Hügli meint

Anlagefonds vs ETF und Indexfonds - Stehen aktiv gemanagte Fonds vor einem Comeback?

Zu wenig Performance, zu hohe Kosten, Mittelabflüsse in dreistelliger Milliardenhöhe: Aktiv gemanagte Anlagefonds mussten in den letzten Jahren viel Prügel einstecken. Doch die Stimmung könnte nun kippen.
06.12.2017 23:40
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Was mussten sich Vermögensverwalter und Fondsmanager von Kunden nicht alles anhören: "Ihr gemanagter Fonds schlägt den Vergleichsindex nicht!"- "Zu hohe Gebühren für die Leistung, die Sie bieten!"- "Dann kauf' ich gleich einen ETF oder Indexfonds". Die Unmutsäusserungen enttäuschter Kunden aus dem Retailbereich, aber zunehmend auch unter Institutionellen Investoren wurden in den letzten Jahren immer lauter.

Die Beschwerden spiegelten sich auch immer deutlicher in nackten Zahlen. Das Jahr 2016 war geradezu ein "Annus horribilis" für die aktiven Fondshäuser, vor allem im Neugeschäft: Weltweit zogen Anleger fast 100 Milliarden Dollar aus aktiv gemanagten Fonds ab. Im gleichen Jahr flossen dagegen über 600 Milliarden Dollar an Neugeldern in Indexfonds.

Genährt zudem von Möglichkeiten des programmierten Anlegens mittels Robo-Advisern verglichen Beobachter die Fondsindustrie bereits mit Kodak. Lange Zeit unangefochtener Foto-Marktführer, ging das Unternehmen nach langem Siechtum 2012 Pleite, weil es die Zeichen der Digitalisierung hartnäckig verleugnet hatte.

Klar, auf der Vermögensverwaltungsindustrie lastet ein grosser Druck. Kunden verlangen nach variablen Pricing-Modellen und günstigeren Fonds. Diese müssen unbedingt Outperformance zeigen, damit überhaupt noch Managementgebühren verlangt werden können. Druck kommt auch von der Regulierung, Mifid II lässt grüssen.

Doch gemach: Der Industrie der aktiv verwalteten Fonds geht es nach wie vor gut bis sehr gut. Das zeigt auch die Entwicklung der grösseren Schweizer Asset Manager in den letzten Jahren. Dazu verzeichneten die aktiv verwalteten Fonds gerade im Jahr 2017 ziemlich überraschend wieder vermehrt Mittelflüsse, wie Zahlen der letzten Monate belegen. Warum dem so ist, darüber herrscht in der Branche etwas Verwunderung.

Über die Gründe zu sinnieren ist auch nebensächlich, der kurzfristige Aufschwung könnte auch wieder verpuffen. Wichtiger für die Fondsindustrie ist der mittel- und langfristige Trend. Fakt ist: Viele Anleger kamen in den letzten acht Jahren an den Aktien- oder Bondmärkten quasi im Schlaf zu viel Geld. Da reichten Investitionen in Indexfonds oder in ETF. Die boomenden Märkte machten dagegen den Managern der Anlagefonds das Leben schwer. Es wurde schwieriger, gegenüber satt steigenden Vergleichsindizes mit dem eigenen Fonds eine Outperformance zu erzielen.

Doch der Superzyklus an den Märkten, der seit 2009 wegen der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken noch immer andauert, wird zweifellos ein Ende haben. Bereits im nächsten Jahr wird die Volatilität an den Märkten, die in diesem Jahr auf ein Jahrzehntetief abgesackt ist, gemäss Experten zunehmen. Steigende Inflation und Zinsängste werden früher oder später die Investoren nervöser machen. Sie werden sehen, dass das Geld, anders als in den Jahren zuvor, nicht mehr automatisch zu ihnen fliesst.

Dann können und müssen die Fondsexperten ihre Expertise unter Beweis stellen. Und dann werden die Kunden in schwieriger gewordenen Märkten Leistung auch wieder mit Gebühren vergelten. Die Fondsindustrie könnte in den nächsten Jahren also durchaus ihr Comeback feiern.