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Anleger flüchten in die SGS-Aktie

Auch SGS spürt den Abschwung im Bergbau und in der Ölindustrie. Dennoch wird die Aktie des Warenprüfkonzerns von den Anlegern als «sicherer Hafen» genutzt. Zu recht?
05.02.2016 10:28
Von Lorenz Burkhalter
Zieht derzeit viel Kapital an: Die Aktie des Genfer Warenprüfkonzerns SGS.
Zieht derzeit viel Kapital an: Die Aktie des Genfer Warenprüfkonzerns SGS.
Bild: Screenshot

An der Schweizer Börse fristet die Aktie des Genfer Warenprüfkonzerns SGS für gewöhnlich ein Mauerblümchen-Dasein. Kein Wunder: Denn bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen trägt sie gerade einmal 1,1 Prozent zur Gesamtkapitalisierung bei.

Allerdings hat der Aktienkurs zuletzt Schub bekommen. Während der SMI in den vergangenen fünf Wochen um 10 Prozent tauchte, legte das Papier vorübergehend um mehr als 5 Prozent zu.

Das überrascht, steht das Unternehmen doch nicht gerade hoch in der Gunst der Banken. Wie sich Statistiken von AWP entnehmen lässt, empfehlen gerademal drei von 18 Analysten die Aktie zum Kauf. Fünf von ihnen halten sogar eine Verkaufsempfehlung bereit. Ein klare Zeichen setzt auch das durchschnittliche Kursziel von 1888 Franken. Immerhin liegt es 3 Prozent unter dem Schlussstand vom Donnerstag.

Defensive Attribute treffen den Nerv der Anleger

Es dürfte vor allem die stolze Bewertung sein, welche viele Banken von einer positiveren Einschätzung der Aktie von SGS abhält. Immerhin ist diese mit nicht weniger als dem Zweiundzwanzigfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns bewertet. Ein Schnäppchen war der Warenprüfkonzern nie, was in allen den wachstumsträchtigen Jahren aber auch nie ein Problem gewesen ist. Doch aufgrund des Abschwungs im Bergbau sowie in der Öl- und Gasindustrie gehören die wachstumsreichen Jahre bis auf weiteres der Vergangenheit an.

Diese Meinung vertritt auch der für Barclays Capital tätige Analyst. In einer am Freitag erschienenen Branchenstudie empfiehlt er die Aktie mit "Underweight" zum Verkauf. Das Kursziel zieht er nach dem zuletzt starken Abschneiden auf 1975 (1850) Franken nach. Für den Experten steht fest: Die defensiven Attribute und die mit 3,5 Prozent ziemlich attraktive Dividendenrendite treffen derzeit den Nerv der Anleger. Mit anderen Worten: Man sucht angesichts der Börsenturbulenzen Schutz in dieser dividendenstarken Aktie.

Wiegen sich Anleger in falscher Sicherheit?

In Anbetracht der immer grösseren Regulierungsdichte ist SGS in einem vielversprechenden Geschäftsfeld tätig. Die Regulierungen werden auch in den Schwellenländern nicht weniger, was den Genfer Warenprüfkonzern in Zukunft wieder stärker wachsen lassen sollte - und das weitestgehend unabhängig von der Weltwirtschaftsentwicklung.

Doch bis dahin drückt die hohe Abhängigkeit von Kunden aus der Öl- und Gasindustrie sowie aus dem Bergbau bei den Westschweizern auf die Geschäftsentwicklung. Gemäss Barclays Capital erzielt das Unternehmen direkt und indirekt geschätzte 36 Prozent des Jahresumsatzes mit solchen Kunden.

Wie das am 20. Januar veröffentlichte Jahresergebnis zeigt, beginnt der Preiszerfall an den Rohstoffmärkten bei SGS auf die Geschäftsentwicklung durchzudrücken. Gerade in der ersten Hälfte dieses Jahres könnte der Warenprüfkonzern die eigenen Wachstums- und Margenerwartungen verfehlen. Eine solche Enttäuschung würden Anleger dem Unternehmen wohl nicht verzeihen und sich von der stolz bewerteten Aktie trennen. Die in den letzten Wochen beobachtete Flucht in diesen vermeintlich "sicheren Hafen" dürfte sich deshalb als voreilig erweisen und keinen Bestand haben.