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Anlagechef Stephen Jones - «Bankaktien werden weiter enttäuschen»

Der britische Anlagespezialist Stephen Jones ist ernüchtert vom Aktienkurs der UBS. Welche Investments er derzeit bevorzugt und welche Rolle dabei Italien spielt, sagt er im cash-Börsen-Talk.
05.10.2018 00:16
Von Ivo Ruch
Stephen Jones ist Chief Investment Officer beim schottischen Vermögensverwalter Kames Capital.
Bild: cash

Nein, mit Bankaktien gewinnt man Stephen Jones nicht mehr. Der Anlagechef des schottischen Vermögensverwalters Kames Capital sieht zwar durchaus auch Positives an europäischen Finanzhäusern. Zum Beispiel verbesserte Kapitalausstattungen, attraktive Dividenden oder günstige Aktienbewertungen. Doch von ihren Aktien lässt er die Finger.

Denn es bestünden immer noch Zweifel, ob die europäischen Banken in der Lage seien, Gewinne und Wachstum zu erzeugen, sagt Jones im cash-Börsen-Talk: "Wir wurden von ihrer Performance enttäuscht und das wird leider anhalten. Ich kann europäische Bankaktien nicht empfehlen."

Das war vor drei Jahren noch anders. Angesprochen auf eine interessante Schweizer Aktie nannte Stephen Jones damals die UBS. Doch mit Blick auf den Aktienkurs muss man feststellen, dass die grösste Schweizer Bank das Investorenvertrauen noch nicht vollends zurückerlangt hat. Der Börsenwert beträgt heute 17 Prozent weniger als vor drei Jahren, im laufenden Jahr steht die UBS-Aktie 15 Prozent im Minus.

Kaum Gewinne: die UBS-Aktie in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

"Die UBS ist ein Beispiel für das schwierige Umfeld von Bankaktien, das sich noch nicht ändern wird", so Jones weiter. Das Geld sollte seiner Meinung nach derzeit eher nach Japan fliessen. Japanische Aktien haben in der Tat einen Lauf. Der Leitindex Nikkei kommt in den letzten drei Monaten auf ein Plus von 8 Prozent und ist unlängst auf den höchsten Stand seit 27 Jahren geklettert.

Angetrieben von der lockeren Geldpolitik der Notenbank und der schwächeren Währung generieren Japans Firmen ein ansehnliches Gewinnwachstum. Zudem gelten im Vergleich zu Europa und vor allem den USA die Bewertungen von japanischen Aktien als attraktiv. Und auch die durchschnittlichen Dividendenrenditen von über 2 Prozent können überzeugen.

Tech-Aktien aus der zweiten Reihe

Als Zweites empfiehlt Stephen Jones amerikanische Technologieaktien, weil dort noch immer viel Gewinnwachstum vorhanden sei. Dieses Segment stellt schon seit längerem alle anderen Anlageklassen in den Schatten (cash berichtete). Doch Aktien wie Netflix (+96 Prozent), Amazon (+67 Prozent) oder Apple (+37 Prozent) sind im laufenden Jahr so stark gestiegen, dass immer mehr Beobachter vor einer Korrektur warnen. Auch laut den Analysten von Kames wird das Umfeld für die grossen Fünf (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Alphabet) rauer.

Sie schauen deshalb vermehrt auf US-Technologieaktien aus der zweiten Reihe: "Die Entwickler von neuen Technologien und Zulieferer für Services, auf denen Amazon oder Netflix basieren", sagt Stephen Jones im cash-Börsen-Talk. In den USA sind mehr als 600 Technologieaktien gelistet. Die Auswahl reicht von Staubsauger-Robotern über Halbleiter bis zu Internetspielen.

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In Europa steht derweil ein Thema über allen anderen: Die Budgetpläne der neuen italienischen Regierung. Die Regierung in Rom ist mit ihren Plänen für den Haushalt 2019 auf Konfrontationskurs mit den EU- und Euro-Partnern gegangen und hat damit auch unter Investoren für Nervosität gesorgt: Die Renditen auf zehnjährige italienische Staatsanleihen sprangen auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren, der Euro neigte deutlich zur Schwäche.

Allerdings bleibe das Problem in erster Linie ein italienisches, so Stephen Jones: "Andere Anleihenmärkte wie zum Beispiel in Spanien blieben davon mehrheitlich verschont". Verschwinden werde die Diskussion um italienische Budgetdisziplin aber nicht so schnell. "Denn Italiens Problem sind weniger die Ausgabenpläne, sondern die angehäufte Schuldenlast", sagt Jones. Das erwartete Wirtschaftswachstum werde diese nicht reduzieren können.

Im cash-Börsen-Talk sagt Stephen Jones auch, welche Anlageklasse ihn in diesem Jahr überrascht hat und was er vom Ölpreis erwartet.