Anleger flüchten in Schweizer Obligationen

Der zehnjährige «Eidgenoss» ist derzeit bei Investoren als sicherer Hafen gefragt, was die Rendite auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten drückt. Ist das bereits wieder das Ende der Zinswende?
03.02.2014 14:47
Von Ivo Ruch
Franken-Anlagen wie der «Eidgenoss» sind bei Anlegern wieder gefragt.

Es ist eine Entwicklung, die so nicht vorhergesehen wurde. Die Rendite der 10-jährigen Bundesobligationen ist am Montag auf 0,95 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2013 gefallen. Bereits am vergangenen Donnerstag rentierte der so genannte "Eidgenoss" erstmals seit sieben Monaten weniger als 1 Prozent. Seit Jahresbeginn ist der Bundesobli-Zins somit um 23 Prozent eingebrochen.

Mit diesem Absturz hatten die wenigsten Experten gerechnet. Noch im September hatten Ökonomen auf 12 Monate hinaus eine Rendite von bis zu 1,6 Prozent prognostiziert. Dazu gehörte auch David Marmet, Leiter Marktanalyse Schweiz der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Mittlerweile hat er seine langfristige Prognose auf 1,4 Prozent revidiert. "Die doch eher schleppende globale Konjunkturerholung und die Unsicherheiten über die Entwicklung in den Schwellenländern haben unsere Zinserwartungen leicht gedämpft", erklärte Marmet auf Anfrage. 

Flucht in sichere Häfen

Ursina Kubli führt den Kurssturz des "Eidgenossen" auf die steigende Risikostimmung an den Finanzmärkten zurück. "Die zunehmende Abneigung gegenüber risikoreichen Anlagen führt dazu, dass die Flucht in sichere Häfen verbreitet feststellbar ist", so die Ökonomin der Bank J. Safra Sarasin. Zu diesen sicheren Anlagen gehört derzeit der Franken. Am Montag ist die Schweizer Währung gegenüber dem Euro auf den höchsten Stand seit zwei Monaten geklettert.

Seit Anfang Jahr habe sich die eigentlich robuste und dynamische konjunkturelle Lage eingetrübt, so Kubli. Ein wichtiger Faktor dafür sei die Schwäche der Schwellenländer. Weil die amerikanische Zentralbank Fed ihre Flut des billigen Geldes zusehends drosselt, ziehen Anleger ihre Gelder zurzeit im grossen Stil aus den Schwellenländern ab. In den vergangenen Jahren hatten diese Märkte von der lockeren Geldpolitik der Fed profitiert. Wachstumsschwäche, hohe Inflationsraten oder politische Probleme in Ländern wie Argentinien, der Türkei oder Südafrika sind andere Gründe für die dunklen Wolken über den aufstrebenden Volkswirtschaften.

Ein zweiter Grund für die zunehmende Abneigung gegenüber risikoreichen Anlagen sieht Kubli in den wenig dynamischen Vorlaufindikatoren der chinesischen Wirtschaft. "Die chinesische Regierung nimmt offenbar für die notwendigen Reformen eine vorübergehende Abkühlung der Wirtschaft in Kauf", sagt die Expertin.

Renditen dürften wieder ansteigen

Sie geht aber nicht davon aus, dass die jüngste Korrektur das Ende der im letzten Mai lancierten Zinswende einläutet. Mittel- bis langfristig dürften sich die Renditen der 10-jährigen Eidgenossen wieder etwas erholen, sagt Kubli im Einklang mit anderen Ökonomen.

So rechnet die ZKB nach dieser Korrektur wieder mit steigenden Renditen, wie sie am Montag in einem  Marktkommentar schreibt. Auch Ursina Kubli sieht die Rendite in sechs Monaten etwas erholt – bei 1,1 Prozent. Und für Ende Jahr macht Kubli die Prognose von 1,3 Prozent. Das wäre aber immer noch der höchste Stand in der seit Sommer 2011 herrschenden Tiefzinsphase.