Anlegen in Aktien  - Auf Firmen mit Aktienrückkäufen setzen?

Sitzen börsenkotierte Unternehmen auf zu viel Bargeld, kaufen sie häufig eigene Aktien zurück. Dies wirkt sich grundsätzlich positiv auf den Aktienkurs aus. Doch nicht immer lohnt sich ein Kauf der entsprechenden Aktie.
10.05.2017 08:15
Von Pascal Züger
Novartis will im Jahr Aktien im Wert von bis zu 5 Milliarden Dollar zurück kaufen.
Novartis will im Jahr Aktien im Wert von bis zu 5 Milliarden Dollar zurück kaufen.
Bild: Bloomberg

Unternehmen kaufen derzeit auffallend häufig Aktien von den Investoren zurück. Gemäss Schätzungen von Goldman Sachs waren Aktienrückkäufe am breit gefassten US-Index S&P 500 für 10 Prozent der gesamten Aktiennachfrage der letzten Jahre verantwortlich. Eine Trendumkehr ist nicht absehbar.

Dieser Trend hat damit zu tun, dass viele börsenkotierte Firmen auf hohen Geldreserven sitzen und Wege suchen, diese abzubauen. Nebenbei pflegen sie mit dem Rückkauf auch gleich den eigenen Aktienkurs, da dies zu einer "Gewinnverdichtung" führt: Aktien werden vernichtet, so dass sich der Gewinn pro Aktie – auf englisch "Earnings per Share" (EPS) - erhöht. Auch die Dividende pro Aktie wird dadurch höher.

All dies erhöht in der Regel die Nachfrage nach dem Titel und führt zu einem höheren Aktienkurs. "Grundsätzlich sind Aktienrückkäufe ein positives Signal der Firmen. Sie haben sehr viel Geld erwirtschaftet und denken daran, den Aktionären etwas zurückzugeben", sagt Thomas Della Casa, Anlagechef der Neuen Helvetischen Bank.

Aktienrückkäufe aufgrund der Alternativlosigkeit

Aber wäre es nicht besser, wenn die Firmen die freien Mittel anderweitig verwendeten? Neben einer Dividendenausschüttung, die ebenfalls unmittelbar den Aktionären zu Gute kommt, wären statt Aktienrückkäufen auch andere potenziell wertvermehrende Investments denkbar: Zum Beispiel die Akquisition von anderen Firmen oder Firmenteilen. Aber gerade bei diesem Punkt sind viele Firmen in den letzten Jahren sehr vorsichtig geworden.

Die Möglichkeit von Akquisitionen besteht auch nicht immer. Gemäss Della Casa stellt bei sehr grossen Firmen ein Aktienrückkauf oftmals die einzige sinnvolle Alternative dar, da Firmenübernahmen für so hohe Beträge nicht realistisch sind. Bekanntestes Beispiel ist hier Apple, die im Mai 2017 das Volumen der Rückkäufe auf 210 Milliarden Dollar steigerte. Mit diesem Rückkaufbetrag könnte sich Apple locker eine Novartis leisten.

Anders verhält es sich bei kleineren Firmen: "Hier könnte das Geld je nachdem für externes Wachstum verwendet werden, um die Marktposition zu festigen", ist Della Casa überzeugt. Die Firma hat sich dann quasi für die simplere Lösung entschieden und die Chance verpasst, einen Mehrwert zu generieren. Nichtdestotrotz kann es auch in solchen Fällen beim Rückauf zu einem Kursanstieg des Titels kommen.

In Firmen mit Aktienrückkäufen investieren

Wer gezielt auf Firmen mit Aktienrückkäufen setzen möchte, dem stehen massgeschneiderte ETF zur Verfügung: Der "iShares US Equity Buyback Achievers UCITS ETF" setzt auf US-Unternehmen, die Aktienrückkäufe aus "finanziell angemessenen Gründen" durchgeführt haben. Der "Powershares Global Buyback Achievers UCITS ETF” hingegen besteht aus Unternehmen aus der ganzen Welt, die während der letzten zwölf Monate die Anzahl ihrer umlaufenden Aktien um 5 Prozent oder mehr gesenkt haben.

Auch in der Schweiz haben in den letzten Monaten einige börsenkotierte Firmen wieder Aktienrückkaufprogramme angekündigt. Darunter grosse Namen wie Swiss Re, Novartis und ABB, aber auch kleinere Titel wie Forbo und Spice Private Equity (siehe Tabelle unten). Vor allem das Beispiel Swiss Re zeigt, dass ein Rückkaufprogramm nicht immer ein Garant für eine positive Kursentwicklung ist: Seit der Ankündigung im Februar hat die Aktie um 3 Prozent nachgegeben (allerdings auch wegen des Dividendenabschlags am 25. April).

Vielleicht wäre der Kurs von Swiss Re zwar ohne das Rückkaufprogramm noch tiefer gefallen, doch zeigt dies exemplarisch, das Anleger nicht blind zugreifen sollten, wenn Rückkaufprogramme anstehen. Auch andere kursrelevante Aspekte spielen beim Kaufentscheid eine Rolle, etwa das allgemeine Börsenumfeld, die Eigenkapitalsituation oder die Geschäftsaussichten.

Aktienexperte Della Casa ist übrigens kein Fan einer Anlagestrategie, die gezielt auf Aktienrückkäufe setzt:  "Eine solche Strategie kann aufgehen, aber ich würde dies so nicht empfehlen." Der Anlagestratege hält nichts von Themeninvestments, denn: "Man sollte gute Aktien zu einem guten Preis kaufen. Unabhängig davon, ob ein Aktienrückkaufprogramm ansteht oder nicht."

Auswahl von Schweizer Firmen mit angekündigtem Aktienrückkaufprogramm

Titel Datum Ankündigung Performance seit Ankündigung, in % Details zum Rückkauf
ABB 04.10.2016 +14 Ab 2017 Rückkauf von bis zu 3 Milliarden Dollar
Adecco 02.03.2017 +6 Rückkauf bis zu 300 Millionen Euro bis März 2020
Baloise 26.10.2016 +24 Rückkauf von bis zu 3 Millionen Aktien in den nächsten 3 Jahren
Forbo 07.03.2017 +18 Rückkauf von bis zu 10 Prozent der Aktien in den nächsten 3 Jahren
GAM 28.04.2017 +9 Rückkauf von bis zu 16 Millionen Aktien bis 30. April 2020 (10 Prozent der Aktien)
LafargeHolcim 18.11.2016 +4 Rückkauf von 1 Milliarde Franken in den nächsten zwei Jahren
Novartis 25.01.2017 +13 Rückkauf von bis zu 5 Milliarden Dollar im Jahr 2017
SGS 23.01.2017 +9 Rückkauf von bis zu 250 Millionen Franken, Zeitraum noch offen
Spice Private Equity 27.03.2017 +1 Rückkauf von 7,2 Prozent der Aktien zu Marktpreisen bis 28. April 2018
Swiss Re 23.02.2017 -3 Rückkauf von bis zu 1 Milliarden Franken bis April 2018