer starken Gewichtung von zusammen fast 40 Prozent haben diese beiden Unternehmen den gesamten Schweizer Markt stabilisiert. "Im zyklischen Bereich des Marktes, bei Richemont, Swatch oder ABB, gab es einen viel vorsichtigeren Ausblick", so Frangulidis.

Dass die Schweizer Börse schon seit geraumer Zeit von ihrem defensiven Charakter profitiert, zeigt auch der Vergleich mit ausländischen Handelsplätzen. So sind Swiss Market Index (SMI) und Swiss Performance Index (SPI) nicht nur im laufenden Jahr unter den weltweit besten Börsenbarometern. Mit Blick auf die letzten 52 Wochen schlagen sie Dow Jones, DAX oder Nikkei gar noch deutlicher.

Wichtige Börsenindizes

Index Performance 2019, in % Perf. 52 Wochen, in %
SPI +13,4 +7,7
CAC 40 +12,5 +1,0
S&P 500 +12,1 +2,3
SMI +11,7 +6,0
Hang Seng +11,6 -8,5
Dow Jones +10,2 +3,3
DAX +9,4 -6,5
FTSE 100 +6,8 +0,7
Nikkei +6,4 -2,4

Quelle: cash.ch (Stand 14.03.2019)

"In Zeiten, wo die konjunkturellen Kräfte schwächer werden und die Gewinnerwartungen zum schlechteren revidiert werden, ist der Schweizer Markt meistens der relative Gewinner", sagt Anlageexperte Frangulidis. "Das haben wir in der zweiten Hälfte 2018 gesehen, und das werden wir weiterhin sehen".

Am Donnerstag erreichte der SMI mit 9446 Punkten den höchsten Stand im laufenden Jahr. Hier zeigt sich die grosse Bedeutung der schwergewichtigen Aktien erneut: Von den gut 1000 Punkten, die der Leitindex dazugewinnen konnte, stammen die Hälfte von Nestlé (cash berichtete). Der Nahrungsmittelhersteller markiert übrigens fast täglich ein neues Allzeithoch. Doch ist unter diesen Vorzeichen die Aussicht auf weitere Kurssteigerungen nicht begrenzt?

Vieles schon eingepreist

Marktbeobachter gehen davon aus, dass sehr viel Positives in den aktuellen Kursen bereits eingepreist ist, vor allem auch was die Geldpolitik der Notenbanken betrifft. Die amerikanische Fed hat mit ihrem Stopp bei den Zinserhöhungen und dem Bilanzabbau die jetzige Börsenhausse überhaupt erst ausgelöst. Weitere Stimulierungsmassnahmen sind schwerlich vorstellbar.

Laut Anastassios Frangulidis bräuchte es deshalb erste Zeichen einer Verbesserung der globalen und dann auch europäischen Konjunktur, um noch höhere Preise zu erreichen. Das ist momentan aber noch nicht der Fall. Ersichtlich sei erst "eine Verlangsamung der Verschlechterung ausserhalb der USA". Auch die Schweizer Wirtschaft dürfte laut den Ökonomen des Bundes 2019 nicht mehr so rund laufen wie zuletzt.

Welches sind die grössten globalen Risiken - und fordert die Konjunkturdelle noch weitere Stellenkürzungen wie jene bei Rieter? Die Antworten darauf erfahren Sie ebenfalls im cash-Börsen-Talk.