Angeschlagener Stahlkonzern - S+B-Aktie reagiert mit Kurssprung auf die Rettung

Die Einigung der beiden Hauptaktionäre auf ein Rettungspaket beschert der Aktie von Schmolz+Bickenbach ein Kursfeuerwerk. Doch der angeschlagene Stahlkonzern ist noch nicht aus dem Schneider.
03.12.2019 15:39
Von Lorenz Burkhalter
Viktor Vekselberg am St. Petersburg International Economic Forum.
Viktor Vekselberg am St. Petersburg International Economic Forum.
Bild: Bloomberg

Es war ein Einlenken in allerletzter Minute: Weil der Amag-Erbe Martin Haefner und die von Viktor Vekselberg kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Liwet noch verhandelten, begann die ausserordentliche Generalversammlung rund um die Rettung von Schmolz+Bickenbach (S+B) am Montagnachmittag eine Stunde später als geplant. Am Ende einigten sich die beiden grössten Aktionäre allerdings und schufen so die Voraussetzungen für eine Sanierung des angeschlagenen Stahlkonzerns.

Dass auch die übrigen Aktionäre der 325 Millionen Franken schweren Kapitalerhöhung ihren Segen erteilten, war dann bloss noch reine Formsache. Die Zustimmung lag bei deutlichen 79,3 Prozent. Im Zuge der Kapitalerhöhung will Martin Haefner seinen Stimmenanteil von derzeit 17,5 auf 37,5 Prozent ausbauen.

Die S+B-Aktie legt am Dienstag kräftig zu. Nach einem Vorstoss auf 0,30 Franken gewinnt sie zur Stunde noch 19,5 Prozent auf 0,26 Franken.

Es bleibt ein holpriger Weg

Da die neu auszugebenden Aktien zwischen 0,20 und 0,30 Franken ausgegeben werden sollen, rechnen Händler nicht mit Kursen über 0,30 Franken.

Nun ist aber erst einmal die Finma an der Reihe. Ihr liegt seitens des Stahlkonzerns ein Rekurs gegen einen Entscheid der Übernahmekommission UEK vor. Diese will Haefner nicht von der Angebotspflicht an die übrigen Aktionäre befreien, sollte sein Stimmenanteil wie geplant über die Ein-Drittel-Schwelle steigen. So richtig aufatmen können die Aktionäre von S+B erst dann, wenn die Finma den Rekurs gutheisst. Der Entscheid wird für den 9. Dezember erwartet.

Doch auch dann erwartet den angeschlagenen Stahlkonzern ein langwieriger Turnaround. An der ausserordentlichen Generalversammlung zeichnete Verwaltungsratspräsident Jens Alder ein eher düsteres Bild von der Lage des Unternehmens. Er bereitete die anwesenden Aktionäre darauf vor, dass bei der Sanierung ein langer Atem gefordert sei.

Wie die Zürcher Kantonalbank schreibt, sei mit der genehmigten Kapitalerhöhung ein wichtiger Schritt zur finanziellen Sanierung erreicht worden. Da die Frage, ob die Finma die Grossaktionäre von der Pflicht zur Abgabe eines Übernahmeangebots bei der geplanten Kapitalerhöhung befreit, noch offen ist, stuft sie die Aktie wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" ein. 

Es ist bei weitem nicht die erste Sanierung von S+B. In der Vergangenheit mussten die Aktionäre dem Stahlkonzern mehr als einmal mit einer Kapitalspritze aus der Patsche helfen. Das hinterliess auch Spuren bei der Aktienkursentwicklung. In den letzten 10 Jahren büsste die S+B-Aktie mehr als 90 Prozent ein. Alleine im laufenden Jahr erfuhr ihr Kurs eine Halbierung.

 

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