Angebotsfrist läuft aus - Wer will was von Air Berlin?

Heute um 14 Uhr wird es ernst bei Air Berlin. Dann endet die Frist für Interessenten, die die insolvente Fluggesellschaft als Ganzes übernehmen oder Teile davon kaufen wollen.
15.09.2017 12:41
Ein Passagierflugzeug der Air Berlin startet vom Flughafen Berlin Tegel (Aug. 2017).
Ein Passagierflugzeug der Air Berlin startet vom Flughafen Berlin Tegel (Aug. 2017).
Bild: Bloomberg

Der Gläubigerausschuss trifft sich am 21. September, endgültige Entscheidungen sollen dann am 25. September fallen. Derzeit kann Air Berlin nur dank eines staatlichen Kredits über 150 Millionen Euro weiterfliegen. Wegen sinkender Buchungen und abtrünniger Kunden drängt die Zeit, rasch neue Eigentümer zu finden. Es folgt eine Übersicht über Interessenten:

LUFTHANSA

Der deutsche Branchenprimus hat frühzeitig den Finger für grosse Teile Air Berlins gehoben. Schon seit dem Frühjahr - und damit weit vor der Insolvenz - gibt es Gespräche mit den Berlinern. Die Lufthansa gilt auch als Favorit der Politik, was Konkurrenten wie die irische Ryanair heftig kritisieren. Insidern zufolge wird Lufthansa ein Angebot für 70 bis 90 Maschinen abgeben. Darin eingeschlossen sind bereits die 38 Flugzeuge, die Lufthansa von Air Berlin für seine Billig-Tochter Eurowings und die Austrian Airlines gemietet hat. Für attraktiv hält die Lufthansa vor allem Start- und Landerechte in Berlin, Düsseldorf und Mallorca. In einem ersten Konzept hatte die grösste deutsche Fluggesellschaft im August ein Gebot über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag für die Air Berlin-Tochter Niki und weitere Flugzeuge eingereicht.

EASYJET

Die britische Billigfluglinie hält sich nach aussen bedeckt. Easyjet schliesst 2018 seine Basis in Hamburg und will sich offensichtlich auf Berlin konzentrieren. Insidern zufolge könnte Easyjet an mehreren Dutzend Flugzeugen interessiert sein.

BRITISH AIRWAYS

Auch British Airways äussert sich nicht offiziell zum Interesse an Air Berlin. Die British-Airways-Mutter IAG gehört aber nach Ansicht von Branchenexperten und Analysten zusammen mit der Lufthansa zu jenen Airlines in Europa, die am ehesten eine grosse Übernahme stemmen können.

CONDOR/NIKI LAUDA

Die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook bestätigt, man sei zusammen mit Condor bereit, eine aktive Rolle bei der Restrukturierung von Air Berlin und deren Tochter Niki zu spielen. Der Unternehmer Niki Lauda will nach eigenen Worten zusammen mit Thomas Cook und Condor "um die 100 Millionen" Euro für Teile von Air Berlin bieten. Zwei Insider aus dem Umfeld von Condor sagten hingegen, dass man noch kein gemeinsames Angebot abgegeben habe. Eine Lauda-Sprecherin betonte am Freitag: "Es wird definitiv ein gemeinsames Angebot von Niki Lauda und Thomas Cook geben, die Höhe des Angebots ist noch unklar."

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister ist an der Übernahme der von ihm gegründeten Air-Berlin-Tochter Niki interessiert und an weiteren Flugzeugen. Lauda will nach eigenen Worten an einem Konsortium mit Thomas Cook und Condor 51 Prozent der Anteile halten. Angepeilt sind touristische Ziele - vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke.

HANS RUDOLF WÖHRL

Der Unternehmer bietet bis zu eine halbe Milliarde Euro für Air Berlin. Seine Firma Intro will zusammen mit Investoren oder zusammen mit anderen Fluggesellschaften die insolvente Airline übernehmen. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro wäre am Übernahmetag fällig, weitere Tranchen von bis zu 450 Millionen Euro macht Wöhrl aber vom Ergebnis abhängig. Kritiker halten sein Angebot deshalb für eine Mogelpackung. Der Unternehmer hat zudem nicht im Datenraum die aktuellen Zahlen von Air Berlin angeschaut, aber trotzdem bereits sein Angebot abgegeben.

LINK GLOBAL LOGISTICS

Die Betreiber-Gesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg Vorpommern, Link Global Logistics, erwägt laut Insidern eine Offerte für Air Berlin. Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang würde bei einer erfolgreichen Übernahme eine Kooperation seiner Logistikfirma mit der Fluggesellschaft ausloten. Dazu könnten auch Air-Berlin-Flugzeuge nach Parchim verlegt werden. Pang hatte 2007 den ehemaligen Militärflughafen in Parchim gekauft, rund 160 Kilometer nordwestlich von Berlin. Das EU-Recht sieht allerdings vor, dass die Mehrheit des Eigentums und die Kontrolle der Airline von Europäern gehalten wird.

ZEITFRACHT

Das Berliner Logistikunternehmen nimmt im Datenraum die Zahlen von Air Berlin unter die Lupe. Wie ein Angebot von Zeitfracht mit seinen rund 800 Beschäftigten für die Fluggesellschaft mit 8000 Mitarbeitern aussehen könnte, verrät Geschäftsführer Wolfram Simon nicht. Er sieht vor allem Wachstumschancen in der Fracht-Sparte. Für den Passagierbereich sollen Kooperationen sondiert werden.

UTZ CLAASSEN

Der ehemalige Energie-Topmanager interessiert sich einem Medienbericht zufolge auch für Air Berlin. Offiziell will er sich dazu aber nicht äussern. Das "Handelsblatt" berichtete, Claassen habe ein 17-seitiges "Angebot zur Komplettübernahme und expansiven Sanierung der Air Berlin" vorgelegt. Demnach biete der Manager einen Kaufpreis von 100 Millionen Euro und wolle bis zu 600 Millionen Euro zusätzlich an Liquidität zur Verfügung stellen. Die Namen der beteiligten Investoren aus den USA, Grossbritannien, Singapur und Deutschland benenne er darin nicht, so das Blatt weiter. Claassen verspreche die Übernahme der gesamten Belegschaft "unter der Voraussetzung angemessener wettbewerbsgerechter Vergütungsstrukturen".

(Reuters)