Anleger ersehnen Hoffnungsschimmer bei den Grossbanken

UBS und Credit Suisse berichten in den nächsten Tagen über ihren Geschäftsgang der Sommermonate. Dürfen die Anleger endlich Hoffnung schöpfen? Eine Vorschau auf die Drittquartalszahlen.
26.10.2016 06:58
Von Marc Forster
Paradeplatz in Zürich mit Sitz der UBS im Hintergrund.
Paradeplatz in Zürich mit Sitz der UBS im Hintergrund.
Bild: cash

Die Erwartungen an die Grossbanken sind seit langem gedämpft, wenn Quartalszahlen anstehen. Aktionäre sowohl von UBS wie Credit Suisse können ein Lied davon singen, wie problembehaftet die einstigen Paradepferde des Swiss Banking geworden sind. Wer vor einem Jahr UBS-Aktien kaufte, hat einen Drittel seines angelegten Geldes verloren. Die CS-Aktie erholt sich zwar seit Anfang August, ist aber immer noch 45 Prozent weniger wert als vor einem Jahr.

Die UBS legt ihr Drittquartalsergebnis am nächsten Freitag vor. Die Credit Suisse folgt mit ihrem Bericht am Donnerstag, 3. November. Gibt es diesmal Anlass zur Hoffnung, dass es den beiden Grossbanken besser ergangen ist als in früheren Quartalen? Für die UBS erwarten die Analysten gemäss der Konsensschätzung einen Reingewinn von 800 Millionen Franken. Im Vorjahr hatte die UBS noch 2,07 Milliarden verdient. Hauptgrund für den Rückgang sind tiefere Erträge und etwas höhere Kosten.

Bei der UBS konzentrieren sich die Prognosen vor allem auf die Investmentbank, obwohl die Einheit deutlich kleiner ist als die Vermögensverwaltung. Einig sind sich die Experten, dass die UBS-Investmentbank schlechter abschneiden wird als die Handelsabteilungen der grossen US-Banken. Die Zahlen der New Yorker Geldhäuser J.P. Morgan, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley zeigen, dass der Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) in der Periode Juli bis September das ergiebigere Geschäft war als der Aktienhandel, in dem die UBS stärker ist.

UBS spürt schwächeren Aktienhandel

Dazu kommt, dass die UBS-Investmentbank mehr auf Europa und Asien ausgerichtet ist, wo die Finanzmärkte im vergangenen Quartal weniger hergaben als in den USA. Die Grossbank HSBC stuft die UBS-Investmentbank in einer Marktprognose dennoch als die stabilste in Europa ein. Nichts neues ist, dass die Analysten die UBS wegen ihrer gestärkten Kapitalposition und ihren Kostensenkungen loben. Auch die Nettomargen in der Vermögensverwaltung und weitere Steuergutschriften helfen laut der HSBC der UBS operativ.

Die UBS macht sich auch mit einer ansehnlichen Gewinnausschüttung beliebt. Nach drei abgeschlossenen Quartalen erhoffen sich die Anleger beim Drittquartalsresultat der UBS mehr Informationen zur Dividende. Die UBS hat allerdings schon kommuniziert, dass sie mindestens 60 Rappen pro Aktie ausschütten will, was aktuell einer Dividendenrendite von hohen 6,2 Prozent entsprechen würde. Dies ist einer der Gründe, weswegen die Experten der UBS-Aktie vor der CS-Aktie tendenziell immer noch den Vorzug geben.

UBS-Aktionäre müssten aber auch darauf hoffen, dass sich die Profitabilität im Wealth Management weiter verbessert: Die Kunden, vor allem in Asien, handeln weniger. Entsprechend nimmt die Bank weniger Gebühren ein. Sollte sich diese Situation nicht verbessern, müsste die UBS eventuell noch mehr sparen, schreibt die Bank Vontobel in einem Kommentar. Weitere Risiken lauern: Wie das Gezerre um eine mögliche 14-Milliarden-Strafe für die Deutsche Bank in den USA zeigt, bleiben auch Rechtsfälle für alle globalen Grossbanken ein gefährliches Dauerthema.

CS sind rote Zahlen vorausgesagt

In den vergangenen Berichtszeiten der grossen Konzerne ist es immer wieder vorgekommen, dass am Tag der Ergebnispräsentationen die Kurse stark schwankten. Nach dem Zweitquartals-Ergebnis der UBS am 29. Juli, das positiv überrascht hatte, schlug die Aktie um 3,5 Prozent nach oben aus. Die CS-Aktie war hingegen zwei Tage davor um satte 7 Prozent gefallen, weil das Resultat einmal mehr Anlass zur Besorgnis gegeben hatte.

Die schon lange bekannten grossen Probleme der Credit Suisse sind in den Schlagzeilen der vergangenen Wochen etwas von den noch grösseren Problemen der Deutschen Bank überlagert worden. Analysten erwarten nichtsdestotrotz rote Zahlen bei der CS: Die Konsensschätzung sagt einen Verlust von 220 Millionen Franken voraus. Im Vorjahr hatte die Bank unter dem Strich noch 779 Millionen erwirtschaftet. Wie bei der UBS sind gesunkene Erträge und Mehrkosten der Grund, nur drücken diese bei der CS das Resultat ins Minus.

Bei der CS ist eine erneute Kapitalerhöhung weiterhin nicht ausgeschlossen - trotz anders lautenden Aussagen ihres CEO Tidjane Thiam. Im asiatischen Vermögensverwaltungsgeschäft muss die Bank investieren, um in diesem Markt wie angestrebt vorne dabei sein zu können. Doch die Kundenpassivität nagt wie bei der UBS an den Erträgen. Falls es stimmt (wie es in einem Marktbericht von HSBC heisst), dass die Bargeldbestände der reichen CS-Kunden in der Vermögensverwaltung durchschnittlich 30 Prozent betragen, ist dies historisch hoch.

Thiam sprach schon über Q3

Thiam hat bereits Andeutungen zum dritten Quartal gemacht und sich dabei widersprüchlich geäussert. Zunächst sagte er, es habe Kundengeldabflüsse im wichtigen Schweizer Geschäft gegeben. Nachdem die Aktie als Folge davon taumelte, relativierte Thiam am nächsten Tag und sagte: "Das dritte Quartal 2016 wird fundamental ein gutes Quartal sein, mit einer guten Leistung der Bank." Die HSBC vermutet in ihrem Marktkommentar, Thiam habe sich dabei eher auf die Strategieumsetzung als auf die Profitabilität bezogen.

Thiam forciert den Abbau der Risiken im Investmentbanking und will die Sparte noch stärker auf profitable Marktsegmente trimmen. Zudem gilt wie bei der UBS die Vermögensverwaltung mittlerweile als das wichtigere Geschäft. Zwar dürfte die CS nächste Woche Angaben zum Fortschritt der Neuausrichtung machen, aber Investoren erhoffen sich mehr Informationen vom Investorentag, den die Bank am 7. Dezember in London durchführt. Die Erwartungen sind aber nicht alle negativ: Der Fondsmanager Urs Beck sagte vorige Woche bei cash.ch, er habe CS-Aktien dazugekauft. Er rechnet mit Drittquartalszahlen, welche die Bank zumindest nicht noch einmal belasten würden.

Den grossen Befreiungschlag wird keine der beiden Grossbanken verkünden. Bei der UBS werden die Beobachter das Augenmerk darauf richten, wie solide die Erträge, die Kapitalbasis und die Kostenkontrolle sind. Bei der CS geht es darum, welche Fundamente für ein stabileres Geschäft in den kommenden Jahren schon gelegt ist. Wirklich aufwärts ginge es mit beiden Banken - und damit deren Aktien - wenn die Zinsen steigen würden. Danach sieht es im Moment aber nicht aus, und auf das geltende Zinsniveau haben weder die UBS noch die CS sonderlich viel Einfluss.