Anlagen - Deutschlands bester Aktienfonds setzt 2020 auf IT und Versicherer

Bits and Bytes statt Fabrikhallen: So lässt sich das Erfolgsrezept von Deutschlands bestem Aktienfonds im Jahr 2019 zusammenfassen. Die Fondsmanager glauben weiter an kleinere Aktien und an ihren Stockpicking-Ansatz.
10.12.2019 10:00
Hauptsitz von Munich Re in München. Der "DWS Concept Platow" hält Aktien des deutschen Rückversicherers.
Hauptsitz von Munich Re in München. Der "DWS Concept Platow" hält Aktien des deutschen Rückversicherers.
Bild: © Munich Re

Die Fondsmanager des "DWS Concept Platow" haben dem produzierenden Gewerbe des Landes in diesem Jahr den Rücken gekehrt und stattdessen lieber auf Aktien aus den Bereichen Software, IT und Versicherungen gesetzt. Dadurch hat der Fonds die Konkurrenz in diesem Jahr auf Abstand gehalten - und will das 2020 mit der gleichen Strategie so fortsetzen.

Der Fonds hält fast die Hälfte seiner 222 Millionen Euro in kleineren Titeln aus den genannten Branchen, darunter die IT-Firmen Cancom und Datagroup sowie die Rückversicherer Talanx und Hannover Re. Das hat sich ausgezahlt: Mit 41 Prozent führt er die Rangliste der gut 60 Investmentfonds, die überwiegend in Aktien aus Deutschland investieren, für dieses Jahr an.

Die beiden Manager des Fonds, Christoph Frank und Roger Peeters, suchen nach profitablen Unternehmen, welche auf Basis von Kurs/Gewinn- und Kurs/Buch-Verhältnissen moderat bewertet sind. Zudem sollte das Management ein Geschäftsmodell verfolgen, das durch Markteintrittsbarrieren abgeschirmt ist und eine gewisse Preismacht erlaubt.

Zum Erfolg trug auch der rechtzeitige Ausstieg aus Zyklikern bei. Aktien von Unternehmen wie dem Staplerhersteller Jungheinrich oder dem Maschinenbauer Dürr haben sie im Laufe des Jahres rechtzeitig verkauft, bevor eine Welle von Gewinnwarnungen durch das Land fegte. Die Erlöse steckten sie in Aktien wie Talanx, Hannover Re und Munich Re.

Banken ein No-Go

"Sektorrotation als Folge unseres Stockpicking-Ansatzes hat dieses Jahr extrem gut geklappt", sagte Peeters im Interview mit Bloomberg. Die Manager, einem breiteren Publikum noch aus ihrer Tätigkeit beim Informationsdienst Platow bekannt, halten “seit Jahren” keine Banken oder Versorger. Im Automobilbereich beschränken sie sich derzeit auf eine kleinere Position in der Volkswagen.

Kleinere Werte, ein zahlengetriebener Investmentansatz unterstützt durch Relative-Stärke-Indikatoren sowie der Verzicht auf Absicherungsgeschäfte haben geholfen, die Konkurrenz in Schach zu halten, so die Fondsverwalter.

Ihr Fonds liegt 2019 bisher über zehn Prozentpunkte vor seinem schärfsten Rivalen, dem "DWS German Small/Mid Cap". Der Concept Platow trägt zwar auch die DWS im Namen, die Deutsche-Bank-Tochter vertreibt den Fonds jedoch lediglich und passt auf, dass die Anlageregeln eingehalten werden. Die Investmententscheidungen treffen Frank und Peeters.

"Wir glauben an Stockpicking"

Obwohl dem Fonds die Anlage in Aktien aller Größen offen steht, sind oft weniger bekannte Papiere Ergebnis des Auswahlprozesses, und oftmals Werte aus derselben Branche, so die Fonds-Manager. Unternehmergeführte Häuser machen oft einen großen Teil des Portfolios aus, ebenso wie Unternehmen aus dem börsennotierten Mittelstand.

Der Fonds bleibt typischerweise investiert, auch wenn die Aktienmärkte fallen: Zu den verpassten Chancen einer womöglich zügigen Erholung kämen stets die Kosten der Absicherung dazu. Dann sei es schwer, die Konkurrenz abzuhängen, sagt Fondsmanager Frank. "Wir glauben an Stockpicking und wir schauen uns das komplette Universum an deutschen Aktien an", sagte Frank, aber "wir glauben nicht an Market Timing".

So hatte der Fonds auch überproportional verloren, als es Ende 2018 am deutschen Aktienmarkt zügig bergab ging. Ein Teil der Outperformance in 2019 resultierte daher auch aus der darauf folgenden Erholung, die der Fonds ebenso wie die kurze Baisse voll mitgemacht hat.

“Wir entscheiden überwiegend aufgrund von Kennzahlen, aber wir sprechen auch viel mit dem Management unserer Unternehmen”, sagt Peeters. Im November allein hätten beide 82 persönliche Gespräche mit Unternehmensvertretern geführt - überwiegend mit Vorständen.

(Bloomberg)

 

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