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Angriff auf ein neues SMI-Allzeithoch

cash-Guru Alfred Herbert traut dem Swiss Market Index in den nächsten Monaten noch einiges zu, wie er im cash-Börsen-Talk sagt. Zum Allzeithoch fehlen dem SMI noch etwas mehr als fünf Prozent.
27.02.2015 01:00
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk, aufgenommen an seinem Wohnort Rapperswil-Jona.
Bild: cash
Der Swiss Market Index hat in seiner Aufholjagd nach dem SNB-Schock einen weiteren wichtigen Schritt hinter sich. Am Donnerstag übersprang der Schweizer Leitindex die Marke von 9000 Punkten recht deutlich. Damit hat der Index seit der Aufhebung der Kursuntergrenze durch die SNB Mitte Januar über 12 Prozent zugelegt. Nach dem SNB-Schritt war der SMI an zwei Tagen 15 Prozent in den Keller gerasselt.
 
Die rasante Aufholjagd erstaunt auch Börsenprofis: "Eigentlich hätte man zwischendurch eine Korrektur erwarten können", sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Der Anstieg der Schweizer Aktien, die auch begünstigt wird vom sich weiter abschwächenden Franken, ist indes keine Ausnahme. An allen wichtigen Börsenplätzen herrscht wieder mal Party. In Deutschland, England, in den USA: Überall klettern die entsprechenden Leitindizes derzeit auf Rekordstände.
 
Zentralbank pumpen weiter
 
"Es ist halt so, dass weiterhin billiges Geld der Zentralbanken in den Markt fliesst", begründet Herbert die jüngste Rally an den Börsen. Hintergrund: Am 22. Januar hatte die EZB in einer historischen Entscheidung angekündigt, in den Grossankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren einzusteigen. Pro Monat will die EZB Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro erwerben. Weil die Käufe bis mindestens September 2016 laufen sollen, ergibt das eine Gesamtsumme von mehr als einer Billion Euro. 
 
Herbert traut dem SMI noch einiges zu: "Ich glaube, dass der SMI in den nächsten Monaten ein Allzeithoch erreichen kann. Ich habe mit vielen Tradern geredet, und die sind alle 'à la hausse' gestimmt." Das SMI-Rekordhoch - erreicht am 29. Juni 2007 bei 9531 Punkten - wurde schon vor ein paar Wochen fast geknackt. Just vor dem Ende der SNB-Kursuntergrenze wurde der SMI bei knapp 9300 Punkten aber jäh abgebremst.
 
Märkte unbeeindruckt von Hellas
 
Kaum ein Thema in den letzten Wochen war bei den Anlegern das Thema Griechenland. Athen hatte sich in dieser Woche mit seinen Euro-Partnern auf eine Verlängerung der staatlichen Milliardenhilfen geeinigt. "Mit dieser Zwischenlösung ist die Zündschnur wieder etwas verlängert worden. Dann wollen die Leute in der Regel meistens nichts mehr wissen vom Thema", so Herbert. "Aber das Thema Griechenland wird wohl mit aller Vehemenz zurückkehren", mutmasst der cash-Guru.
 
Die Gelassenheit der Märkte gegenüber Griechenland ist vor dem Hintergrund zu erklären, dass heute mittlerweile Strukturen geschaffen wurden, das schuldegeplagte Land einfacher aus der Eurozone zu befördern. Dazu kommt, dass Griechenlands Gläubiger heute vor allem andere Staaten sind und nicht mehr wie vor einigen Jahren Banken, die aufgrund einer Staatspleite Griechenlands zusammenbrechen könnten.
 
Wohin treibt der Franken?
 
Kaum ein Thema war Griechenland auch für den Wechselkurs Euro/Franken. Dieser hat mittlerweile - zum Erstaunen vieler Devisenprofis - ein Niveau von bis 1,08 Franken pro Euro erreicht. "Die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank trugen bestimmt zu einer Entschärfung der Lage rund um den Franken bei. Dieser hat einiges von seiner Festigkeit verloren", sagt Herbert im Börsen-Talk.
 
Euro-Kurse auf Niveau der Parität zum Franken oder sogar darunter seien aber noch immer sehr gut möglich, so Herbert. Denn beim Start des EZB-Anleihekaufprogramms am nächsten Montag werden massenhaft Euros auf den Markt geworfen.
 
Ein Hinweis, dass der Franken demnächst durchaus wieder aufwerten könnte, liefert der Kursverlauf seit einer Woche. Während dieser Zeit verharrte die Schweizer Währung zum Euro in einer Handelsspanne von 1,07 und 1,08 und wertete sich nicht mehr gross ab. Dies nachdem der Franken seit dem 23. Januar von einem Niveau von 99 Rappen pro Euro kontinuierlich zur Einheitswährung verloren hatte.
 
Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zu Merkmalen, die man bei der Wahl von Dividendenaktien beachten sollte.