Anleger brauchen im Oktober starke Nerven

Aktienanleger sollten sich zum Start in das Schlussquartal 2016 warm anziehen. Denn der Börsenmonat Oktober verspricht ungemütlich zu werden.
02.10.2016 13:15
An den Börsen könnte es im Oktober rund zu und her gehen.
An den Börsen könnte es im Oktober rund zu und her gehen.
Bild: cash

"Die Nervosität der Anleger nimmt angesichts der nahenden US-Wahlen und der Schwäche im Bankensektor zu", sagt Stratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Jörg Krämer von der Commerzbank meint, das "Risiko Trump" dürfte zunehmend in den Mittelpunkt rücken und die Volatilität steigen lassen. Investoren sehen die angekündigten Reformen des republikanischen Kandidaten Donald Trump kritisch. Seine demokratische Herausfordererin Hillary Clinton steht dagegen für Kontinuität.

Im Fokus steht zudem weiterhin die Deutsche Bank, der in den USA eine milliardenschwere Strafe wegen der Affäre um Tricksereien am amerikanischen Immobilienmarkt droht. 

Ein rasantes Auf und Ab bei der Aktie der Deutschen Bank prägte zum Wochenausklang das Marktgeschehen. Weil einige Hedgefonds Gelder bei Deutschlands größtem Geldhaus abgezogen haben, sackte das Papiere zeitweise erstmals unter zehn Euro ab und zog sämtliche andere Finanzwerte, so auch die UBS und die Credit Suisse, in die Tiefe. Nach einem Medienbericht über eine geringer als befürchtete Strafe im US-Hypothekenstreit zog der Kurs zum Handelsschluss doch noch um 6,4 Prozent auf 11,57 an. Die in New York gehandelten Aktien sprangen rund 14 Prozent in die Höhe, nachdem sie am Tag zuvor noch starke Verluste erlitten hatten.

SMI negativ

Die Kursturbulenzen schüttelten die Börsen in Europa ordentlich durch. Der EuroStoxx50 gewann 0,4 Prozent auf 3002,24 Zähler. Auf Wochensicht verlor er aber immer noch jeweils rund ein Prozent. Der Swiss Market Index verlor in der abgelaufenen Woche 1,6 Prozent.

An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,9 Prozent höher auf 18.308 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte 0,8 Prozent auf 2168 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,8 Prozent auf 5312 Punkte. Im Quartalsvergleich ergab sich für den Dow ein Plus von 2,1 Prozent, den S&P ein Aufschlag von 3,3 Prozent und den Nasdaq-Index ein Anstieg von 9,7 Prozent.

Auch die Commerzbank steht nach der Ankündigung eines Abbaus von fast 10'000 Stellen bei Börsianern im Fokus. Das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut lädt am Dienstag zu seinem Investorentag.

Ausblick auf die Woche

Zahlreiche Konjunkturdaten werden die Anleger in Atem halten. So stehen am Montag Einkaufsmanagerindizes für dies- und jenseits des Atlantiks auf der Agenda. Zudem steht der ISM-Konjunkturindex aus den USA an. Es müsse sich zeigen, ob die Schwäche im August wirklich nur von temporärer Natur gewesen sei, sagt HSBC-Volkswirt Stefan Schilbe. In Deutschland bleiben am Montag die Börsen feiertagsbedingt geschlossen. In China ist sogar die gesamte Woche arbeitsfrei.

Am Donnerstag stehen die Auftragseingänge der deutschen Industrie für August im Mittelpunkt. Das Highlight zum Wochenschuss ist der US-Arbeitsmarktbericht für September. Experten rechnen mit einem Aufbau von 176.000 Stellen nach zuvor 151.000. "Das Vollbeschäftigungsziel der Fed ist nahezu erreicht", meint Commerzbank-Stratege Bernd Weidensteiner. Der von Fed-Chefin Janet Yellen zuletzt verbreitete Optimismus hinsichtlich des Arbeitsmarktes spreche für eine Zinserhöhung spätestens im Dezember. Sollten die Zahlen hingegen negativ überraschen, dürften sich die Zinserwartungen weiter nach hinten verschieben, sagt Rahn.

Im Blick behalten Investoren auch die stark schwankenden Ölpreise nach der überraschenden Einigung der erdölexportierenden Länder (Opec) auf eine Förderbremse. Skepsis über eine erfolgreiche Umsetzung hatte die Preise zuletzt wieder gedrückt.

Spannend dürfte es am Dienstag beim Investorentag des Elektrotechnikkonzerns ABB werden. Der aktivistische Investor Cevian drängt auf eine Abspaltung des Stromnetzgeschäfts. Doch Insidern zufolge will das Management an seiner größten Sparte festhalten. 

(Reuters)