André Frei im Video-Interview - Partners Group plagen keine Zinsängste

Partners Group ist die beste Schweizer Finanzaktie der letzten Jahre. Der Vermögensverwalter sieht sein Geschäftsmodell durch eine veränderte Zinslandschaft nicht bedroht, wie CEO André Frei im cash-Video-Interview sagt.
21.03.2017 13:52
André Frei, Co-CEO Partners Group, im cash-Video-Interview an der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Bild: cash

Es gibt kein erfolgreicheres Schweizer Finanzunternehmen in den letzten Jahren als den Vermögensverwalter Partners Group, zumindet was die Aktienkursentwicklung betrifft. Seit dem Börsentiefstand im Frühling 2009 hat die Aktie von Partners Group fast 800 Prozent zugelegt. Die Börsenkapitalisierung des Unternehmens aus Baar (ZG) entspricht mit 14 Milliarden Franken mittlerweile fast der Hälfte des Marktwertes der Credit Suisse (31 Milliarden). Partners Group ist gemessen an der Marktkapitalisierung die weltweit zweitgrösste Wagniskapitalgesellschaft nach der amerikanischen Private-Equity-Gruppe Blackstone.

Partners Group profitierte in den letzten Jahren vom Tiefzinsniveau beziehungsweise von institutionellen Kunden und vermögenden Privatanlegern, die im allgemeinen Anlagenotstand neue Investitionsmöglichkeiten suchten. Partners Group investiert die Kundengelder abseits der Börsen in Infrastrukturgebiete, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) und Unternehmensdarlehen (Private Debt) und erzielte in den letzten Jahren namhafte Renditen.

Angst, dass steigende Zinsen dem Erfolgsmodell von Partners Group abträglich sein könnten, hat Co-CEO André Frei keine. "Unsere Hausmeinung ist die, dass die Zinsen ansteigen werden, allerdings nur leicht, und dass es ein moderates Wirtschaftswachstum gibt", sagt er im cash-Video-Interview im Anschluss an die Jahresmedienkonferenz in Zürich.

Ein "adverses Szenario" erachtet Frei als nicht sehr wahrscheinlich. Ex-UBS-CEO Peter Wuffli, seit 2014 Verwaltungsratspräsident von Partners Group, sagt an der Medienorientierung, dass sich die Welt deutlich höhere Zinsen gar nicht leisten könne. Immerhin will Partners Group "die Investitionen, die wir tätigen, auch so ausrichten, dass sie einen deutlicheren Zinsanstieg überleben würden", sagt Frei zu cash.

Anlagen in Privatmarktinvestments sind in der Regel mindestens zehn Jahre gebunden, was Partners Group kontinuierliche Kommissionen einbringt. Der Aufwand für die einzelnen Investments ist sehr hoch. Im letzten Jahr schaute sich Partners Group 3794 Anlagemöglichkeiten an, investiert wurde dann lediglich in 74 Anlagen.

Dividende wird kräftig erhöht

Die Erträge im letzten Jahr erhöhten sich um 57 Prozent auf 973 Millionen Franken, der Betriebsgewinn nahm unter anderem aufgrund des starken Anstiegs der Performance Fees um 63 Prozent auf 601 Millionen Franken zu. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 558 Millionen Franken, was einem Anstieg um 41 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Der Personalbestand wuchs in einem Jahr auf 930 von 840, ein Drittel davon arbeitet in der Schweiz. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 15 Franken erhalten, nach 10,50 Franken im Vorjahr. 

Von der Dividendenerhöhung profitieren in erster Linie auch die Firmengründer Marcel Erni, Alfred Gantner und Urs Wietlisbach, die je 10 Prozent am Unternehmen halten, was sie zu Milliardären macht. Auch zahlreiche Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt. 

Die kräftige Dividendenerhöhung wird am Markt als Zeichen für das Vertrauen des Unternehmens in die eigenen Gewinnaussichten gesehen. "Wir hoffen, dass die Dividende weiter erhöht werden kann. Aber es gibt keine fixen Vorgaben, was wir erreichen sollten", sagt Frei befragt zur Dividendenentwicklung bei Partners Group. Die Dividendenrendite der Aktie beträgt derzeit etwa 3 Prozent, was solide, aber nicht überragend ist.

Über den weiteren Verlauf der Aktie von Partners Group gehen die Meinung auseinander. "Mangels wachstumsträchtiger Alternativen in diesem Sektor dürfte die Aktie auch weiterhin den breiten Schweizer Markt hinter sich lassen", schreibt die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar.  Mit einem KGV von 22 für 2018 sei die Aktie angesichts des verlässlichen Gewinnwachstums zwar kein Schnäppchen mehr, "aber auch noch nicht überteuert." Auch die Bank Vontobel bleibt bei ihrer Kaufempfehlung und kündigt eine Erhöhung des Kursziels an.

Für Baader Helvea sind  "die gesunden, hochqualitativen Wachstumsaussichten aber ausreichend im Aktienkurs berücksichtigt", weshalb der zuständige Analyst die Aktie mit "Hold'" einstuft. 

Im cash-Video-Interview äussert sich André Frei auch zu Investitionsmöglichkeiten in US-Infrastuktur in der Trump-Ära und zur Tatsache, dass in der zwölfköpfigen Geschäftsleitung von Partners Gruoup ausschliesslich Schweizer sitzen.