Anleger an der Schweizer Börse halten sich zurück

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag schwach in den Handel gestartet, erholte sich allerdings in der Folge und bewegt sich nun nahe der Nulllinie.
29.11.2016 12:55
Zurückhaltung ist Trumpf an der Schweizer Börse am Dienstag.
Zurückhaltung ist Trumpf an der Schweizer Börse am Dienstag.

Im Vorfeld des US-Arbeitsmarktberichts vom Freitag sowie vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung zum Verfassungsreferendum in Italien üben sich die Anleger in Zurückhaltung. Zudem stehen den erdölexportierenden Ländern der Opec am Mittwoch schwierige Verhandlungen zu konkreten Massnahmen betreffend Kürzung der Fördermengen bevor, was den Ölpreis belastet. In der Schweiz hat derweil die Vorfreude der Actelion-Aktionäre auf ein lukratives Übernahmeangebot einen Dämpfer erhalten.

Die Angst vor einer politischen Hängepartie in Italien halte die Finanzmärkte fest im Griff, schreibt ein Händler. Die Anleger sorgten sich davor, dass ein "No" zum Referendum nicht nur die nächste politische Krise im Land auslösen, sondern auch in die EU abstrahlen könnte. Denn faktisch würden sich die Italiener damit wohl für einen europakritischeren Kurs entscheiden. Am heutigen Nachmittag richtet sich der Blick aber zunächst in die USA, wo Daten zum BIP und zum Konsumentenvertrauen die Märkte bewegen könnten. Zahlreiche Wirtschaftsdaten aus Europa sind gemischt ausgefallen.

Bis Mittag büsst der SMI nur noch 0,2% auf 7810 Punkte ein, nachdem er im frühen Geschäft bis auf 7778 Zähler zurückgefallen war. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,1% auf 1239 Zähler, und der breite SPI 0,1% auf 8561 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln liegen je 15 im Minus und im Plus.

Actelion: Nach Höhenflug wieder auf Tauchgang

Actelion stehen bei den Bluechips mit -3,9% auf 182,60 Franken weiterhin mit Abstand am Tabellenende und geben so einen Teil der zuletzt erzielten Kursgewinne wieder ab. Wie die "Financial Times" berichtet, überprüfen der Schweizer Pharmakonzern und die US-Gesellschaft Johnson & Johnson (J&J) "nur" eine Kombination aus Teilen beider Unternehmen. Der Kursrückgang bei Actelion sei nicht überraschend, weil es nun eher nach einer Akquisition von J&J-Teilen im Gegenzug für eine Beteiligung aussieht, heisst es im Handel. Die Anleger hatten indessen auf ein hohes Angebot gehofft.

Zu den Verlierern zählen auch Dufry (-0,9%) oder das Schwergewicht Nestlé 0,6%. Mit Berenberg und Liberum haben gleich zwei Analystenhäuser das Kursziel für die Aktie gesenkt. Die Bank Berenberg empfiehlt die Titel aber weiterhin zum Kauf. Mit dem neuen CEO Mark Schneider hofft der Experte auf mehr Kostendisziplin, eine stärkere Portfoliorestrukturierung und ein schnelles Wachstum der Sparte Health Science.

Demgegenüber büssen Novartis nur 0,1% ein, während Roche sogar mit 0,2% leicht zulegen. Die Roche-Bons profitieren dabei von einer Rating-Erhöhung auf "Strong Buy" durch S&P Global, die bei Roche starkes Aufwärtspotential sieht.

Finanzwerte in engem Band

Bei den Finanztiteln hat sich der Abwärtstrend spürbar abgeschwächt: Credit Suisse verlieren 0,2% und UBS können gar mit 0,1% moderat zulegen. In der Branche geht aber nach wie vor die Sorge um, dass eine Niederlage des italienischen Regierungschefs im Verfassungsreferendum die schwachen italienischen Institute gefährden könnte. Ausserdem wurden die Finanzwerte zuletzt durch eine Warnung vor Milliardenrisiken bei der Monte dei Paschi belastet.

Aryzta weiten die gestrigen Kursgewinne mit 3,8% aus. Am Montag hatten die Aktien mit einer Achterbahnfahrt auf die präsentierten Zahlen reagiert, schlossen den Handel aber dank Kommentaren des Managements zum Ausblick klar im Plus ab. Stark entwickeln sich etwa auch Swiss Life (+1,2%) mit einer Kurszielerhöhung von Kepler oder Swatch (+1,1%).

Evolva mit neuem Finanzchef gesucht

Im breiten Markt gewinnen Evolva mit dem Branchenkenner Oliver Walker als neuem Finanzchef 5% dazu. Der Rücktritt seines Vorgängers Jakob Dynnes Hansen ist bereits seit September bekannt. Wisekey klettern um 4,6% in die Höhe. Das Cybersecurity-Unternehmen plant eine technologische Zusammenarbeit mit dem chinesischen IT-Unternehmen Feitian zur Abwehr von Hackerattacken.

Sunrise gewinnen nach anfänglichen Verlusten nun 0,6%. Das Unternehmen liegt im neusten Mobilfunknetz-Test des deutschen Branchenmagazins Connect vor Swisscom (-0,2%) und Salt. Edisun (-8,0%) hat in Spanien eine Photovoltaikanlage zugekauft und Cosmo (-0,5%) kündigte am heutigen R&D-Tag Details zu zwei erfolgreichen Phase-III-Studien mit dem Produktkandidaten Zemcolo gegen Reisedurchfall sowie zum Kontrastmittel Lumeblue an.

(AWP)